Sjodogg - Ode To Obscurantism

Review

Während sich SJODOGG mit „Landscapes Of Disease And Decadence“ als bedrohliche Essenz von bösartiger Dunkelheit präsentieren und hier und dort Parallelen zu SATYRICONs „Now, Diabolical“ zu finden sind, gehen die Norweger mit ihrem zweiten Album einen Schritt weiter. Songs, die auf dem Debüt anhand eiskalter Eleganz zu fesseln vermögen, finden sich auf „Ode To Obscurantism“ nur noch bedingt. Stattdessen wirkt das Album extrem beklemmend, zuweilen unberechenbar, aufbrausend oder hoffnunslos. Der Minimalismus des ersten Albums ist einer schwarzen Aura gewichen, die keine Leere, aber alles und nichts beinhaltet, für die die eigene Vorstellungskraft ausreicht, bis sich Trauer, Verzweiflung und unendliche Schwermut zum Ende hin im über achtminütigen „In The Pungent Mires Of Aholibah“ in einer mitreißenden Woge entladen, in dem Vulnus gequält keift, growlt, spricht und flüstert, bis sich auch die letzten Nackenhaare aufgerichtet haben.

SJODOGGs musikalische Ode an den Obskurantismus, einer Geisteshaltung der Aufklärungs- und Fortschrittsfeindlichkeit mit dem Bestreben jeden in Aberglauben und in Unwissenheit zu halten, geht auf. Nur zu gern ergeben sich doch die Menschen falschen Versprechungen, ob in Werbung oder Wahlkampf, und genau dies ist auch der Punkt, an dem man anfängt, ein Problem mit den Ausdrucksstärken dieses Albums zu haben. Es ist nämlich unbedingt erforderlich, sich diesem Werk mit Bedacht zu nähern. Als Musik für Zwischendurch wird sich jeder genervt davon abwenden. Nimmt man sich jedoch etwas Zeit, und lässt die Songs auf sich wirken, entstehen Kopfwelten – willkommen in der realen Realität! Diese Stärke des Albums entwickelt sich aber nur sehr langsam, und das ist meines Erachtens nach auch die Schwäche von „Ode To Obscurantism“: Bis sich diese Songs erschließen, muss man sich mit der Thematik und den Songs tatsächlich beschäftigen – den Musikern möchte ich hierfür meinen größten Dank aussprechen -, aber ganz ehrlich, nur noch die wenigsten Leute nehmen sich heute für etwas die notwendige Zeit. Auch die Melodien fehlen, die auf „Landscapes Of Disease And Decadence“ für die unvergleichlich bedrohliche, satanische Atmosphäre sorgten. So bleibt letztendlich nur noch Beklemmung, unterstrichen durch die düsteren Kirchenglocken im letzten Song.

„Ode To Obscurantism“ ist ein handwerklich gut produziertes Album, mit dem man sich beschäftigen muss, seine leichten Schwächen aber kann diese Langrille auch nicht verleugnen. Vielleicht hätte etwas mehr Melodie den einzelnen Songs gut getan, denn „Winter Sickness“ zum Beispiel atmet noch einmal diese gewisse Kälte des ersten Albums, doch bereits der nächste Song klingt rasend und ungeordnet. Wem das Chaos liegt, und wer die Zeit und Muße aufbringt, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen, wird bestimmt nicht enttäuscht. Auch wenn ich ganz ehrlich gesagt das Debüt bevorzuge, bin ich ziemlich gespannt, wohin der eingeschlagene Pfad SJODOGG in Zukunft führen wird.

17.10.2010

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