Arkona - Lunaris

Review

ARKONA aus Polen sind definitiv Meister der Überraschung: Die frühen Alben bis einschließlich „Konstelacja Lodu“ waren klassische, kalte, nordisch eingefärbte Black-Metal-Alben, immer gut, aber selten besonders gut. Nach besagtem Album aus dem Jahre 2003 machte die Band erstmal eine Pause, zumindest an der Studioalben-Front, und 2014 meldeten sie sich eindrucksvoll mit „Chaos.Ice.Fire“ zurück. Sie waren finsterer geworden, hatten sich stilistisch eher an ihren Landsleuten wie KRIEGSMASCHINE oder FURIA orientiert, dabei aber im Songwriting durchaus für Eigenständigkeit gesorgt. Allein, der Sound war nicht ganz so schick, vor allem das Schlagzeug klang sehr künstlich. Nun, zwei Jahre später, präsentieren ARKONA ihr neues, sechstes Album „Lunaris“ – und darauf gehen sie nicht nur stilistisch einen Schritt weiter, nein, sie bügeln auch einige der Fehlerchen aus, die „Chaos.Ice.Fire“ noch von den ganz großen Meisterwerken der polnischen Black-Metal-Szene trennten.

Zwischen Orthodoxie, Melodik, Ambient, Klassik und Filmmusik

So ist „Lunaris“ wieder ein sehr finsteres, beinahe orthodoxes Black-Metal-Album, ohne jedoch in einer Sekunde die Hörbarkeit zu vergessen. Die Vergleiche zu FURIA und KRIEGSMASCHINE passen immer noch, zumindest irgendwie, aber ARKONA sind anders. Melodischer. Getragener. Epischer. Die Melodik von „Lunaris“ ist dabei besonders beeindruckend: Das Album ist weit davon entfernt, ein Melodic-Black-Metal-Werk im eigentlichen Sinne zu sein, dafür ist es atmosphärisch viel zu dunkel. Aber die Art und Weise, wie ARKONA ihre höchst eingängigen Melodien mit der finstersten Herangehensweise an Black Metal paaren, das ist große Kunst.

Nicht zuletzt übrigens klappt das, weil die Polen ihre Songs auch immer wieder mit Ambient-Parts schmücken, die allerdings nicht, wie so oft im Black Metal, aus simplem Dark-Ambient-Gewaber bestehen. Stattdessen platzieren ARKONA hier an der klassischen Musik orientierte Streicher, dort erinnern sie an die großen Meister der Filmmusik aus dem klassischen Hollywood – ohne Sinfonien auszupacken wohlgemerkt, sondern nur mit simplen und effektiven Melodien.

„Lunaris“: Auch einfach nur richtig gute Black-Metal-Songs

Und darüber hinaus schreiben ARKONA eben auch „einfach nur“ gute Black-Metal-Songs. Der Opener „Drogo Do Ocalenia“ beginnt mit klassischem Ambient-Wabern, bevor er als Uptempo-Klopper durchstartet und sich später zu einem finsteren, doch melodischen, sehr abwechslungsreichen Stück typisch polnischen Black Metals entwickelt. „Ziemia“ hält sich in Sachen Tempo weitestgehend zurück, ist ein schleppender Midtempo-Song mit viel Black-Metal-Groove, Atmosphäre und einem jener wunderbaren, klassisch orientierten Ambient-Parts im Mittelteil.

„Smierc I Odrodzenie“ ist ohne Probleme der Hit und Übersong von „Lunaris“, nach einem Orgelintro packen ARKONA doch noch einmal die kalten, nordischen Gitarren und schwedisch orientiertes Uptempo-Spiel aus, bevor sich der Song weiterentwickelt, weitergeht, finsterer wird, jedoch nicht, ohne sich weiterhin mit seinen eindringlichen Melodien in die Hirnwindungen zu fräsen. „Lsnienie“ kreiert mit seiner simplen, hypnotischen Leadgitarre und hintergründigem, repetetivem Pianospiel einen unwiderstehlichen Sog, bevor der „Lunaris“-Titeltrack schließlich abermals Uptempo-Gekloppe, melodisches Riffing und im weiteren Verlauf hartes Midtempo miteinander vereint. Der Abschluss des Songs, und damit des Albums, ist dann ein letztes, wunderbar emotionales Aufbegehren der ambienten Seite von „Lunaris“, ein Abschluss, der unter die Haut geht.

Das bisher beste Album der ARKONA-Diskografie!

Da ist es fast schon schade, dass es doch etwas zu meckern gibt, nämlich über den Song „Nie Dla Mnie Litosc“. Der wirkt, abgesehen von den tollen Filmmusik-Elementen im Ambient-Teil, nämlich sehr gewöhnlich und lässt, zumindest mich, emotional eher kalt. Das trübt den überragenden Gesamteindruck von ARKONAs sechstem Album sicherlich nur bedingt, sind dafür doch die anderen fünf Stücke des Albums große Black-Metal-Kunst, und gleicht doch „Smierc I Odrodzenie“ mindestens einen Ausreißer nach unten aus. Dennoch, einer der Songs verhindert, dass die Polen mit „Lunaris“ an Höchstwertungen kratzen – schade! Trotzdem legen ARKONA mit ihrem neuen Album das wohl beste ihrer Diskografie vor. Die Art und Weise, in der die Band Melodik, Atmosphäre und klassische Elemente miteinander verbindet, ist auf jeden Fall richtig, richtig großes Black-Metal-Ohrenkino. Klare Empfehlung!

28.10.2016

Der metal.de Serviervorschlag

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1 Kommentar zu Arkona - Lunaris

  1. Ben sagt:

    Hier sollte jeder Black Metal Fan defintiiv mal ein Ohr riskieren.

    Sehr schöne Scheibe! Geht ins Ohr und bleibt im Kopf. Respekt an die Herren

    9/10