Carpe Noctem - In Terra Profugus

Review

CARPE NOCTEM, das ist ein Name, den ich persönlich eher mit einer Gothic-Band inklusive viel Düsterromantik assoziieren würde – doch weit gefehlt: CARPE NOCTEM (die Isländer, nicht die Oldenburger, wobei auch letztere ein Antesten wert sind) scheißen auf Romantik und veröffentlichen stattdessen mit „In Terra Profugus“ ein durchweg dunkles Album aus dem Bereich des orthodoxen Black Metal, das zwar nicht an allen Stellen restlos zu überzeugen vermag, aber doch zumindest eine gute Portion geballter Finsternis darstellt.

Wie bereits erwähnt, spielen CARPE NOCTEM auf ihrem ersten Full-Length-Album Black Metal der orthodoxen Marschrichtung, lockern ihren Stil durch auf dem Album omnipräsente Doom-Einflüsse auf und bringen eine ganze Menge Laut-Leise-Dynamik ins Spiel, indem sie immer wieder die Verzerrung von der Gitarre nehmen und ein bisschen Hall darauf packen. Insofern ist „In Terra Profugus“ ein durchaus eigenständiges Werk, das immer wieder dynamische Akzente setzen und auch durch Überraschungen punkten kann. So stellt die Eröffnung des Openers „III. Odium Somniferum“ gleich einmal eine riesige Hommage an BLACK SABBATHs gleichnamige Bandhymne dar (es wird dasselbe Eröffnungsriff gespielt, bevor es nach rund zweieinhalb Minuten mit vier Tritten in die Bassdrum und einem Schlag auf’s Maul des Hörers in einen schnelleren Part reingeht), „I. VITRIOL“ wird ganz langsam mit verhallten Akustikgitarren und zähflüssigem Schlagzeugspiel aufgebaut, bevor es auch hier schlagartig in einen schnelleren Part reingeht, und das darauffolgende „II. Metamorphoses Maleficarum“ überzeugt in seinem ersten Drittel mit einer melodischen Leadgitarre, die für CARPE NOCTEM-Verhältnisse fast schon denkwürdig straight anmutet.

Es sollte klargeworden sein, dass „In Terra Profugus“ alles andere als Easy Listening ist, es wird viel mit Hall, mit Dissonanzen, mit vertrackten Strukturen experimentiert, wodurch eine stilistische Nähe zu jüngeren DEATHSPELL OMEGA-Alben nicht von der Hand zu weisen ist, allerdings können CARPE NOCTEM nur in seltenen Momenten an deren Intensität heranreichen. Das ist im Übrigen auch der eine große Kritikpunkt, der verhindert, dass sich „In Terra Profugus“ in die Reihe der absoluten Empfehlungen stellen kann: Es fehlen ein paar mehr zwingende Momente im Songwriting; die Intensität anderer, vergleichbarer Veröffentlichungen wird zu selten erreicht. Zwar gibt es in jedem der fünf Stücke auf diesem Album ein paar Highlights, die beweisen, dass die fünf Isländer durchaus das nötige Talent besitzen, und mit „I. VITRIOL“ gibt es auch einen Song, der durchgängig zu überzeugen weiß, aber es fehlt eben noch das i-Tüpfelchen.

Insofern kann jedem Fan leicht progressiv-sperrig ausgerichteten Orthodox Black Metals der Art, wie die bereits genannten DEATHSPELL OMEGA oder auch CARPE NOCTEMs Landsmänner SVARTIDAUðI ihn spielen, empfohlen werden, „In Terra Profugus“ eine Chance zu geben, auch wenn die Klasse der genannten Beispiele nur bedingt erreicht wird. Trotzdem ist CARPE NOCTEM mit ihrem ersten Album in voller Länge durchaus ein beeindruckendes Werk gelungen, das gespannt auf weitere Veröffentlichungen der Band macht.

31.08.2013

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