
Soundcheck Oktober 2026# 4
Galerie mit 27 Bildern: Insomnium - Rockharz Open Air 2025


Mit „Netherworlds“ veröffentlichen INSOMNIUM ihr zehntes Studioalbum. Dieser Meilenstein kommt im Jahr vor dem dreißigjährigen Bandjubiläum der finnischen Melodeath-Institution. Auf zehn Alben zu kommen, ist keine Selbstverständlichkeit. Das macht diesen Release für die Band zu etwas Besonderem, wie uns Gitarrist Markus Vanhala im Interview erzählt. Stilistisch besinnen sich INSOMNIUM auf „Netherworlds“ bewusst zurück zu Alben wie „Shadows Of The Dying Sun“ oder „Heart Like A Grave“, nachdem sie mit „Anno 1696“ ihren bis dato härtesten Release vorgelegt haben. Im Begleittext ist von einer Best-of-Philosophie die Rede, Vanhala beschreibt es im Interview scherzhaft als „INSOMNIUM-Album für Dummies“. Der schmale Grat zwischen Huldigung und Alles-schonmal-gehört ist der Band dabei bewusst.
INSOMNIUM werden nicht ihre eigene Coverband
„Netherworlds“ ist tatsächlich ein sehr charakteristisches Album geworden. Wäre ‚insomnium‘ ein Adjektiv, könnte man an dieser Stelle den Superlativ anwenden. Los geht es allerdings mit einer Neuerung. „The Cold Song“, im Original von Henry Purcell aus dem Jahre 1691, ist das erste Cover der Finnen. Das klassisch anmutende Synth-Intro versprüht ungewohnte Klänge. Umso typischer für INSOMNIUM zeigt sich „Shadowlife“. Nicht umsonst wurde der Track als erste Single veröffentlicht. Vom ersten melodischen Riff über die gemäßigten Strophen bis hin zur Kombination aus Growls und Klargesang im eingängigen Refrain ist die Handschrift der Band unverkennbar. Auch die anderen Tracks auf „Netherworlds“ sind entsprechend gestaltet. Ihre eigene Coverband sind INSOMNIUM deshalb aber nicht geworden, die Hommage ist also geglückt.
„Netherworlds“ birgt Highlights
Highlights finden sich mit „Gleam In The Black“, „Arch Of The Sky“ und „The Banished“. „Gleam In The Black“ erinnert durch seine treibende Energie an „Lilian“ oder gar „While We Sleep“. Das entspanntere „Arch Of The Sky“ nimmt im Refrain hymnische Züge an, während „The Banished“ nach anfänglichem Geplänkel die härtesten und wohl schnellsten Parts des Albums auspackt. Er stammt aus der Feder des nicht mehr ganz so neuen Gitarristen Tomy Laisto, der einen gebührenden Studio-Einstand feiert. Ein weiteres Schmankerl ist „The Hour Grows Late“. Hier sind gleich drei Gäste von AMORPHIS vertreten. Das mit acht Minuten längste Stück bietet Vocals von Tomi Joutsen und Tomi Koivusaari sowie Keyboard von Santeri Kallio.
Der Rausschmeißer „Journey’s End“, den Vanhala im Interview als seinen Lieblingstrack beschreibt, steuert thematisch viel bei, musikalisch werden die Meinungen jedoch auseinandergehen. Mit reduzierter Instrumentierung und rezitiertem Text ist das balladeske Stück teils mehr Hörspiel als Song. Gebraucht hätte man es wahrscheinlich nicht, doch es fügt sich nahtlos in die INSOMNIUM-Tradition des Storytellings ein und hat seinen Reiz. So ist „Netherworlds“ trotz kleinster Abzüge ein weiteres sehr starkes Album geworden, wie man es von der Band schon lange gewohnt ist.

Angela


















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