Dark Tranquillity - Yesterworlds – The Early Demos

Review

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Wie auch schon bei PARADISE LOST veröffentlichen Century Media von DARK TRANQUILLITY dieser Tage eine im old school Vinyllook super aufgemachte, mit Liner Notes von Gitarrist Niklas Sundin versehene, limitierte Veröffentlichung in Form einer mit Raritäten gespickten Compilation. Und auch die Schweden feiern ihr 20jähriges Bestehen, indem sie zurück zu den Anfangstagen ihrer Karriere gehen.

Der geneigte Fan hat hiermit die Möglichkeit, in der rohen musikalischen Ursuppe des Melodic-Death-Metals zu lauschen, zu dessen Miterfindern und mit einflussreichster Band DARK TRANQUILLITY schließlich zählen. Denn wenn es um die Vorreiter des so genannten Göteborg-Sounds geht, steht diese Truppe ganz weit oben.

Der chronologischen Reihenfolge nach macht das erste und einzige Demo unter dem Banner von DARK TRANQUILLITY, das „Trail Of Life Decayed“ von 1991, den Anfang. Auf diesem sang bzw. schrie übrigens noch, wie auch auf der „A Moonclad Reflection“ 7″ EP, ein gewisser Anders Fridén, welcher von 1989 bis 1993 seine Stimme für dieses Elchtod-Aushängeschild malträtierte, ehe er sein weiteres Glück in einer anderen Band namens IN FLAMES suchte und fand. Wie nicht anders zu erwarten, auch solche Meister ihres Fach fangen erstmal noch etwas unbeholfen an. Die ersten Gehversuche klingen nicht nur sehr roh, ziemlich ruppig und ja, auch etwas holprig. Von der Raffinesse späterer Werke war hier noch nicht allzu viel zu spüren, und dennoch merkt man, welch Potential schon damals in der Band schlummerte. Die relativ langen Stücke sind eher unterschwellig melodisch und noch klar vom regulären Death Metal beeinflusst.

Gleiches gilt auch für die zwei Songs der „A Moonclad Reflection“ 7″ EP, wenngleich hier die Melodien schon deutlich faszinierender sind und sich auch sonst einiges in der Entwicklung getan hat. Zum wirklich weiten Wurf holten DARK TRANQUILLITY dann aber bekanntlich mit ihrem Debütalbum „Skydancer“ aus.

So schön es auch ist, diese Stücke vereint auf dieser CD zu haben, und hiermit an der Geburtsstunde eines Genres Zeuge zu sein… haftet der Sache auch ein wenig ein bitterer Beigeschmack an, schließlich wurden genau diese Songs bereits mit der „Exposures – In Retrospect And Denial“ Zusammenstellung im Jahr 2004 wiederveröffentlicht.

Dafür kommen wir nun zu den wirklichen Raritäten: Drei bisher unveröffentlichten Stücken einer Promoaufnahme vom März 1994, auf welchen zum ersten Mal Mikael Stanne sang. Der Überklassiker „Punish My Heaven“ sowie „Away, Delight, Away“ und „The Gallery“ erscheinen hier in roheren und teilweise schnelleren Versionen als letztendlich auf dem Album „The Gallery“. Und hier lässt sich auch wunderbar der eindrucksvolle Werdegang der Melodic-Death-Mitbegründer sehr gut nachvollziehen. Wie kaum eine andere Band schafften sie nun, todesbleierne Wucht, metallisches Riffgewitter mit wunderbaren, eingängigen, teils melancholischen Melodien, virtuosen Leads, zu verbinden, den Spagat zwischen klassischem Heavy Metal und Death Metal. Den Abschluss bildet die alternative, etwas härtere Version von „Punish My Heaven“ von der mittlerweile legendären W.A.R.-Compilation, welche die erste Aufnahme der Band im Studio Fredman darstellte.

Wer „Exposures – In Retrospect And Denial“ bereits besitzt, muss selbst abwägen, inwiefern die zusätzlichen Songs für das individuelle Interesse sind, um sich diese CD zuzulegen. Für Liebhaber des melodischen Elchtodes, welche mit den Frühwerken DARK TRANQUILLITYs noch nicht vertraut sind, ist dies sicherlich eine lohnenswerte Raritätensammlung der Pioniere, welche vielen ähnlich gearteten Bands immer ein Stückchen weit voraus waren.

27.05.2009

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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