Stormkeep - The Nocturnes Of Iswylm

Review

Soundcheck Juni 2026# 1 Galerie mit 12 Bildern: Stormkeep - Party.San Metal Open Air 2023

Denver, Colorado hat sich in der letzten Dekade zu einer wahren Brutstätte kreativer Energie im extremen Metal-Sektor entwickelt. Eine Schlüsselfigur, die man gleich bei mehreren Bands und Projekten antrifft, ist Isaac Faulk (u. A. BLOOD INCANTATION, WAYFARER). Bei STORMKEEP lebt er als Otheyn Vemithrax mit gleich zwei weiteren seiner WAYFARER-Kollegen seinen Hang für symphonischen Melodic Black Metal aus und mit „The Nocturnes Of Iswylm“ steht nach fünf Jahren endlich das zweite Album in den Startlöchern.

Denver bleibt stabil

Darauf treiben STORMKEEP ihre Evolution konsequent voran. Der Sound der noch recht rau produzierten Debüt-EP „Galdrum“ und des ersten Albums „Tales Of Othertime“ ließ sich grob zwischen DISSECTION, EMPEROR, SUMMONING und WINDIR einordnen. Schneidende Melodik traf auf archaische Keyboard-Symphonik, verwunschene Dungeon-Synth-Elemente und folkige Epik. Auf „The Nocturnes Of Iswylm“ wird das Sujet nun etwas erweitert; passend zur Handlung (dazu mehr im Interview) ist die Grundstimmung generell düsterer, der Sound fällt sowohl komplexer als auch opulenter aus als noch auf dem Vorgänger.

„The Taste Of Immortal Blood“ stellt dabei im Grunde den perfekten Einstieg dar, liefert es doch einen guten ersten Eindruck vom aktualisierten Klangbild. Die auffälligste Neuerung ist sicherlich der Klargesang, den sich Isaac Faulk für „The Nocturnes Of Iswylm“ draufgeschafft hat. Dieser findet sogleich in einem mitreißenden Refrain Einsatz und bildet mit seinem dezenten Gothic-Touch einen angenehmen Kontrast zu seinen kernigen, gut verständlichen Screams. Zudem sind die Gitarren etwas vertrackter, neigen dabei aber immer noch zu hochmelodischen, bisweilen schwelgerischen Leads. Auch die symphonischen Passagen wurden ordentlich aufgepumpt, ohne dass man dabei aber das Gefühl bekommt, direkt in einem Orchestergraben zu sitzen. Wie Isaac Faulk uns im Interview bestätigt hat, ist „The Nocturnes Of Iswylm“ zuerst als Metal-Album konzipiert, und das hört man.

Der epische Stampfer „The Black Dragons Of Iswylm“ bietet beispielsweise trotz bombastischer Keyboard-Untermalung und ausschweifender Lead-Melodien ordentlich Nackenfutter und bricht zwischendurch sogar kurzzeitig in brutales Tech-Death-Geprügel aus. Auch „Saccharine Subjugation“ kommt mit einer gesunden Todesblei-Schlagseite daher und im mächtigen Refrain fühlt man sich gar ein wenig an SULPHUR AEON erinnert. Bei „Imperious Sanguine Eroticism“ klingt nicht nur der Songtitel schwer nach Gothic, auch musikalisch haben sich STORMKEEP für die melancholische Nummer offenbar von Truppen wie ANATHEMA, MOONSPELL und sogar MY DYING BRIDE inspirieren lassen. Besonders Isaac Faulk glänzt hier mit seinem starken Wechselgesang, während die stellenweise an DEAD CAN DANCE erinnernden Keyboards die düster-melancholische Atmosphäre untermauern.

„The Nocturnes Of Iswylm“ bleibt trotz aufgepumpter Symphonik zuerst ein Metal-Album

„Echoes In The Vasts Of Sequestration“ kehrt die 90er Melodic-Black-Metal-Wurzeln der Band dann überdeutlich heraus, während die Vorabsingle „Carnal Tapestries Of Nailtorn Flesh“ mit ihrer Mischung aus vertrackter Raserei, majestätischer Epik sowie ausgeklügelten symphonischen Arrangements besticht und in Sachen bildgewaltiger Opulenz nochmal ordentlich aufdreht. Den Abschluss bildet das üppige, sich langsam aufbauende „Ballad Of A Fallen Star“, bei dem STORMKEEP in neun Minuten nochmal all ihre Stärken zusammenfassen. Inklusive einer folkigen Akustikpassage, welche die Brücke zum Debüt schlägt.

STORMKEEP zeigen mit „The Nocturnes Of Iswylm“ eine deutliche Weiterentwicklung, ohne sich dabei jedoch zu verbiegen. Das Repertoire wurde an den richtigen Stellen ausgebaut sowie um ein paar progressive Elemente sowie Einflüsse aus dem Gothic-Dungeon ergänzt. Die zauberhafte Sword-&-Sorcery-Romantik von „Tales Of Othertime“ ist dabei einer düsteren, opulenten Vampirschloss-Atmosphäre gewichen, mit der man auch bei abenteuerlustigen Fans von EMPEROR, Spätneunziger DIMMU BORGIR („Enthrone…“, „Spiritual Black Dimensions“) und frühen CRADLE OF FILTH (die ersten vier Alben) offene Türen einrennen dürfte.

So versetzen STORMKEEP einem vielfach totgesagten und in der Vergangenheit oft zu Unrecht belächelten Genre mit „The Nocturnes Of Iswylm“ einen gesunden Vitalitätsschub mit einem eigenen Twist, ohne ihre Inspirationsquellen zu verleugnen. Dabei ziehen sie mit den Kollegen von ONE OF NINE und WORM gleich, die in jüngster Vergangenheit ebenfalls bockstarke Genre-Veröffentlichungen abgeliefert haben und sich für eine gemeinsame Tour regelrecht aufdrängen.

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05.06.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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