Electric Wizard - Witchcult Today

Review

Galerie mit 12 Bildern: Electric Wizard live in Berlin

Wer auf spielerische Finesse, moderne Sounds und Abwechslung steht, braucht gar nicht weiterlesen. Hier haben wir es nämlich mit Doom Metal der eintönigeren Sorte zu tun. Die Atmosphäre geht über alles, der Rest interessiert nicht. Zumindest ELECTRIC WIZARD nicht und wohl auch deshalb wird die Band von einer treuen Fangemeinde kultisch verehrt.

Zwischenzeitlich hatte sich die britische Combo aufgelöst, mit dem treffend betitelten „We Live“ aus dem Jahre 2004 meldete sich die Band aber runderneuert zurück und mit „Witchcult Today“ liefern die Brüder und Schwestern ihr neuestes, zähflüssiges Zeugnis an harter Arbeit und Drogenmissbrauch ab. ELECTRIC WIZARD spielen extrem Riff-betonten Doom Metal, wobei man die verschiedenen Riffs des Albums an zwei Händen abzählen kann, denn ist erstmal ein schwerfälliges Riff gefunden, das mal heavy, mal groovend daherkommt, wird es in aller Regel von Anfang bis Ende einer Komposition in Endlosschleife durchexerziert und nur sporadisch von knurrigen Leadsoli begleitet. Dazu gesellt sich passenderweise ein effektbeladener Hall-Gesang, der in Sachen Monotonie den Gitarren in Nichts nachsteht und so klingt, als stamme er direkt von einem von Drogen vollgepumpten Psychopathen aus der Gummizelle. Das Songwriting insgesamt lässt wenig bis keinen Spielraum für Abwechslung oder sonstige spielerische Ideen zu und die Produktion dieses einstündigen Höllentrips ist darüber hinaus auch noch eine Geschichte für sich. Aufgenommen wurde „Witchcult Today“ (übrigens das insgesamt sechste Album von ELECTRIC WIZARD) auf altmodischem, analogem 70er-Jahre-Equipment und so knarzen und knurren die acht Songs so furztrocken vor sich her, dass es jeden modernen Soundtüftler freiwillig zum Strick greifen lässt.

Warum also großzügig acht Punkte vergeben? Na ja, wer mitgelesen hat, wird wissen warum und wie eingangs erwähnt: Die Atmosphäre steht über allem! Und genau das ist es, was ELECTRIC WIZARD so groß macht. Sie zelebrieren einen fantastischen Sound, der besser ist als jeder Horrorfilm. Wer sich „Witchcult Today“ hingibt, findet sich schnell in seinem eigenen Gruselfilm wieder und die Tatsache, dass man jegliche Modernität ablehnt, führt dazu, dass man sich speziell an Gruselfilme der alten Schule wie die frühere Dracula-Reihe oder die italienischen 70er-Jahre-Horrorfilme zurückerinnert fühlt. Passend dazu behandeln die Briten auch lyrisch eher morbide bzw. okkulte Themen und nennen düstere Literaten wie H.P. Lovecraft und Robert E. Howard als Vorbilder. Dieses Album sollte man sich keinesfalls in Gesellschaft anderer reinziehen. Zieht die Vorhänge zu, zündet eine Funzel an und lauscht diesem rituellen Abenteuer.

„Witchcult Today“ ist sicherlich kein Meisterwerk, aber es erzielt den gewollten Effekt, sich einer dunklen und düsteren Stimmung hinzugeben. Vor allem die beiden Longtracks am Ende des Albums sind herausragend: „Black Magic Rituals And Perversions“ arbeitet mit zeremoniell anmutenden Sprachsamples, Gänsehaut ist hier garantiert. Und wer Körper und Geist vollständig an Himmels- bzw. Höllentür abgeben möchte, sollte sich dem abschließenden „Saturnine“ widmen. Rückkehr ausgeschlossen!

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07.11.2007

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2 Kommentare zu Electric Wizard - Witchcult Today

  1. Anonymous sagt:

    Electric wizard haben sich über etliche jahre ihren ganz eigenen, unverwechselbaren stil entwickelt. dieser prozess geht natürlich etwas auf kosten der abwechslung von statten. hier macht man die scheiben ganz offensichtlich nicht, um die musikwelt durch sensationelle innovationen aus den angeln zu heben, sondern einfach, um denen, die diese musik lieben in regelmäßigen abständen ein neues kleinod vorzulegen. genau das ist mit "witchcult today" erneut gelungen. wer die gruppe mag, wird dem album entgegengefiebert haben, und wird nicht enttäuscht, wer für diese spielart des, nennen wir es stoner-doom, nichts übrig hat, den wird diese scheibe nicht hinterm ofen hervorlocken. erneut gibt es eine sehr muffige, fuzzige produktion, lange gitarrenabschnitte ohne gesang, die völlig improvisiert klingen. meistens gibt es ein grundriff, welches ständig wiederholt wird und einen völlig einlullt, und darauf liegt eine solo gitarre und verschiedene effekte. der gesang eigentlich recht klar, jedoch oft durch echo oder verzerrungen oder ähnliches verfremdet. imagemäßig fährt man weiterhin die okkulte drogen- und nackte weiber- schiene, was ich auch ganz passend finde.
    100%ige kaufempfehlung für mit electric wizard vertraute, alle anderen sollten es aber ruhig auch mal probieren.

    8/10
  2. blotgroppe 0 sagt:

    Visuell orientieren sich EW am Pornohorror der 70er Jahre, der wie alle merkwürdigen Filmprojekte der damaligen Zeit größtenteils aus Italien stammte.
    Fönfrisuren, Pentagramme, Tierzeichen, Lesebenspielereien und Plastik-Schädel…
    das ganze würde albern wirken, wäre es nicht so staubtrocken inszeniert.
    Genau dies ist es auch, was EW ausmacht.
    Eine scheinbar hoffnungslos veraltete Idee, witzlos und Jahrhundertdürren-trocken umgesetzt.
    Hier spielen Instrumente, die von Leuten zu spielen gescheint werden, die schon seit über 30 Jahren tot sind und dabei mächtigen, einfachsten und wahrhaftig auch teilweise improvisiert wirkenden englischen Arbeiterklasse-Doom spielen.
    Abwechslung, Komplexität oder geniale Melodieführungen kann man somit nicht erwarten, aber einen Blick in das Herz DER Doom-Nation.

    8/10