Led Zeppelin
Stephen Harris - "Hammer Of The Gods"

Special

Led Zeppelin

Wenn ich nicht schon einiges tolles Lesbares zu Weihnachten geschenkt bekommen hätte, wäre „Hammer Of The Gods“ genau das Buch, was ich mir gleich nach Wiedereröffnung der Geschäfte am Samstag zulegen würde. Und das sage ich nicht, weil ich es hier besprechen muss, sondern weil es essentiell Wissenswertes für jeden beinhaltet, der sich im weistesten Sinne als Hörer und Fan von Heavy Metal bezeichnet. Ich halte es nämlich ganz ernsthaft für eine Katastrophe, wenn Metalfans im Leben noch nichts von LED ZEPPELIN gelesen oder gehört haben. Das ist eine Sünde, und übrigens eine Sünde, der ich mich 25 Jahre meines Lebens selbst schuldig gemacht habe.

„Hammer Of The Gods“ ist der Schnelldurchgang durch eine Zeit und einen Lebens- und Musikstil, der die Grundlagen für alles gelegt hat, was heute harte Musik spielt. LED ZEPPELIN sind der Ursprung all dessen, was als „Mythos Rockstar“ durch die Lande geistert. Wenn 2008 eine Band davon spricht, auf Tour vor allem Nutten, Koks und Rock n‘ Roll im Kopf zu haben, dann ist das ein heute so gut wie nicht mehr realisierbares Klischee, das LED ZEPPELIN mit ihrem tatsächlichen Lebensstil um das Jahr 1970 begründet haben. Als VENOM von sich behaupteten, „In League With Satan“ zu sein, machten sie sich damit den Schockeffekt zu nutzen, den die Gerüchte um LED ZEPPELIN und ihr magisch und satanisch interessiertes Gitarrengenie Jimmy Page ein Jahrzehnt zuvor hatten. Der Unterschied ist nur: bei VENOM war es billiges, selbst in die Welt gesetztes Image – bei LED ZEPPELIN diskutierte man in der Rockpresse ernsthaft über einen Satansbund der Band, weil ihre Musik so überirdisch genial und gefährlich erotisch war. Dasselbe mit allem, was an Wikinger-Thematik von BATHORY und ihren Nachfolgern verwurstet wurde: der „Immigrant“ Song von „Led Zeppelin III“, ein nicht einmal dreiminütiges Stück Musikgeschichte, hat diese Grundlage gelegt. Und, nicht zuletzt: alles, was sich ab den späten 70er Jahren „Heavy Metal“ nannte und aus UK oder USA kam, kupferte hemmungslos von LED ZEPPELINs härtesten Songs ab.

Die vier jungen englischen Musiker überrollten in nur zwölf aktiven Jahren, davon nur fünf oder sechs unter Volldampf, in Sachen Härte, Ausstrahlung, Kreativität, Innovation, aber auch Geschäftigkeit, Härte, Zielstrebigkeit, Dekadenz, Drogenkonsum und Schicksalhaftigkeit die gesamte westliche Rockwelt. Die Gruppe verdiente mehr als jede andere Rockband der 70er Jahre, verkaufte auf dem Höhepunkt ihrer Karriere dreimal so viele Platten wie die ROLLING STONES, gab Elvis Presley Autogramme und – wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf – hat von allen Bands ihrer Ära die mit Abstand beste und langlebigste Musik hinterlassen.

Dass ich diese Fakten hier referieren kann, verdanke ich in erster Linie „Hammer Of The Gods“. Stephen Davis hat ein hervorragend recherchiertes Buch geschrieben, das zudem angenehm strukturiert, seriös und unterhaltsam formuliert und ausgewogen in der Darstellung ist. Von allen Bandbiographien, die ich bisher gelesen habe, ist das Buch die mit Abstand beste. Unter anderem hat Stephen Davis es geschafft, dass ich die letzten Wochen über trotz Zeitmangels immer wieder zu „Hammer Of The Gods“ gegriffen, bei jedem überschüssigen Cent in LED ZEPPELIN-LPs investiert habe und ernsthaft beeindruckt war, als ich das Buch durchgelesen hatte. Davis‘ Darstellung ist nahe am Geschehen, behält aber den nötigen Abstand. Sie ist nicht reißerisch, macht aber klar, wie sensationell die Geschichte dieser Band ist. Sie verschweigt die düsteren Facetten nicht, das Entleihen alter Bluessongs, die Drogensucht der Mitglieder, ihren Aberglauben, ihre Exzentrik oder den Tod John Bonhams. Aber sie macht auch klar, mit vollem Recht, dass LED ZEPPELIN die großartigste Rockband der Geschichte sind.

27.12.2008

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