Audrey Horne - Achilles

Review

Galerie mit 24 Bildern: Audrey Horne - Eier mit Speck 2019

Der ganz große kommerzielle Wurf gelang AUDREY HORNE bisher nicht. Verdient hätten es die Heavy-Rocker aber durchaus. Ihre schweißtreibenden Shows sorgen mit breitbeinigen Gitarren, glühenden Melodien und mitreißender Spielfreude für beste Laune. Auch ihre Studioalben, insbesondere die letzten „Blackout“ (2018) und „Devil’s Bell“ (2022), unterstrichen ihren Status als „Everybody‘s Darling“ und boten qualitativ hochwertigen Hard Rock voller Hooks, guter Laune und wunderbarer Zitate der großen Helden aus den Siebzigern und Achtziger.

Hooks, gute Laune und wunderbare Zitate

AUDREY HORNE bieten auch auf ihrem achten Studioalbum „Achilles“ wieder zuhauf von den liebgewonnenen Trademarks. Mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein präsentieren die Norweger das Beste, was der Hard Rock der Siebziger und Achtziger zu bieten hat – tolle Twin-Gitarren-Melodien, druckvolle Riffs, das besondere Gespür für eingängigste Hooks, der charismatische, einnehmende Gesang von Toschie, kraftvolle Grooves. Das Spiel mit Dynamiken und Energien. Die Heavy-Rocker verstehen es, diese Zutaten in kraftprotzend und gleichzeitig leichtfüßige Songs so unnachahmlich frisch und unverbraucht mit unbändiger Spielfreude zu vereinen.

Und doch ist da diese Entwicklung, hat sich auch für AUDREY HORNE die Welt weitergedreht und ist bei ihnen ein wenig von der einstiegen Sorglosigkeit auf der Strecke geblieben. „Achilles“ ist etwas ernster und nachdenklicher, mal etwas progressiver, mal etwas ruhiger. Abwechslung ist Trumpf? Bei AUDREY HORNE sowieso!

Abwechslung ist Trumpf!

Der epische Titelsong eröffnet das Album. Mächtig schwere Riffs, duellierende Twin-Leads, eindrucksvolle Rhythmusarbeit, prägnanter wie emotional fesselnder Gesang. AUDREY HORNE arbeiten in dem teils ordentlich progressiven Stück mit wechselnden Stimmungen, die Kontraste der verschiedenen Passagen sind deutlich stärker herausgearbeitet, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Die Polarisierung in den Lyrics wird durch die Musik noch weiter verstärkt. Dennoch oder gerade deswegen besticht „Achilles“ durch seine einnehmende Atmosphäre. LED ZEPPELIN dringen als Einfluss hier immer wieder durch.

Straighter, aber weiter atmosphärisch angespannt ist „In The Eye Of The Hurricane“. Melodischer wie mitreißender Hard Rock mit weiten Arrangements, ausgefeilter Gitarrenarbeit und großem Refrain. Das kraftvolle „Vampires“ ist noch griffiger, schleppender und voller Attitüde. Gut, aber AUDREY HORNE können es besser.

AUDREY HORNE können es besser

„God Damn Beautiful“ klingt nämlich genauso, wie der Titel verspricht. Eine einprägsame, organische Gute-Laune-Hymne, wie sie so typisch für AUDREY HORNE ist. Groovend eingängig, deutliche Einflüsse von THIN LIZZY insbesondere mit den Twin-Leads, prominente Basslinie, der Refrain zum lauthals Mitsingen (nur echt mit Bier in der Hand!). Und Bassist Espen Lien als überzeugt hier souverän auch als Leadsänger und drängt Toschie aus dem Rampenlicht! Man kann nicht anders, als bei dieser zielgerecht auf den Punkt kommenden Hüftschwung-Nummer grinsend mitzumachen.

„Pretty Little Lies“ ist eine schöne Halbballade, deren selbstanklagender Text dem Stück eine bis dahin bei den Norwegern eher selten gekannte Schwere verleiht.

Ein weiterer Höhepunkt ist die dynamische, energiegeladene Rockhymne „Insanity“. Twin-Gitarren, Ohrwurm-Refrain, die Storyline von „Hallowed By Thy Name“ (IRON MAIDEN) inspiriert. Besser gesagt handelt es sich hierbei um den erdachten Prolog. Düster eingängig wie Adrenalin pur.

Der Adrenalinpegel bleibt oben, wie die zweite Albumhälfte heavier ausfällt. „Hell Is Eternity“ ist wuchtig hart, düster und gleichzeitig melodisch und zugänglich, mit cooler Basslinie und den Zwillingsgitarren. Auch der riffgeladene Rocker „Six Feet In The Ground“ lebt vom lässigen Fundament und diesen charmant warmen Gitarren. AUDREY HORNE agieren erwachsener, aber immer mit ihrem typischen Augenzwinkern.

Immer mit ihrem typischen Augenzwinkern

Das abwechslungsreiche „Achilles“ zeigt eine reifere, ernstere und etwas progressivere Seite der Norweger. Eine Weiterentwicklung in fein dosierter Abstimmung – Ihr grundeigener Charakter, ihre mitreißende Spielfreude, ihr Gespür für eingängige Melodien und große Refrains haben AUDREY HORNE beibehalten. Stark!

25.08.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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