Lake of Tears - By The Black Sea

Review

Galerie mit 16 Bildern: Lake Of Tears - Bang Your Head 2013

22 Jahre und acht Alben hat es gebraucht, bis LAKE OF TEARS der Welt ihre erste Live-Scheibe präsentieren: „By The Black Sea“. So lange man auf dieses Zeugnis warten musste, so schwer taten sich die vier Schweden stets damit, sich ins Rampenlicht vorzukämpfen. In die erste Reihe, neben vergleichbare Formationen wie TIAMAT oder SENTENCED, schafften sie es auch während ihrer Hochphase Mitte bis Ende der 90er-Jahre nie so ganz. Schwierig, im Nachhinein Gründe dafür ausfindig zu machen – vielleicht spielte es auch eine Rolle, dass man unter wenig vorteilhafter Flagge segelt(e); klingt der insbesondere auf den ersten vier Langspielern immer angenehm variierte, meist schnörkellose, aber effektive Gothic/Doom Metal doch weitaus gefälliger und auch lässiger als der kitschig-weinerlichen Nonsens vermuten lassende Bandname.  

So bietet „By The Black Sea“ Nachwuchs, Neueinsteigern und bisherigen LAKE OF TEARS-Ignoranten die Möglichkeit, das ganze Spektrum der Nordeuropäer zu entdecken, ohne sich durch ein halbes Dutzend Alben hören zu müssen: Das im September 2013 im Rahmen des Metalhead Meeting Festivals in Bukarest – durch die relative Nähe zum Schwarzen Meer erklärt sich der Titel „By The Black Sea“ – aufgezeichnete Konzert kommt man im praktischen Jewelcase-Format ins Haus, sowohl als Audio- wie auch als Videomittschnitt (CD-/DVD-Doppelpack) mitsamt einigen Extras.

Freunde der frühen, noch dezent raueren LAKE OF TEARS-Jahre dürften mit der Setlist aber so ihre Probleme haben: Während viele mittelalte und neue Platten – die recht psychedelische „A Crimson Cosmos“, die besonders melancholische „Forever Autumn“ sowie die nach Jahrtausendwende und zwischenzeitlicher Auflösung entstandenen „Black Brick Road“ und „Illwill“ – mit jeweils drei Auszügen gewürdigt werden, gibt es vom 1994 erschienenen „Greater Art“-Debüt einzig „As Daylight Yields“ zu hören; vom im Folgejahr veröffentlichten Glanzstück „Headstones“, dem zweiten und vielleicht qualitativ konsistentesten Werk der traurigen Seeleute, wurden nur „Raven Land“ und das großartige, weil obereingängige und dennoch nicht weichgespülte „Sweetwater“ ausgegraben. Ein treibender Kracher wie „Burn Fire Burn“ hätte es doch zumindest noch sein dürfen, oder? Apropos „treibend“: Gerade bei den knackig-direkten Liedern wie „Taste Of Hell“ oder dem bereits erwähnten „As Daylight Yields“ fällt auf, dass die Studioversionen noch einen Hauch zwingender, weniger zurückgelehnt heruntergespielt und -gesungen wirken als die Live-Darbietungen – eigentlich sollte es doch umgekehrt sein. Ansonsten aber transportiert der Mitschnitt dank authentisch belassen wirkender Produktion und Daniel Brennares gut dosierter Kommunikation mit dem Publikum („Let Us Feel You! Let Us Feel You!“) genügend Energie, um ordentlich zu unterhalten.    

Noch etwas besser als beim rein auditiven Genuß funktioniert das Ganze natürlich, wenn auf der DVD auch die visuelle Komponente hinzukommt: Die Band agiert beherzt und wirkt optisch angesichts eines Durchschnittsalters von rund 40 Jahren noch geradezu jugendlich, die Zuschauer gehen – insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass es sich um einen Festivalauftritt und kein reines LAKE OF TEARS-Konzert handelt – gut mit und die Arenele Romane, ein großräumiges Amphitheater, bietet vor nächtlichem Himmel eine ansehnliche Kulisse. Für zusätzlichen Mehrwert sorgen ein Interview mit der Band, „Behind The Scenes“-Material sowie zwei Videoclips zu „Illwill“ und „House Of The Setting Sun“ – beide vom neuesten Werk „Illwill“ aus dem Jahr 2011. Das riecht für manch einen sicherlich nach schnell und einfach produzierten beziehungsweise verfügbaren Standard-Dreingaben, wie man sie zuhauf bei Live-Veröffentlichungen findet, aber man darf nicht vergessen, dass es „By The Black Sea“ zum Preis eines regulären Albums zu erwerben gibt.

Unterm Strich bleibt eine gefällige, angenehm unaufgeregte (Live-)Werkschau, die sich von ähnlichen Erzeugnissen im Super-Gatefold-Digi mit Autogrammkarten, Actionfigur, Altartuch und weiterem Firlefanz wohltuend abhebt und fast ausschließlich die Musik sprechen lässt. Dass die besonders interessante LAKE OF TEARS-Frühphase eine stärkere Gewichtung verdient gehabt hätte, bleibt dabei der einzige größere Kritikpunkt.

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24.01.2014

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