Isole - Dystopia

Review

Spätestens seit dem Release ihres zweiten Albums „Throne of Void“ gehören ISOLE zu den ewigen Hoffnungsträgern des klassischen Doom Metal im Stile von CANDLEMASS und SOLITUDE AETURNUS. In den darauffolgenden Jahren veröffentlichten die Schweden in verlässlichen Abständen einen schwermütigen Langspieler nach dem anderen. An der Qualität gab es nur selten etwas auszusetzen. Stets überzeugten die Schweden mit ausgereiften Werken, die selbst einen sonnigen Morgen zum regnerischen Abend werden ließen.

The Calm Hunter“ konnte immer noch überzeugen, aber nicht ganz an die Klasse der Vorgänger wie „Bliss of Solitude“ anschließen. Deswegen ist es sinnvoll gewesen, dass ISOLE sich für den Nachfolger „Dystopia“ fast fünf Jahre Zeit gelassen haben. Bereits die ersten Klänge des Openers „Beyond The Horizon“ lassen keine Zweifel daran, dass das Warten sich in diesem Fall gelohnt hat.

Das Warten auf „Dystopia“ hat sich gelohnt

Denn das Album besitzt eine angenehm dichte Atmosphäre, die den Zuhörer geradezu einsaugt. Das Duo Olssen-Bryntse besticht durch abwechslungsreiche Gesangsmelodien und lässt melancholische Klänge von den Saiten tropfen, die ein breites Klangbild erzeugen. Auch die einzelnen Songs bieten einen vielschichtigen und durchdachten Aufbau. „The Beholder“ startet verträumt, steigert sich aber konsequent zu einem epischen Doom-Song. „You Went Away“ hingegen, lässt den Zuhörer ohne Vorwarnung in ein düsteres Loch stürzen, begleitet von Double-Bass und sägenden Gitarrenmelodien.

„Forged By Fear“ wirkt da im Vergleich. in musikalischer Hinsicht, fast simpel und banal, konfrontiert den Zuhörer auf textlicher Ebene aber mit dem aktuellen Zustand der Welt. Was einst nur ferne und triste Zukunft schien, als fiktionales Gedankenspiel für wohlige Schauer sorgte, eben die beklemmende aber unvorstellbare „Dystopia“ war, wird greifbare Realität. Das individuelle Leid, das ansonsten in den Songs beklagt wird, wird in diesem Punkt um ein kollektives Erleben erweitert, wie es auch im Opener angesprochen wird.

ISOLE beklagen den nahenden Untergang

„Beyond The Horizon“ begleitet textlich das Album-Cover, auf dem die Hoffnungslosigkeit angesichts dieser katastrophalen Zukunftsvision sichtbar wird. Die Menschheit begibt sich kollektiv in den Untergang, dargestellt durch ein sauroneskes Auge am Horizont. Lediglich ein einzelnes Mädchen bleibt zurück, was letztlich aber nur naiver Trotz bleibt. Schließlich wird es allein in den Ruinen zurückbleiben, wenn es einsamen Widerstand leistet.

Diese Stimmung, dass jegliche Hoffnung angesichts des unausweichlichen Endes, nur ein weiterer Nadelstich in unser Herz ist, fangen ISOLE auf „Dystopia“ gekonnt ein und runden sie mit dem bitteren „Nothingness“ stimmungsvoll ab. Vergebens ist ein solches Streben aber dennoch nicht, sondern zutiefst menschlich und – angesichts der Tatsache, dass wir mit diesen Gedanken nie allein sind – auch tröstlich. Selten wurde die Essenz melancholischer Musik so gut zusammengefasst.

20.08.2019

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4 Kommentare zu Isole - Dystopia

    1. ClutchNixon sagt:

      Bestimmt. Wenn es dann draußen ist wird meine Punktevergabe wohl ähnlich ausfallen 😉

      1. royale sagt:

        auf Bandcamp gibt es das Album schon komplett

      2. ClutchNixon sagt:

        Echt? Cool. Danke für den Tipp ☝️