Tombs - Savage Gold

Review

Mein (blinder Idioten-)Gott, sind die erneut schwarz! Die Akustik-Terroristen von TOMBS, ursprünglich als Noise-/Post-Metal-Combo angetreten, baden auf „Savage Gold“ über weite Strecken noch ausgiebiger im Black Metal als bisher.

Und ich muss gestehen, dass ich mit BM oftmals wenig anzufangen weiß, vielleicht, weil diese extreme Spielart zum Gelingen neben entsprechender Kreativität echte Emotionalität, vielleicht sogar einen Schuss Krankheit und Fanatismus braucht. Und logischer Weise läuft solcherart „echte“ Musik als authentischer Ausdruck des eigenen Inneren, als Kunst, verstärkt Gefahr, zur bloßen Geste, zur Pose zu werden, aufgesetzt zu wirken.

TOMBS passiert dies nicht. Die drei New Yorker wirken in ihrer schwarzen Bösartigkeit überzeugend, ohne dass sie der BM-Szene entstammen. Vielleicht, weil sich hier eben kein Hobby-Sataniker darüber freut, wie schön der See vor der Haustür gerade zugefroren ist, und dabei seine kalte Spiritualität entdeckt. Hier ringen grimmige Herren entschlossen und glaubwürdig darum, die eigenen Dämonen in Schach zu halten und setzen dem großen Ganzen die lyrische Pistole auf die Brust: „Does the soul remain/does the spirit die/when the flesh decays/does the will prevail? Aaaaaarghh!“ Der Opener „Thanatos“ geht gleich in die Vollen und ergänzt akustisch die böse, melodische schwedische Schule mit einer ganz dezenten Elektro-Kante. Das folgende „Portraits“ lässt in der Schwärze vermehrt post-rockende (welch Scheiß-Begriff…) Riffs zu und fesselt über knapp sieben Minuten mit Killermelodien, ähnlich wie das souveräne „Séance“; „Echoes“ steigert sich bis zum rasenden Ende und ist vielleicht sogar sowas wie ein kranker Hit.

Doch „Savage Gold“ bleibt gefährlich. Denn kaum hat man sich aus der anfänglichen Hab-Acht-Stellung gelöst und diesem dunkel funkelnden Klangstrudel hingegeben, wird man mit dem monotonen Lava-Brocken „Deathtripper“, irgendwo zwischen alten NEUROSIS und härtesten KILLING JOKE die Seele über den Asphalt schabend, harsch in die Realität zurückgeholt. Aus dem Rahmen fallen auch das atmosphärische „Severed Lives“, in dem Frontmann Mike Hill am deutlichsten an Jaz Coleman erinnert, sowie das abschließende „Spiral“ mit beschwörendem Klargesang gegen Ende.

Intensiv ist der Genuss dieser Sammlung Wilden akustischen Golds zweifelsfrei jederzeit. Güldene Medaille also für diesen Hassbrocken? Nun gut. Für einen Platz auf dem Stockerl innerhalb des schwarzen Reigens des Jahres 2014 könnte es durchaus reichen. Ein wenig trauere ich aus meiner Noiserock/Post-Metal-Warte jedoch den insgesamt noch etwas kantigeren und offensiveren Stücken des Vorgänger-Albums nach.

Trotzdem: geiler Scheiß.

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03.06.2014

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1 Kommentar zu Tombs - Savage Gold

  1. Horst sagt:

    Das beste Review das ich seit langem auf diesem Forum gelesen habe. Nicht nur besser als das Geschreibsel der anderen (das Niveau hat leider in den letzten Jahren imo gelitten und das nicht nur wegen vieler Gastautoren), sondern genuin einfach klasse! Hut ab und weiter so! – Dann wage ich wieder öfters zu metal.de zurückzukehren.