Semargl - Ordo Bellictum Satanas

Review

Was ist denn mit SEMARGL passiert? Da ziehen drei Jahre sang- und klanglos ins Land, und die Ukrainer scheinen eine völlig andere Band geworden zu sein. Das, was sie jetzt als ‚Avant-garde Ragrar Metal‘ bezeichnen, hat mit Avantgarde-Klängen, so wie sie noch auf ihrem großartigen Album „Manifest“ zu hören waren, rein gar nichts zu tun. Selbst das Schwarzmetall will nicht mehr glänzen.

Das in 12 ‚Credos‘ unterteilte Album erwischt den Kenner der Band auf kaltem Fuß: „Credo Sacrifice“ zelebriert äußerst eingängigen, leicht verdaulichen und mit schwarzem Kajal verzierten Thrash Metal – und wenn diese Überraschung schon nicht genug wäre, folgt prompt mit „Credo Possess“ das zweite Thrash-Geschoss. Davon muss man sich erstmal erholen, denn die Band ist hier nicht wiederzuerkennen. Ein Eindruck, der sich leider bis zum Ende des Albums hält.
SEMARGL sind ganz offensichtlich mit einem großen Kehrbesen durch ihre Songs gegangen, haben viele kleine Details und instrumentale Experimente der Vergangenheit über Bord geworfen. Das Ergebnis ist ein recht „aufgeräumter“ Klang mit sauberer Produktion. Fairerweise muss im gleichen Atemzug erwähnt werden, dass SEMARGL ihre Sache dabei ziemlich gut machen, und doch noch Zeit für ein paar Akzente hatten. Da wäre z.B. der mehrstimmige Gesang, für den man sich Nera (DARZAMAT) ausgeborgt hat, die Blechbläser in „Credo Bellictum Satanas“ aus den Händen von Jonny Maudling (BAL-SAGOTH), Ausflüge in den Gothic/Electro-Bereich mit „Credo Revolution“ und immer wieder deftige Black ’n‘ Roll Passagen.

Ein paar Mal schimmern noch die alten SEMARGL durch („Credo In Chaos“), wo sie auch ihre Nähe zu neueren SATYRICON unterstreichen; an anderer Stelle erinnert man sich an die langsameren Midtempostücke von CRADLE OF FILTH. Alles ziemlich unbeschwert, glatt, und leider, leider eben auch weniger interessant. Und mit solchen überflüssigen, außerhalb des Kontextes stehenden Stücken wie dem elektronischen „Credo Vrangsinn“ tut man sich auch keinen Gefallen.
„Manifest“ hatte ein grauenvolles Cover und exzellente Musik zu bieten. Bei „Ordo Bellictum Satanas“ hat sich die Gewichtung verschoben. Das Cover ist klasse und die Musik zwar auch nicht übel, aber eben über die Volldistanz ziemlich unspektakulär und gewöhnlich. Mein nüchterner Eindruck nach selbst mehreren Durchläufen dieser Platte ist, dass die ukrainische Band leider genau dann eine kreative Pause eingelegt hat, als sie auf dem besten Wege zum eigenen Stil waren. Drei Jahre später scheint sie das Schicksal in eine neue, seltsame Richtung geschickt zu haben… hoffen wir mal darauf, dass die Band sich ihre Wandlungsfähigkeit erhalten hat.

29.03.2010

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