Iced Earth
Das meint die Redaktion zu "Plagues Of Babylon"

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Iced Earth

Kollege Michael Stalling fand in seiner Review zu „Plagues Of Babylon“ fast nur lobende Worte, denn das neue Langeisen der Amerikaner konnte ihn durchweg begeistern. Aber wie sehen das andere in der Redaktion? Wir haben unsere Meinungen zu diesem ersten Highlight für 2014 hier gesammelt.

Ich rechne es ICED EARTH hoch an, dass sie auf „Plagues Of Babylon“ wieder ein paar härtere Riffs auspacken. Nachdem ich mit der sehr kontrollierten „Dystopia“ wenig anfangen konnte, fühle ich mich hier deutlich heimischer. Nicht nur, dass einige Riffs wohlig an Zeiten von „Night Of The Stormrider“ und sogar „Burning Offerings“ erinnern, auch passt der dunkle Gesang von Stu Block großartig in die Albumstimmung.

Aber trotz großer Songs wie „Democide“, „Among The Living Dead“ oder „Cthulhu“ wird „Plagues Of Babylon“ nicht mein neues Lieblingsalbum der Band. Oft habe ich das Gefühl, dass den Songs obgleich hörbarer Spielfreude nach der Hälfte die Luft ausgeht. Es ist außerdem eine merkwürdige Entscheidung gewesen, das Album mit zwei Covern abzuschließen. Beide halte ich für ziemlich verzichtbar, zumal sie nicht an das Niveau der restlichen Songs anknüpfen können.

Noch ein letztes Wort zur Produktion: Diese ist an einigen Stellen brilliant, und an anderen ein wenig komisch. Gerade wenn sich die Dynamik von Schlagzeug oder Gitarre verändert, habe ich das Gefühl, als gäbe es aufgrund zu großer Kompression hörbare Lautstärkebrüche. Generell hat es mir aber Spaß gemacht, ICED EARTH mal ungewohnt druckvoll zu hören.

7/10 Punkte (Frederik Pankalla)

Ein wenig über zwei Jahre liegen zwischen “Dystopia“ und dem aktuellen Werk “Plagues Of Babylon“. Nicht gerade viel Zeit, wenn man bedenkt, dass ICED EARTH mit ausgiebigen Touren und Festivalauftritten beschäftigt waren. Aber sei es drum, die Jungs um Mastermind Jon Schaffer haben es trotzdem geschafft, ihre Kreativität für ein neues Langeisen zu bündeln.

Und bereits der erste Vorgeschmack in Form des Titelsongs konnte auch das Kommende neugierig machen, denn er zeigt die Band in einer angenehm harten, rauen und teils düsteren Ausrichtung. Und genau mit besagtem Titelsong läuten ICED EARTH imposant “Plagues Of Babylon“ ein. Auch die folgenden Songs können in Härte und Aggressivität locker mithalten und schaffen es sogar, als das beste Material seit “Dark Saga“ oder “Something Wicked This Way Comes“ zu überzeugen. Jedoch kommt zur Halbzeit plötzlich mit “If I Could See You“ eine Ballade, welche nicht im Geringsten an Hits der Marke “Watching Over Me“ oder “I Died For You“ heranreichen kann. Ab diesem Zeitpunkt folgt auch ein ungewöhnlicher Bruch und die Amerikaner präsentieren sich auf der zweiten Albumhälfte wie eine veränderte Truppe. Es wird ruhig, teils zu balladesk und irgendwie kann man sich dem Gedanken nicht verwehren, als hätten ICED EARTH innerhalb der ersten sechs Songs bereits ihr gesamtes Pulver verschossen.

Zwar ist es durchaus interessant, wenn die Jungs mit einem Cover von “Highwayman“ wesentlich rockiger zu Werke gehen und auch “Cthulhu“ hat ein paar gute Momente, allerdings steht dies alles nicht im Verhältnis zu der ersten Albumhälfte. Einzig Stimmwunder Stu Block schafft es über die gesamte Spielzeit aufzugehen und rettet damit “Plagues OF Babylon“ vor dem Absturz in die Mittelmäßigkeit.

“Dystopia“ hat vor zwei Jahren eine neue Ära für die Amerikaner eingeleitet und insofern stellt die erste Hälfte von “Plagues Of Babylon“ dessen konsequente Weiterentwicklung dar, denn ICED EARTH wirken energisch, bissig und fit wie schon lange nicht mehr. Leider geht genau dieser Eindruck zu fortgeschrittener Spielzeit etwas verloren. Schade, da wäre in seiner Gesamtheit mehr drin gewesen.

7/10 Punkte (Florian Hefft)

Die Kollegen haben sicherlich zahlreiche Argumente vorgebracht, warum das neue ICED EARTH-Album wahlweise keineswegs oder auf jeden Fall eine lohnenswerte Investition ist. Ohne viel Firlefanz schließe ich mich eher der zweitgenannten Gruppe an, weil ich kein neues “The Dark Saga“ erwartet habe und die Frühphase der Band mich ohnehin nicht so begeistert. Seit Stu Block den heiß begehrten Sängerposten übernommen hat, zeigt die Formkurve der Band wieder nach oben, und das ohnehin schon gute “Dystopia“ ist noch einmal ein klein wenig übertroffen worden.

Sehen wir mal von der überflüssigen Ballade “If I Could See You“ ab, bei der Jon Schaffer lediglich irgendeine alte Komposition noch einmal neu hat einspielen lassen, ist der Rest des Songmaterials guter, hymnenhafter Metal, dem es im Vergleich zu einem Überwerk wie “Something Wicked This Way Comes“ vielleicht ein wenig in Düsternis und Atmosphäre mangelt, dessen Umsetzung aber mitreißend und überzeugend ausfällt. Die Produktion ist gelungen, an den dominanten Drumsound muss man sich womöglich etwas gewöhnen.

Dass Songs wie die jeweils mit grandiosen Refrains ausgestatteten “The Culling“ “Among The Living Dead“ oder “Resistance“ gute, eingängige Metal-Songs sind, ist aber ohnehin nicht zu verleugnen. Mit “The End“ und “Cthulhu“ gibt es direkt zwei ebenfalls sehr gelungene Epen, die in bester Iron Maiden-Manier ruhig beginnen und sich dann zu Hymnen für die Massen steigern, die nicht nur vor der heimischen Anlage, sondern sicherlich auch live eine melodische Brillanz ausstrahlen, die an große Momente des Stadion-Rocks erinnern, wenn auch weniger kommerziell. Stu Block ist als Sänger noch ein ganzes Stück gereift und klingt nun wesentlich öfter nach sich selbst als nach seinem Vorgänger, und zahlreiche Details im Gitarrenbereich (Leadbreaks, Riffs, Soli) machen “Plagues Of Babylon“ auch für diejenigen interessant, die gerne etwas genauer hinhören.

8/10 Punkte (Heiko Eschenbach)

Iced Earth

Dass ICED EARTH sich mit „Dystopia“ und Neu-Sänger Stu Block dermaßen stark zurückmeldeten, war für mich eine der größten Überraschungen 2011. „Plagues Of Babylon“ zeigt nun, dass die Frischzellenkur für Jon Schaffer und seine Mannen mehr als nur ein kurzes Strohfeuer verursachte. Größere Überraschungen bietet das Album nicht, vielmehr bekommt der geneigte Fan einfach mehr von dem, wofür er die Band ohnehin bereits liebt.

Jon Schaffers Rhythmus-Gitarren-Arbeit ist gewohnt präzise und kraftvoll, da sieht man gerne darüber hinweg, dass so manches Riff ein Déjà-Vu-Gefühl wachruft. Stu Block hat sich dagegen nochmals merklich gesteigert und an Selbstvertrauen gewonnen. So kann man sich die Vergleiche mit Matt Barlow zukünftig sparen, seinen Vorgänger zu imitieren hat Block überhaupt nicht nötig. Vielmehr gelingt ihm eine eigenständige Interpretation des ICED-EARTH-Materials, mit der die meisten Fans mehr als glücklich sein dürften.

Stellenweise zwar etwas arg trocken, dafür aber stets angenehm erdig und live-nah produziert gibt es wenig, was man „Plagues Of Babylon“ vorwerfen könnte. Freilich gehen ICED EARTH stellenweise auf Nummer sicher und lassen vereinzelt („The Culling“) den Eindruck aufkommen, sie würden sich selbst kopieren. Dass man beim Artwork und einigen Texten („Among The Living Dead“) zudem versucht, auf der noch immer schwer angesagten Zombie-Welle zu reiten, wäre in meinen Augen auch nicht nötig gewesen.

Für diese kleinen Schönheitsfehler entschädigt aber spätestens der Song-Hattrick „If I Could See You“ / „Cthulhu“ / „Peacemaker“, der deutlich macht, dass Jon Schaffer und seine Mannen durchaus noch in der Lage sind, neue Einflüsse zuzulassen und mit ihren bekannten Trademarks zu mitreißenden Metal-Hymnen zu verschmelzen. So mag „Plagues Of Babylon“ zwar nicht das innovativste Album des noch ausgesprochen jungen Jahres werden, bestens unterhalten habe ich mich hier aber dennoch gefühlt. Und das ist schließlich die Hauptsache.

8/10 Punkte (Florian Schörg)

Schon immer waren die Jungs aus Florida meine Favoriten im Bereich des US-Heavy/Power Metal. Dafür gibt es mehrere recht einfach zu beschreibende Gründe: Keine Songstrukturen nach dem Lego-Baukastenprinzip, Melodien mit absolutem Wiedererkennungswert und leicht thrashiger Note sowie Matt Barlow, beziehungsweise Tim Owens am Mikrophon. Nun hatte ich mich lange Zeit lediglich mit den bereits bestehenden Alben beschäftigt, sodass sich mit dem Release von “Plagues Of Babylon“ durchaus anbot, mal auf die Entwicklung der Truppe zu blicken. Und tatsächlich ist das elfte Album des Quartetts ein schwerer Brocken geworden, der erneut eine gute handvoll Durchläufe benötigt, bevor er sich intensiv selbst entzündet.

Schon das lange Intro und die grundsätzlich reichlich ausgedehnte Hookline des Titeltracks deuten darauf hin, dass ICED EARTH abermals nicht auf eine sonderlich schnelllebige Platte hinzielen. Viele der Stücke schleppen sich mit wirklich beeindruckender Heaviness aus den Startlöchern, während die Jungs um Mastermind Jon Schaffer mit tempoorientierten Nackenbrechern etwas bedächtiger umzugehen scheinen. Mit “Democide“ folgt dann ein derartiger Track, bevor allerdings mit “The Culling“ wieder eine ausufernde Halbballade anschließt. Das soll an dieser Stelle hingegen auch keinerlei Kritik darstellen, funktionieren doch gerade diese Stücke auf “Plagues Of Babylon“ außerordentlich gut.

Da bleibt es in diesem Zusammenhang wohl kaum aus, ein paar Worte zum Neusänger Stu Block zu verlieren, der mit vielen anspruchsvollen Gesangslinien keinen Selbstläufer-Job zu erledigen hat, diesen aber mit minimalen Abstrichen meistert. Einzig, dass Block noch immer auf dem Weg ist, seine eigene stimmliche Identität zu finden und nach wie vor etwas zu stark nach seinen Vorgängern klingt, wäre unter Umständen kritisierbar, macht aber im Gesamtkontext dann nur wenig aus. Dass Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) gleich auf 5 der 13 Songs partizipiert, fällt dagegen nur in manchen Passagen auf und sticht nicht unbedingt besonders heraus.

Nichtsdestotrotz ist das in zwei große Parts geteilte “Plagues Of Babylon“ ein ausgefeiltes Album geworden, das zwar seine Zeit benötigt, sich aber dann durchweg auf ein hohes Qualitätsniveau hinaufschraubt. Gewohnt ansprechende Kost.

8/10 Punkte (Patrick Olbrich)

Galerie mit 16 Bildern: Iced Earth - Rock am Härtsfeldsee 2018
01.01.2014

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