Semargl - Manifest

Review

SEMARGL, 3. Akt. Bereits nach dem ersten Durchlauf (und für die Übereifrigen: eigentlich schon nach dem fantastischen Aufmacher) wird klar, dass es sich bei „Manifest“ um das bisher ausgereifteste Werk der Ukrainier handelt. Während man beim Debüt noch zweifelsfrei von Black Metal mit melodischen Elementen sprechen konnte, bricht die Band wie schon auf dem zweiten Album mit den Standards des Genres. Die Grenzen werden zugunsten individueller, künstlerischer Entfaltung weiter aufgeweicht, und ein damit auch ein weiterer Schritt in Richtung Moderne und Avant-Garde vollzogen.

Und wie bei vielen Bands, die sich in den letzten Jahren einer Generalüberholung ihres Sounds angenommen haben und gleichzeitig deutliche Rock’n’Roll-Spuren in ihrer Musik durchschimmern lassen, ist auch bei SEMARGL der Trend zur allgemeinen Verlangsamung der Songs zu bemerken. Sie verzichten zwar nicht gänzlich auf Momente ungebremster Raserei und Doublebass-Sperrfeuer, aber das übertönt nicht die offensichtliche Temporeduzierung. „Rock’n’Roll“ darf hier allerdings auch nicht falsch verstanden werden. SEMARGL spielen keinen „Black’n’Roll“, aber bedienen sich oft seines Grooves, so wie es ungefähr SATYRICON bei ihrem Werk „Now, Diabolical“ vorgemacht haben. Für manche Black Metaller war das bereits eine ausgemachte Schlaftablette, während andere sich in ihrem Element fühlten und keinen Rückgang von musikalischer Intensität verspürten.

Letzteres lässt sich glücklicherweise auch für „Manifest“ sagen. Noch mehr als beim Vorgänger macht die Band von instrumentalen und experimentellen Zwischenspielen Gebrauch, mit denen das Album in drei große Komplexe unterteilt wird. Samples und zum Industrial schielende Tracks wie z.B. „A Lesson ‚S'“ oder „Decoding“ sorgen darüber hinaus wieder für eine kalte und mechanische Atmosphäre. Als Quelle der Inspiration dienen ein weiteres Mal MAYHEM (merkt man vor allem bei „Autokrateia“) und auch THYRANE (die einem schon im Aufmacher „Disconnection“ begegnen). Mit seinem Gesang erinnert Rutarp leicht an Nergal (BEHEMOTH), und hat dankenswerterweise diesmal auch größtenteils auf verfremdente Effekte verzichtet. Seine Stimme strahlt auf „Manifest“ jedenfalls deutlich mehr Kraft aus, als noch bei „Satanogenesis“.

Die Einflüsse und Inspirationen stehen SEMARGL gut zu Gesicht, und sie meistern die Aufgabe, diese ganzen Elemente in einem individuellen Werk zu vereinen. In punkto Riffs haben sich SEMARGL der Grundausrichtung des Albums angepasst und klingen steriler (im positiven Sinne), jedoch nicht minder intensiver. Stellenweise kehrt hier der Death Metal im technischen Gewand zurück.
Während die Vorgänger eher klanglich in sich geschlossen waren, blieb das Konzept eher verdeckt. Auf „Manifest“ nun erleben wir ein rundes Konzept um Krieg, Chaos, Zerstörung und eine neue satanische Ordnung, während die Band sich der Mittel bedient, die sie für die Umsetzung ihrer Vision braucht. Sie wissen, dass das kein lupenreiner Black Metal ist, und machen deshalb auch keinen Hehl daraus. Für sie zählt Weiterentwicklung, und die kann man ihnen zweifelsfrei attestieren. Von einem Album wie „Attack On God“ zu „Manifest“ ist es jedenfalls ein gewaltiger Sprung. Und spätestens jetzt haben sich die Ukrainier einen Platz in der oberen Liga verdient.

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29.05.2008

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