Dawn Of Ashes - Genocide Chapters

Review

Das erste, was ich offiziell zum Thema DAWN OF ASHES gelesen habe, waren dutzende fassungslose, überraschte, enttäuschte, empörte – kurz: angepisste – Stimmen von Fans, die am liebsten keine mehr sein wollten. Während mir schon die ersten Takte ihres Albums die Gehörgänge freiputzten, musste ich mit Erstaunen feststellen, welchen Werdegang die Band hinter sich hat. Industrial? Aggrotech? EBM?? So langsam kann ich das Gemecker nachvollziehen.

Scheinbar haben die Kalifornier eine 180-Grad-Wende vollzogen, denn mit clubtauglichen, elektroniklastigen Klängen hat das, was hier auf den Hörer niederprasselt, nicht das Geringste mehr zu tun. Stattdessen ballern sie uns gleich im ersten Track ein Stakkatoriff um die Ohren, welches den Hauch von Fear Factory verbreitet, nur um kurz darauf mit einer symphonischen Attacke á la SEPTIC FLESH im Refrain anzugreifen. Holla, die Waldfee!
Mit dem zweiten steuern sie gleich den nächsten, leuchtenden Orientierungspunkt an, denn das mit ägyptischem Unterton versehene „Nyarlathotep’s Children Of The Void“ schielt deutlich Richtung DIMMU BORGIR: Ein schwarz getünchtes Midtempo-Stück mit wabernden Synthflächen im Hintergrund und Chorälen in den Refrains. Nachdem sie diese Rezeptur für sich etabliert haben, wird sie auf dem Album ziemlich konsequent durchgezogen, so dass man ein ums andere Mal auch mal bei CRADLE OF FILTH vorbeiklingelt.
Wütende, thrashlastige Brecherriffs, grooviges Gehämmer, Blasts und Geshredder, und bei allem ein bisschen von jedem. Black, Death und Thrash geben sich hier unter dem schwammigen Banner „Extreme Metal“ die Klinke in die Hand, und sogar ihre Industrialwurzeln schimmern durch. Lediglich bei „London’s Anthem For The Pleasure Of Mutilation“ kommt durch das Power-Galopp und die Kirmesmelodie ein unnötiger Kitschmoment hinein, der den Fluss des Albums jäh unterbricht.

DAWN OF ASHES klingen nicht nach einer Band, die erst vor kurzem ihre Liebe zum Metal entdeckt hat, man hört dem Album eine Reife an, die nicht von ungefähr kommt. Was für mich den Schlüsselfaktor an diesem Album ausmacht, ist sein wirklich gut ausbalanciertes Verhältnis zwischen beinhartem Metal und Synth-getragener Atmosphäre, bei dem die Tasteninstrumente sich zu keinem Zeitpunkt in den Vordergrund drängen wollen, sondern als stimmungsvolle Grundierung dienen. Stilistisch gesehen platzieren sie sich damit unter der Flagge von bekannteren Namen, was gleichzeitig wenig Alleinstellungsqualitäten bedeutet. Nein, besonders individuell mag „Genocide Chapters“ nicht sein, aber es ist ein ziemlich unterhaltsames, bisweilen schweißtreibendes Werk geworden, welches gleich mehrere hitverdächtige Momente aufweisen kann. Man muss Metal wirklich nicht mögen, um „Genocide Chapters“ nichts abgewinnen zu können, aber gerade bei melodischen Höhepunkten wie „Sacrilegious Reflection“ oder „Carnal Consummation In The Empty Space“ sollte Freunde melodisch-symphonischer Extremklänge ein vertrautes Gefühl heimsuchen.

Dafür, dass es sozusagen das zweite Debüt der Band ist, liefern DAWN OF ASHES mit „Genocide Chapters“ eine überaus passable Vorstellung ab. Hörempfehlung!

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10.09.2010

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