Mgla - Age Of Excuse

Review

Galerie mit 19 Bildern: Mgła - Vision : Discipline : Contempt Europe 2019

MGŁA sind in aller Munde, denn musikalisch haben die Polen in der Vergangenheit nicht nur ein Ausrufezeichen gesetzt. Die EPs waren Wegbereiter für einen eigenen Sound, der sich in den Studioalben entwickelte und verfeinerte – für manche Hörer sogar perfektionierte. Das hat MGŁA an einen Punkt manövriert, von dem sie trotz gefühltem Undergroundstatus auch auf etablierte Bands schauen. Keinesfalls arrogant, solch ein menschlicher Unfug ist den Lebensverneinern schnurzpiepegal. Fokus aufs Wesentliche: Nein, MGŁA haben das Rad nicht neu erfunden, sie haben die Maschine Black Metal durch viele kleine Räder ergänzt, die einwandfrei ineinandergreifen. Das Problem, wenn eine Band diesen seltenen Punkt erreicht? Es ist oft der Zenit.

„Age Of Excuse“ von MGŁA – überraschend veröffentlicht, wenig überraschende Qualität

MGŁA mussten bei der Konzeption von „Age Of Excuse“ eine Kurve gehen. Weitere Alben in der Art von „With Hearts Toward None“ und „Exercises In Futility“ hätten nicht nur Stagnation, sondern Wiederholung bedeutet. Und es gab bereits entsprechende Ansätze. „Age Of Excuse“ ist das erste Studioalbum, das aus dem bekannten musikalischen Kosmos ausbricht. Genau zur richtigen Zeit, bevor sich Redundanz einschleicht. Eines der stärksten Charakteristika ihres Sounds sind oder waren die Moll-Gitarrenleads. Das musste sich ändern. MGŁA haben es geändert.

Kein neues Kapitel, aber eine deutliche Entwicklung

Bei Veränderungen ist immer die Frage, ob ein neues Kapitel aufgeschlagen wird oder eine Entwicklung stattfindet. BEHEMOTH sind mit „The Satanist“ beispielsweise dem ersten Pfad gefolgt, haben quasi ein gänzlich neues Buch geschrieben und damit vermutlich ihr Magnum Opus geschaffen. MGŁA haben sich entwickelt. Wer nicht genau aufpasst, hört den Fortschritt vielleicht nur in Nuancen. Daher die klare Empfehlung: keinerlei Ablenkung bei „Age Of Excuse“. Auch der Zeilenschreiber fühlte sich vom Neuwerk zunächst nicht abgeholt. Das änderte sich schlagartig, als die Lieder zum ersten Mal ungefiltert wahrgenommen wurden. MGŁA erschaffen keine Musik, die im Gehörgang versiegt – für die Nummern zwischendurch gibt es wahrlich andere Bands. Die Gesamtheit der Noten von „Age Of Excuse“ wirken nicht wie eine Aneinanderreihung, sondern wie eine Formel, um tiefere Ebenen zu erreichen. So wird es nicht jedem rezipierenden Wesen gehen, weil der Grad der Offenheit und Sensibilität sehr subjektiv sind. Aber das Potenzial ist da. ULTHA können das zum Beispiel auch. Der Schaffensprozess geht hier über das bloße Schreiben von Musik hinaus und erreicht schöpferische Ebenen, weil das Konglomerat aus Sound, Lyrik, Vocals, Image, Atmosphäre, Songstruktur bis ins kleine Detail stimmig ist und die Aufnahme kognitiv erweitern kann.

Haben MGŁA ihr Subgenre kreiert?

Was ist anders? Die Vocals klingen leicht verändert und die Ride klimpert phasenweise noch innovativer. Nicht in der Gänze, aber auffallend oft tönen die Gitarren alarmierend. Diese Neuheit zieht sich wie ein roter Faden durch „Age Of Excuse“ und modifiziert auch die grundlegende Attitüde in Teilen. Interpretatorisch ist das der spannendste Aspekt. MGŁA werden ihre Masken nie abnehmen und ihre Zugehörigkeit zu dieser Welt anerkennen. Trotzdem wirkt alles, was „Age Of Excuse“ ausstrahlt, aufwühlt, kitzelt, entzerrt, zerreißt wie ein negierter Fingerzeig. All die Harmonien erzeugen keine Positivität. Keine der Melodien rütteln am verneinenden Standpunkt. MGŁA sind nie brutal, diabolisch, sondern transportieren Gedanken und Gefühle nach wie vor über Melancholie und Depression. Im Zeitalter der Entschuldigung erscheint der Nihilismus weniger passiv, weil das Sinnlose nicht mehr nur thematisiert wird, sondern ein Gesicht erhält – zumindest in Konturen. Dadurch drängt sich eine erneuerte Sichtweise auf: MGŁA erschaffen eine Form des Depressive Black Metal, der ohne Ritzen auskommt und damit stärker im Nihilismus verankert ist. „Age Of Excuse“ führt das fort und kreiert eine Art Subgenre: post-nihilistischer Black Metal. Wem das alles zu dramatisch ist: kein Problem, sogar verständlich. Unterm Strich gehören MGŁA aber zu den Bands, die für ein komplettes Genre eine besondere Bedeutung hatten, haben und weiterhin haben werden.

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04.10.2019

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18 Kommentare zu Mgla - Age Of Excuse

  1. Liebe Leser,

    an dieser Stelle ein kurzer redaktioneller Hinweis. Dieser Beitrag ist eine Albumkritik und auch so zu verstehen. Hinsichtlich der Vorwürfe gegen die hier behandelte Band gibt es einen separaten Beitrag bei metal.de, auf welchen wir an dieser Stelle gerne verweisen möchten:

    https://www.metal.de/news/die-vorwuerfe-gegen-mgla-und-deus-mortem-eine-chronologie-374974/

    Bei Fragen dazu kommt jederzeit gerne auf uns zu.

    1. ClutchNixon sagt:

      „Age of Excuse“: Ist das Realsatire? WARUM bekommen diese Idioten hier immer noch ein Forum!?

    2. Sharean sagt:

      „Vorwürfe“. Dass M von Mgla aber u.a. das letzte Graveland-Album gemischt und gemastert hat, solltet ihr eigentlich wissen. Aber egal, wir haben schließlich eine „Chronologie der Vorwürfe“ zusammengestellt.

    3. isigor sagt:

      Black Metal muss extrem sein, das verstehe ich. Und das die Polen da anders gestrickt sind ist mir auch klar. Aber in Deutschland darf sowas keine Plattform erhalten! Und nein, MGLA sind keine unpolitische Band! Sowas gibt es nicht! NSBM und Antisemitismus sind nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Wenn ich das toleriere gehöre ich dazu. Punkt!

      Und dann auch noch dieser unsäglich Hinweis auf einen Artikel der mal gar nix aussagt. Metal.de da habt ihr mal klar in die Hype-Scheiße gegriffen.

      1. nili68 sagt:

        Sie hörten: Das Wort zum Sonntag, inkl. abgewandeltem Jesus-Zitat: »Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich« (Markus 3,20‒30; Lukas 11,14‒23)

      2. deadhouse sagt:

        Mit deiner Ansprache haste ja gerade nochmal das 4te Reich verhindert. Danke.

      3. BlindeGardine sagt:

        Hmmm…wollte mich eigentlich nicht dazu äußern aber wozu gibt es ne kommentarfunktion, right? Objektiv gesehen machen mgla natürlich fantastische musik, keine frage (wobei ich das beue album nicht kenn), aber sollten sie deshalb szeneintern narrenfreiheit genießen?
        Ich bin niemand, der sofort „nazi“ brüllt, die lektüre des interviews mit m im aktuellen deaf forever hat mich aber schon stutzig gemacht. Einerseits distanziert er sich von rechtem und faschistischem gedankengut und bezeichnet sich als anti-autoritär (was im übrigen aber ja auch viele heutzutage nazis tun). Andererseits betont er aber auch seine langjährige freundschaft mit mikko aspa und rät sogar dazu, diesen nicht zu verurteilen ohne mal selbst mit ihm gesprochen zu haben, weil er ja eigentlich ein ziemlich dufter typ ist. Japp, der bekennende nazi mikko aspa.
        Da muss man sich schon wundern. Bestenfalls sind m politische einstellungen wirklich komplett egal, was dann aber trotzdem höchst naiv ist. Schlimmstenfalls labert m einfach jede menge bullshit und sympathisiert eigentlich mit aspas ansichten, da mgla aktuell aber so populär sind wie man das mit dieser mucke eben sein kann, möchte man hier lieber nix riskieren.
        Dazu kommt dann noch die verteidigung seines alten projektes leichenhalle und des songs „judenfrei“ im selben interview. Eigentlich sei das ja ein song, der die schrecken des holocaust mahnend thematisiert…klar…sehr glaubwürdig, wo man ja nach eigener aussage schon lange einen bekennenden neonazi zu seinen buddies zählt.
        Aber die rechnung scheint aufzugehen, wo weniger talentierte bands bei siesen verbindungen wohl schon längst von der fachpresse boykottiert würden, scheint man bei mgla auf teufel komm raus ein auge zudrücken zu wollen, weil sie halt so gut sind.
        Muss jeder selbst wissen, mir persönlich verhagelt der gedanke daran allerdings den genuss ihrer musik.

      4. Nether sagt:

        @BlindeGardine
        Wobei ich grade seine Ausführung zu „Judenfrei“ recht schlüssig fand. Da ist er bei anderen Sachen mehr ausgewichen (Aspa, der Mord)

      5. BlindeGardine sagt:

        Naja das kann er sich aber auch einfach schön zurecht gelegt haben, ihm werden diese Fragen ja nicht zum ersten mal gestellt. Villeicht hat er es so gemeint, vielleicht nicht, tendenziell will ich aber auch niemanden anhand von fast 20 Jahre altem Unsinn beurteile…wäre da halt nicht die Verbindung zu Aspa. Wen der Holocaust so tief erschüttert hat, dass er das direkt musikalisch verarbeiten muss, der ist nicht mit einem Neonazi befreundet.

        Und nein, ich lebe nicht in meiner links-grün-versifften Filterblase und habe selbst Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, deren Ansichten sich teilweise stark von meinen unterscheiden. Irgendwo würde ich aber schon eine Grenze ziehen, wenn ich mich ständig von einem bestimmten Gedankengut distanziere und die wäre bei einem strammen Nazi bei mir mit ziemlicher Sicherheit überschritten. Ich würde mich ja auch nicht mit einem Serienkiller anfreunden, weil der abseits seiner kannibalistischen Sexualmorde eigentlich ein ganz umgänglicher Typ ist und tolle Witze erzählt.

  2. der holgi sagt:

    Sehr gutes Review, danke dafür.

    Für mich bislang das Highlight in 2019, MGLA haben sich entwickelt, es ist fast beängstigend wie zielsicher sie agieren, die Schnittmenge aus Bild, Ton, Text, Struktur ist bis ins Detail zielführend und stimmig, hier wird Distanz geübt ohne Erhöhung der eigenen Position, es gibt keinen Gegenentwurf, lediglich einen Spiegel.

    Musikalisch befindet sich MGLA dort, wo man auf BlastBeatKaskaden verzichten kann ohne auch nur einen Deut an Härte und vermeintlicher BlackMetal-Authentizität einzubüssen, nichts wirkt aufgesetzt, nichts konstruiert, diese Musik ist wie ein eigenständiger Organismus.

    Besser geht es wohl nicht.

    10/10
  3. deadhouse sagt:

    Meiner Meinung nach enttäuschend im Vergleich zum Vorgänger „Exercises in Futility“. Wurde etwas auf Nummer sicher gespielt, und klingt wie die B-Seite besagter Platte. Hätte mir eine Weiterentwicklung, oder zumindest ein Album das etwas mehr hervorsticht gewünscht. So bleibt es bei ein paar Durchläufen im Regal stehen, und wird es auch in keine Jahresbestlisten schaffen. Was hier bleibt ist der Hype. Schade.

    6/10
  4. nili68 sagt:

    Gefällt mir besser als die anderen, also muss schon ’ne Art Fortschritt da sein, aber über das ganze Album doch etwas zu gleichförmig. Für reinen Black Metal sind das wohl 10 Pkt., aber lupenreiner Black Metal und keine anderen Einflüsse sind mir irgendwie nicht mehr genug. Die Atmosphäre auf derlei Alben, wenn auch gut, ist irgendwie auch immer die selbe. Da brauche, zumindest ich, keine 100 Alben von. Da ich die Qualität aber erkenne 8. Pkt.

    8/10
  5. Nether sagt:

    Meine erste Begegnung mit dem Album verlief auch nüchterner als erwartet. Die Melodien und Hooks, die sich bei „Exercises in Futility“ noch direkt im Ohr festgesetzt haben, waren bein ersten Hören nicht erkennbar bzw weiter im Hintergrund.
    Da aber nicht sein darf, was nicht sein soll, musste ein konzentrierteres Herangehen stattfinden.
    Also hieß es Kopfhörer auf, Textblatt in die Hand und 3 Durchläufe im ungestörten Modus. Das hat geholfen.
    Immer tiefer fräste sich das Zusammenspiel aus Texten, Melodien und Mglascher Schlagzeugarbeit ins Gehirn und zieht damit dieses Jahr für mich an Blut Aus Nord, Panzerfaust und Misþyrming vorbei.
    Die Produktion ist wieder etwas rauher als beim Vorgänger, was der Platte aber durchaus gut zu Gesicht steht.
    Ich kann dem Holgi da nur zustimmen. Das gesamte Konzept der Platte ist stimmig ohne auf Kindergartenspielchen anderer Bands zurückzugreifen. Mit dem Verbund von „V“ und „VI“ am Ende haben sie zusätzlich vielleicht noch ihr bestes Material bis jetzt abgeliefert. Lediglich „III“ fällt bei mir etwas ab. Etwas zu generisch klingt es in meinen Ohren.
    @holgi
    „Besser geht es wohl nicht.“
    Wahrscheinlich nicht. Hoffentlich schon.

    10/10
  6. royale sagt:

    Hab das Album paar mal gehört und die Band auch mehrfach Live gesehen. Steht’s alles gut und hörbar. Die paar Sekunden am Anfang sind auch nett, aber sonst? Mir ist das alles zu glatt zu neutral zu sehr Standard.
    War aber eh nie ein großer Freund dieser Band und vielleicht hab ich in letzter Zeit zu viel Black-Thrash gehört und das Jahr 2019 ist einfach musikalisch zu gut, dass dieses Album bei mir einfach durch fällt.

    1. L@THERIVERFLOW sagt:

      Bleibt die Frage: wenn man drei oder mehr durchläufe mit Kopfhörern und voller Konzentration braucht damit das Album grandios erscheint, ist es dann auch ein grandioses Album oder hat man einfach nur solange gehört bis es einem nur so erscheint?
      Nicht falsch verstehen ich finds gut. Aber mir ist das alles zu subtil, zu sehr im Hintergrund das ich das Album wahrscheinlich nicht allzu oft hören werde. Wann hab ich die Zeit und Lust ne dreiviertelstd mich in das Album einzuarbeiten? Für mich ist das auch nicht die im Review erwähnte Revolution. Da fehlt es einfach an echten Neuerungen.
      Dann schmeiß ich mir lieber den Vorgänger (mMn eines der besten BM Alben der letzten Jahre) rein. Der braucht keine mehrfachen durchläufe und geht direkt ins Ohr.

      8/10
      1. Nether sagt:

        Jeder wie er mag, oder?
        Ich kann da jetzt nur von mir sprechen, aber seit das Album „klick“ gemacht hat, läuft es täglich.
        Ein Album, welches nicht so schnell ins Ohr geht, hat auch den Vorteil, dass es sich nicht so schnell abnutzt.
        Ich teile deine Meinung bezüglich „Exercises in Futility“, aber selbst da stellen sich so langsam bei mir Abnutzungserscheinungen ein.

  7. L@THERIVERFLOW sagt:

    @Nether
    Ja, aber nur weil es länger dauert bis man was mit anfangen kann. Danach nutzt sich das Album genauso schnell ab, wie jedes andere auch.

    Exercises in Futility ist auch schon 4 Jahre alt und dafür höre ich es immer noch echt gern.

  8. Schraluk sagt:

    ‚Age Of Excuse II & III‘ sind die zwei besten BM-Tracks in diesem Jahr. Ziemlich respektabel, wenn man als ‚Kriegsmaschine‘ mit ‚Residual Blight‘ bereits 2018 diesen Nimbus erreichte.

    9/10