Einherjer - Dragons Of The North

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

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EINHERJER gründeten sich 1993 im norwegischen Haugesund aus der Asche der Vorgängerband BEELZEBUB, bei welchen Frode Glesnes (Gitarre) und Gerhard Storesund (Schlagzeug) waren. Zusammen mit dem ehemaligen HELHEIM-Sänger Rune Bjelland und Audun Wold (Bass) wird das erste Demo „Aurora Borealis“ aufgenommen, welches bereits viel von der späteren Klasse der Band zeigte und später via Necropolis Records auf CD veröffentlicht wurde. 1994 folgte noch die EP „Leve Vikingånden“. Da Audun Wold zur Gitarre wechselte, wurde EINHERJER mit dem Gitarristen Stein Sund komplettiert. 1996 wurde das Debütalbum „Dragons Of The North“ über Napalm Records veröffentlicht.

1996 – ein wichtiges Jahr für norwegischen (Black) Metal

Die Wurzeln von EINHERJER liegen im Black Metal, wenngleich sie auf ihrem Debütalbum im Gegensatz zu so einigen Kollegen, die einfach Texte aus der nordischen Mythologie mit Black Metal verbanden, tatsächlich astreinen Viking Metal spielten. Das Jahr 1996 war ein durch und durch von norwegischem Black Metal als auch Viking Metal geprägtes Jahr. „Stormblåst“ von DIMMU BORGIR, „Nemesis Divina“ von SATYRICON, „Filosofem“ von BURZUM, die Alben „Total Death“ und „Goatlord“ von DARKTHRONE, „Malice“ von GEHENNA, oder auch die erste EP von KAMPFAR und das selbstbetitelte Debütalbum von BORKNAGAR, um nur einige wichtige zu nennen. Eine besondere Zeit, und „Dragons Of The North“, aufgenommen mit Produzent Pytten im Grieghallen Studio, war da auch passend ein besonderes Album. Einerseits, da es typisch nordisch klang und auch die Black Metal Wurzeln noch unterschwellig vernehmbar waren, sich aber andererseits auch wohltuend von den anderen Werken unterschied und schon einen eigenen Charakter hatte.

Viking Metal hebt sich vom Black Metal ab

Wie auch die Kollegen von ENSLAVED, BORKNAGAR oder auch MITHOTYN, wollten EINHERJER einen anderen Weg beschreiten, verwandt mit aber eben doch nicht nordischer Black Metal. „Dragons Of The North“ darf als eines der ersten und zugleich mit stilprägenden Alben des Viking Metals bezeichnet werden. Das Genre etablierte sich gerade und war bei weitem noch nicht so angesagt wie ab Anfang der 2000er Jahre.

Die damals von EINHERJER verwendeten, eingängigen Melodien, Riffs und Rhythmen tragen deutlich Aspekte des traditionellen skandinavischen Folks in sich und sorgen mit den Gesängen, den eingestreuten Akustikgitarrenpassagen wie im sonst galoppierend riffenden „Conquerer“ oder „Dreamstorm“ und Keyboards für eine epische Atmosphäre, dabei aber immer schön heavy und angenehm rau. Die später verarbeiteten klassischen Heavy Metal Einflüsse finden sich auf „Dragons Of The North“ noch nicht, wodurch das Album puristischer und archaischer klingt und einen ganz eigenen Charakter hat. Die gerne ins Epische ausufernden Stücke mit einer gesunden Portion Pathos sind meist in mittleren Tempi gehalten, eine flottere und auch vergleichsweise härtere Ausnahme bildet das mit genialen, einprägsamen Melodien versehene „Dreamstorm“. Weitere Highlights sind „Storms Of The Elder“, einer wunderbar epischer, atmosphärischer Viking Metal Song mit einigen interessanten Wechseln und tollen Melodien; sowie „Ballad Of The Swords“ mit passendem Klargesang in Kombination mit harschem Kreischen. Abzüge gibt es für den etwas unpassenden Keyboardsound im schwermütigen, den folkloristischen Ansatz auf die Spitze treibenden „Slaget Ved Harfsjford“, das ansonsten aber wirklich gut ist.

Ein Meilenstein in der Entwicklung des Viking Metals

Alles in allem erschufen EINHERJER mit „Dragons Of The North“ einen der Meilensteine in der Entwicklung des Viking Metals, ein früher Klassiker. Kultig, dabei sicherlich nicht wirklich perfekt, da gibt es schon so einige Ecken und Kanten, aber sehr einnehmend, einprägsam, charmant und atmosphärisch. Das Album wird dieser Tage über Napalm Records neu gemastert wiederveröffentlicht und gehört definitiv in jede anständige Viking Metal Sammlung. Zumindest wenn man irgendwann mal nach Walhalla zu Quorthon will!

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10.02.2021

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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