Electric Wizard - Time To Die

Review

Galerie mit 12 Bildern: Electric Wizard live in Berlin

Mit einem Knall, der sich „Time To Die“ nennt, melden sich ELECTRIC WIZARD zurück im bunten und verschrobenen Zirkus des Rock´n´Roll – mehr als vier lange Jahre hat es gedauert den Vorgänger „Black Masses“ musikalisch zu beerben. Die Geburt des neuen Werks ging dann auch nicht ohne Schmerzen von statten: Diesmal steuert Ur-Mitglied Mark Greening (RAMESSES) sein Trommelspiel auf „Time To Die“ bei, ebenfalls mit von der Partie ist nunmehr in neuer Besetzung Clayton Burgess (SATAN´S SATYRS) am Bass. Bereits das Artwork – ein stilisierter Phoenix – deutet damit den schwierigen Prozess der Neufindung der Band nach „Black Masses“ an und widmet sich konzeptionell dem Thema Tod und Wiederauferstehung – und auch musikalisch hat sich im Hause ELECTRIC WIZARD einiges getan.

Insgesamt gesehen geht „Time To Die“ subtiler zu Werke als die letzten Alben der Engländer, so wurde das massive Riffing merklich zurück gefahren, um einem variableren und doch minimalistischeren Sound Platz zu machen. Die schiere Macht des Sludge und der alles zermahlende Charakter der beiden Gitarren von Jus Oborn und Liz Buckingham, die Schicht um Schicht an Heavyness auftürmen, gehört der (jüngeren) Vergangenheit an und dieser Moloch weicht einer psychedelischeren, roheren und deutlich doomigeren Grundstimmung – der beeindruckende, düstere Monolith ist zu einem alles verschlingenden schwarzen Loch geworden. Nebenbei verpassen die vier Protagonisten (-innen) ihrem Sound eine Note, die an die einschlägigen Horror- und Splattermovies der 1970er-Jahre erinnert, ein Einfluss, der sich aktuell zunehmend in proto-doomigen und psychedelischen Werken, von THE OSIRIS CLUB bis OPETHs GOBLIN-Hommage, ausbreitet. Hierzu ergänzend wählt man das Stilmittel von immer wieder eingeflochtenen Sprachsamples, doch damit nicht genug: Die cineastische Ausrichtung manifestiert sich ebenfalls  durch die bereits zum Beginn des Albums eingesetzte Hammond-Orgel, die auch massiv im weiteren Verlauf der Scheibe zum Einsatz kommt: Bei „Destroy Those Who Love God“ und dem sakral-schleppenden „We Love The Dead“, sowie „Lucifer´s Slaves“ – eine passende stimmungsvolle Ergänzung der aufgebauten okkulten Idee. Die spacig und ausufernd eingesetzten Gitarrenläufe repräsentieren dann den doomigen Anteil: Hier sei insbesondere der Abschluss von „I Am Nothing“, sowie „Funeral Of Your Mind“ ins Feld geführt – großartige Arbeit an den Gitarren, von der man, mit dem Ohr voran, förmlich eingesogen wird.

ELECTRIC WIZARD nähern sich damit ihren Genrekollegen UNCLE ACID AND THE DEADBEATS, sound- und stimmungstechnisch, an, ohne in zu einfache und einschmeichelnde Strukturen abzudriften – und dennoch treten die unüberhörbaren BLACK SABBATH-Einflüsse noch deutlicher und massiver denn je zu Tage. Zudem weist insbesondere der Titeltrack „Time To Die“ eine weitere interessante Facette auf: Man möchte meinen, da erklingt zwischenzeitlich eine Gitarrenharmonie, wie sie alten Werken der Landsleute von PARADISE LOST gut zu Gesicht stünde. Hier streift man in einem gewieften kompositorischen Schachzug den doomigen Ur-Death – räudig und schleifend, und markant wiederkehrend in „I Am Nothing“ –  den Geist von schleppendem und schepperndem Death Doom in den Sound von ELECTRIC WIZARD tragend. Was dem Album „Time To Die“ in Gänze lediglich fehlt, sind die richtigen Übersongs, die das musikalische Tun nochmals bündeln und kompakt ins Hirn verpflanzen – aber dies kann man nach knapp siebzig Minuten Schädelerweichen auch verschmerzen: Denn was die elektrischen Zauberer hier veranstalten, hat definitiv blutige Hände, wunde Füße und bringt den Sound des Quartetts merklich voran.

Keine Frage: ELECTRIC WIZARD ist ein bemerkenswertes Album geglückt, das mit seiner rückwärtsgewandten Attitüde und dennoch progressiven Mischung, so gut wie eh und je in die aktuelle Musiklandschaft passt – und nebenbei so manchem Retroprojekt zeigt, wie eine vertonte schwarze Messe zu klingen hat. „Time To Die“ ist satanischer Doom der höchsten Qualität und damit heißester Anwärter auf den goldenen OZZY OSBOURNE 2014.

20.09.2014

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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