Sabaton
Die Sprache des Krieges

Special

Im Februar dieses Jahres starteten SABATON ihren bandeigenen History-Channel auf YouTube. Warum? Um „Historische Hintergründe“ zu liefern, für „einen SABATON-Song pro Woche“. Dafür tat sich die Band mit Indy Neidell zusammen, einem amerikanischen Historiker, der durch ein besonders ambitioniertes Projekt bekannt wurde. Auf dem YouTube-Kanal „The Great War“ dokumentierte er gemeinsam mit anderen Historikern in den Jahren 2014 bis 2018 Woche für Woche den Verlauf des Ersten Weltkriegs 100 Jahre zuvor.

Genau der richtige Mann also, um SABATON-Songs zu erklären, von denen sich ein Großteil um Ereignisse dreht, die irgendwie mit einem Krieg verknüpft sind. Die Wahl war tatsächlich auch nicht schlecht, gelingt es Neidell bei seinen anderen Projekten doch, auch den etwas trockenen Stoff abseits der großen Schlachten unterhaltsam aufzubereiten und somit einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Historische Hintergründe zu SABATON-Songs

Auch auf SABATONs Kanal gelingt dies im Wesentlichen. Als würde er aber denken, im Zusammenhang mit Metal ein bisschen martialischer auftreten zu müssen, legt Neidell in den Videos, die zur Erklärung der Songs der Schweden dienen, deutlich mehr Dramatik in seine Stimme. Da peitschen die Worte schon mal nach vorne, wenn eine überraschende Artilleriesalve erwähnt wird oder werden rau hervorgepresst, um einen vernichteten Bomberangriff zu beschreiben.

Letztlich gelingt es Neidell jedoch, selbst bei einem stumpfen Schlachtensong wie „Panzerkampf“ durchaus differenziert vorzugehen und verschiedene Facetten der zugrunde liegenden Schlacht aufzuzeigen. Der Krieg wird dadurch immerhin ein Stück weit entmystifziert. Manchmal verpasst Neidell es jedoch, eine kritische Einordnung zu geben. Direkt im ersten Video, Thema ist der Song „40:1“, wird zum Beispiel ein polnischer Offizier erwähnt, der trotz der Gewissheit der Niederlage, seine unterlegenen Truppen fast bis zum Ende weiterkämpfen lässt. Am Ende stirbt er dadurch, dass er sich mit einer Granate selbst tötet – immerhin habe er ja geschworen, bis zum Tod zu kämpfen.

In solchen Situationen sind es Schnitt und Videobearbeitung, die das Video problematisch werden lassen. Wenn davon berichtet wird, dass der polnische Offizier den Kampf bis zum Tod schwört, erklingt die passende Songstelle: „The captain has pledged his life – ‚I’ll face my fate here'“, begleitet von Video-Material der deutschen Invasion Polens. Insgesamt leistet Neidell die solide Arbeit eines Militärhistorikers und erlaubt sich nur kleine Schnitzer und Versäumnisse. Sein größter Gegenspieler bei dem Unterfangen, die Geschichte hinter den Songs etwas differenzierter darzustellen, man ahnt es vielleicht schon, sind SABATON und ihre Musik selbst.

Alles Propaganda?

Es ist problematisch, als Video-Material zur Untermalung ausgerechnet Propagandafilme des Dritten Reiches – in Teilen auch der Sowjetunion und der West-Alliierten – zu verwenden. Diese Filme mögen die einzige Möglichkeit darstellen, zeitgenössisches Filmmaterial zu benutzen, sind aber keineswegs authentisch. Diese Aufnahmen wurden so bearbeitet, dass sie dem Zuschauer ein bestimmtes Bild der Kriegshandlungen vermitteln. Siegreiche Schlachten sollten den Wunsch wecken, selbst ins Feld zu stürmen, Niederlagen Wut auf die Gegner schüren. Neutrale Bilder sind dies also in keinem Fall.

Man könnte fast drüber hinwegsehen und argumentieren, dass aufgeklärte Menschen sich von solchen Bildern nicht mehr beeinflussen lassen, wenn erst einmal der Kontext klar und entzaubert ist. Doch ist der Kontext klar? Zumindest bei SABATON scheint da noch ein bisschen Nachhilfe nötig zu sein.

Konzertfoto von Sabaton auf der 70000 Tons Of Metal 2018

SABATON-Sänger Joakim

Zurück zum ersten History-Video rund um den polnischen Kampf zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Dort wird erwähnt, dass Song und Video dazu beitragen sollen, einen neuen Blickwinkel auf die Rolle Polens während des Kriegs zu eröffnen. Während Neidell noch einigermaßen differenziert darstellt, das Polen bei weitem nicht das rückständige, völlig hilflose Opfer des Deutschen Reiches und der Sowjetunion war, sondern sich durchaus, im Rahmen seiner Möglichkeiten, zu wehren wusste, zeigt sich SABATON-Bassist Pär einfach nur froh, eine Alternative zur „Propaganda aus den Geschichtsbüchern“ bieten zu können. Eine Wortwahl, die man erst einmal sacken lassen muss.

Gut, im Zweifel ist Pär auch kein englischer Muttersprachler und bezieht sich vielleicht darauf, dass zu Sowjetzeiten einige Dinge im polnischen Geschichtsunterricht ideologisch geprägt dargestellt wurden. Allerdings spricht er von der heutigen Zeit und liefert zudem noch andere Aussagen, die man bestenfalls noch als unreflektiert einordnen kann. Zwar stellt er im Interview klar, dass SABATON sich eher als Heavy-Metal-Band denn als Geschichtslehrer verstehen, will mit der Band aber durchaus, „Interesse wecken“ und die Zuhörer „ermutigen“, sich mit Geschichte zu beschäftigen.

SABATON stehen sich selbst im Weg

Durch seine Kommentare, warum bestimmte historische Themen ausgewählt werden, konterkariert er oft die Bemühungen Neidells. Hat dieser gerade noch die Geschichte der US-Marines im Ersten Weltkrieg umrissen, erklärt Pär, was ihn eigentlich so sehr an diesem Thema interessiert, dass er einen Song darüber schreiben wollte – vermeintlich coole Sprüche wie „Ihr Hurensöhne, wollt ihr ewig leben?“ Lauscht man dann dem Ausschnitt zum entsprechenden Song „Devil Dogs“, wird klar, dass die Soldaten lieber „glorreiche Taten“ vollbringen sollen, als vor dem Feind zu fliehen. Warum gibt es einen Song namens „Panzerkampf“? Pär: „Weil unsere Fans das mögen. Panzer, mehr Panzer und noch mehr Panzer!“

Dann wäre da noch der Song „Gott Mit Uns“, der den Dreißigjährigen Krieg anschneidet. Wie Pär sagt, ein „sehr spaßiger, sehr erhebender Song […] ein Publikumsliebling.“ Wenn dies über einen Song gesagt werden kann, der zum gemeinsamen Kampf und Durchhalten im Krieg aufruft, ist das schon etwas problematisch. Vom aktuellen Song „Fields of Verdun“ ganz zu schweigen, in dem die „Schützengräben voller Blut“ besungen werden. Zwar spricht eine Zeile auch vom „Irrsinn des Krieges“, doch kommt diese nicht gegen den ganzen vermeintlichen Bombast des Krieges im Rest des Songs an.

Es gibt so viele Beispiele, dass es müßig wäre, sie alle hier aufzuzählen. Der Einwand ist berechtigt, dass SABATON nicht die ersten sind, die sich in ihrer Musik mit Kriegen und Schlachten befassen. Ja, es gibt ja sogar Bands, die sich mit ganz realen Serienkillern beschäftigen. Doch selbst MACABRE grunzen nicht von „glorreichen Taten“ im Zusammenhang mit Ted Bundy.

Und was ist mit den anderen Bands?

Eine andere Band, die hin und wieder reale Schlachten zum Thema ihrer Songs macht, ist IRON MAIDEN. Ein Unterschied ist jedoch, dass die Songs, trotz teilweise konkreter historischer Bezüge, abstrakt bleiben. Wo SABATON oft Jahreszahlen und Ortsnamen parat haben, bleiben IRON MAIDEN bewusst ambivalent, lassen dem Zuhörer die Möglichkeit, auch andere, auf die individuelle Situation bezogene, Interpretationen ihrer Songs zuzulassen.

Zudem gibt es bei IRON MAIDEN genügend Songs, in denen zumindest die Bitterkeit und Sinnlosigkeit des Krieges durchscheint. „Die With Your Boots On“ zum Beispiel, oder auch „The Trooper“. Der Tod erscheint hier, ganz nüchtern, als Konsequenz des Krieges. Ihm ist ein Kampf um Überleben vorangestellt, der aber niemals mit positiven Adjektiven besetzt wird. Der Verlust des Lebens als Folge der Befehle anderer, erschient hier um so bitterer. Ein Punkt übrigens, auf den IRON MAIDEN auch Käufer ihres „Trooper Ales“ hinweisen. Dort wird auf dem Rückenetikett der Flasche erklärt, was die Inspiration für den Song war. Ein „tapferer aber närrischer Angriff, der einen massiven Verlust an Menschenleben zur Folge hatte“. Dies ist ein ganz anderer Umgang als „Panzer, mehr Panzer und noch mehr Panzer!“

Konzertfoto von Sabaton auf der 70000 Tons Of Metal 2018

SABATON-Bassist Pär

Es ist auch der gesamte Kontext einer Band, der an dieser Stelle zu berücksichtigen ist. BOLT THROWER widmen sich ja auch gerne kriegerischen Szenarien, positionieren sich in Interviews aber immer klar antifaschistisch und antimilitaristisch. Auch in ihren Songs weisen sie ganz bewusst auf die Schrecken des Krieges hin. „Es nähert sich der Tod… Wo ist der Sieg?“ fragt die Band zynisch im Song „Where Glory Beckons“.

Kriegsromantik und Soldatenlyrik

Die Antwort geben SABATON im Outro ihres aktuellen Albums „The Great War“, in dem sie das Gedicht „In Flanders Fields“ zitieren. Geschrieben vom kanadischen Soldaten John McCrae nach dem Verlust eines Kameraden im Jahr 1915, ist es pure Kriegsromantik, wie man sie im deutschen Sprachraum von Dichtern der Befreiungskriege wie Theodor Körner oder Ernst Moritz Arndt kennt:„Setzt unseren Kampf mit dem Feind fort. Aus scheiternden Händen werfen wir euch die Fackel zu, die ihr hoch zu halten habt. Brecht ihr eure Treue zu uns, die wir tot sind, werden wir nicht ruhen, auch wenn Mohn auf den Feldern von Flandern blüht.“ Die Botschaft: Der Tod auf dem Schlachtfeld, er ist nicht vergebens, wenn andere den Kampf weiterführen. Auch wenn dieses Gedicht heutzutage vereinzelt – aber nie ohne Kritik – im neutralen Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs verwendet wird, ist es in seinem Ursprung doch pure Kriegsverklärung, um der Trauer Herr zu werden.

In ihren eigenen Texten greifen SABATON dieses Thema auch entsprechend auf, unter anderem im Titeltrack des aktuellen Albums „The Great War“. Dort schildert ein Soldat die Schrecken des Krieges, doch er weiß, dass er durchhalten muss. Sein Bruder ist bereits gestorben und auch er ist bereit, das „würdige Opfer“ zu bringen. „Ich weiß, dass meine Taten nicht umsonst sind“. Eine kritisch-historische Darstellung des Schlachtfelds? Nein. „Folgt mir und wir werden unsere eigene Geschichte schreiben“, heißt es stattdessen opferbereit.

Ob so ein Denken auch Neonazis anspricht? Die Antwort erfahren wir erneut auf SABATONs History-Channel. Da die Band im Song „Rise of Evil“ den Aufstieg Adolf Hitlers darstellt, ist ein Video, um das Lied in den richtigen Kontext zu rücken, sicher nicht verkehrt. Erneut macht Neidell seine Sache ganz gut und stellt verschiedene Aspekte dar, die zum Aufstieg der NSDAP führten – und erneut sind es die Bandmitglieder von SABATON, die alle Bemühungen torpedieren.

Dieses Mal ist es Sänger Joakim, der zu Wort kommt und erst einmal ganz nachvollziehbar schildert, dass man Adolf Hitler erwähnen sollte, wenn man sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. So weit, so richtig. Außerdem, so weist Neidell schließlich hin, kämen SABATON-Fans aus aller Welt. Rein aus statistischen Gründen müssten darunter auch ein paar Neonazis sein. Ob das Joakim stört? „Es ist mir scheißegal, was unsere Zuhörer denken, an was sie glauben oder welche Hautfarbe sie haben. Alles ist in Ordnung. Aber bitte, geht damit um wie mit euren Genitalien und zeigt es nicht in der Öffentlichkeit.“ Ein klares Statement gegen Krieg, gegen Neonazis, gegen Faschismus, wie es an dieser Stelle angebracht gewesen wäre – es sieht anders aus.

Quo Vadis, SABATON?

Niemand kann von einer Metal-Band verlangen, dass sie sich politisch vollkommen korrekt verhält oder gar eine Art Bildungsauftrag erfüllt. Dass auch kontroverse Themen wie Serienmord, Krieg oder Drogen behandelt werden, gehört seit Jahrzehnten zu dieser Musikrichtung. In der Regel findet aber keine positive Bewertung statt, sondern eher eine distanzierte oder abstrakte, manchmal auch zynische Betrachtung dieser Themen. Eine positive Hinwendung zum Krieg, zum Tod in der Schlacht, zum bedingungslosen Gehorsam bis ins Grab, ist in der Zuspitzung, wie sie bei SABATON geschieht, vor allem bei einer kommerziell derart erfolgreichen Band, eine Seltenheit und deshalb im besonderen Maße bemerkenswert.

Wahrscheinlich ist es nicht einmal von der Band beabsichtigt, ihre Fans auf Krieg und Tod einzuschwören. Dass sie damit Erfolg haben, wenn sie vom Krieg singen und es so wirkt, als wären sie gerne dabei gewesen, dürften SABATON aber inzwischen bemerkt haben. Vielleicht ist das Ergebnis auch wirklich nur unschuldiges, gar seliges Mitschunkeln, hin und wieder unterbrochen von einem wohligen Schauer beim Gedanken an die Schlacht. Die Gefahr, dass aus dem Mitschunkeln ein Mitmarschieren wird, dürfte gering sein. Wenn es der Band aber gleichzeitig „scheißegal“ ist, dass sich Neonazis ins Publikum mischen – dann kann die Mischung aus Bierseligkeit und Kriegsromantik schnell ein anderes Gesicht bekommen.

Die Kolumne „St. Anger – Die Meinungsmache“ ist, wie der Name schon sagt, Meinung. Begründet, aber gefärbt, wertend und vielleicht provokativ – und jeder Artikel ist das Produkt eines kleinen Teils der Redaktion. Daher spiegelt der Inhalt des Artikels auch nicht unbedingt die Ansichten der gesamten Redaktion wider.

 

Galerie mit 24 Bildern: Sabaton - Wacken Open Air 2019
14.07.2019

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Sabaton auf Tour

17.01.20Sabaton - "The Great" Tour Europa 2020Sabaton, Hammerfall, Apocalyptica und AmarantheHallenstadion Zürich, Zürich
17.01.20Sabaton - "The Great" Tour Europa 2020Sabaton, Hammerfall, Apocalyptica und AmarantheHallenstadion Zürich, Zürich
18.01.20Sabaton - "The Great" Tour Europa 2020Sabaton, Hammerfall, Apocalyptica und AmarantheHanns-Martin-Schleyerhalle, Stuttgart
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12 Kommentare zu Sabaton - Die Sprache des Krieges

  1. Fabian sagt:

    Sehr guter Beitrag, bitte mehr davon!

  2. nili68 sagt:

    Metal Geschichtsunterricht? Von mir aus.. aber die Schlagermetaller von SABATON?! Sogar mein Kumpel, der keinen Metal hört, findet die gut.. weil der halt auch Pole ist. Behemoth ist dem aber zu krass, Polen oder nicht..

    1. BlindeGardine sagt:

      Und warum genau findet man Sabaton gut weil man Pole ist? Ich verstehe den Zusammenhang nicht.

      1. nili68 sagt:

        Die hatten mal ein Lied über Polen und seitdem sind er und seine polnischen Kollegen (Nichtmetaller) alle Sabaton-Fans. Klingt merkwürdig? Ich bin nur der Bote.. 😀

  3. rexregum sagt:

    Als ich sechs Jahre alt war, durchsuchte ich mit Freunden abends immer den großen Sandkasten, in dem die „großen Jungs“ zuvor mit Soldaten (1:72) und Panzern Schlachten nachgespielt haben. Damals hätte ich laut „hier“ gebrüllt, wenn jemand gefragt hätte: „Wer will Panzer, mehr Panzer und noch mehr Panzer.“ –
    Irgendwann sollte die Sandkastenzeit aber mal rum sein und daher spricht mir dieser Artikel aus dem Herzen. Egal, ob man jetzt Deutscher, Pole, US-Amerikaner oder Schwede ist, sollte man wissen, dass die Themen „Krieg“ und „2.Weltkrieg“ in verschiedenen Regionen der Welt verschieden besetzt sind. Wenn man so auftritt wie Sabaton, sollte einem bewusst sein, dass es Menschen gibt, die protestieren, wenn sie hören: „Hey, wir machen nur Musik. Ist halt Unterhaltung.“ Wer über den Krieg singen will, muss damit leben, dass andere Verstand und Reflexion einfordern oder eben das Produkt verwerflich finden. Mit dem, was ich von Sabaton in den letzten Monaten zu hören bekam, gräbt sich die Band meiner Meinung nach immer tiefer ins Sandkastenniveau rein; musikalisch haben sie ihren Zenit lange überschritten, Texte und Videos sind mir viel zu flach. Ich find’s tatsächlich schade, dass die Band mit dem Niveau und dem Bombast diesen Erfolg habt. In meinen Augen bietet die Band plumpen „war-porn“.

  4. BlindeGardine sagt:

    Ich finde die Band einfach nur hochnotpeinlich. Nicht nur weil die Musik kein Stück zum Thema passt, sondern weil man bei allen Behauptungen historischer Genauigkeit halt weitestgehend mit glorifizierendem Blödsinn um sich wirft. So basiert z.B. der Text zum Song Bismarck mehr auf NS-Propaganda als auf der tatsächlichen Faktenlage. Dabei will ich den Herren nichtmal Böses, sondern viel eher Blödes unterstellen, nämlich einen ziemlich naiven, unreifen und verantwortungslosen Umgang mit dem Thema Krieg.
    Bolt Thrower, Memoriam oder aktuell auch Panzerfaust und selbst 1914 mit ihrem bekloppten Mummenschanz haben da doch eine deutlich differenziertere Herangehensweise. Sie thematisieren Krieg mit all seinem Schrecken, während Sabbelton das ja schon irgendwie geil finden.

  5. Tom sagt:

    Drei Silben:
    Man-O-War.

    Grundsätzlich teile ich die Kritik. Aber neu ist das sicher nicht, und Sabaton sind auch bei Weitem nicht die ersten, die Krieg und Heldentod glorifizieren.

    1. BlindeGardine sagt:

      Das ist absolut richtig. Der Unterschied ist aber, dass Manowar nie historische Korrektheit für sich in Anspruch genommen haben und darüber hinaus ALLES von denen derart überspitzt und klischeehaft ist, dass das wohl auch kaum wer ernst nimmt. Das ist einfach die dem True Metal inhärente Lächerlichkeit und Cheesyness.
      Schaut man sich die Kommentare unter Sabaton-Videos an findet man aber zig Leute die glauben, grade eine wichtige Geschichtslektion gelernt zu haben.

  6. HH7 sagt:

    Ich kann den Beitrag gar nicht ganz lesen, denn es ist leider Zeitverschwendung. Der IQ der Band Sabaton ist nun mal sehr beschränkt und am intelligentesten kommen sie rüber wenn was erklingt??? „Noch ein Bier“ hahaha! Naja das gehört auch zum Metal und das ist auch gut so! Sie mit anderen Bands wie Manowar oder Iron Maiden zu vergleichen, ist leider auch Schwachsinn. Das sind ganz andere Texte und Typen. Außerdem zu einer ganz anderen Zeit groß geworden. Vor allem Iron Maiden, das ist eine ganz andere Liga! Sabaton kommen aus Schweden, da kennt sich kein Lebender mehr richtig mit dem Elend des Krieges aus, waren die im 2. Weltkrieg überhaupt dabei? Achja, ich vergaß! Sie haben ja die NS bis 1943 unterstützt und als sich das Blatt wendete, haben sie sich von Deutschland abgewendet. Warum singt das Sabaton nicht? Na egal, die Musik ist auch sehr beschränkt! Da zieh ich mir lieber One von Metallica rein! Oder ich schau mir live unsere Glam-Rock-Freunde Steel Panther an, denn da gibts Titten ohne Ende 😉 In diesem Sinne… PEACE Love & Rock n Roll! 🙂 …und was mach ich jetzt, was zieh ich mir rein? Na klar! Noch ein Bier! 😉

  7. wortinspektor sagt:

    Wenn ich mir den Bullshit durchlese, den die Leitmedien in den letzten Wochen über Rammstein erzählt haben, ist dieser fundierte Artikel zu Sabaton sehr angenehm. Die Situation ist hier genau auf den Punkt gebracht.
    Am Ende des Tages wollen die Herren von der Musik leben und geile Partys feiern und das Thema Krieg scheint gut zu passen. (Gibt ja auch andere, die mit einem klar umrissenen Markenkern und Wiedererkennungswert aufgestiegen sind – unter ihnen Werwölfe, Geistliche und Wikinger)
    Ich find Sabatons Mukke sogar cool. Schön bombastisch, eingängig, melodisch. Alles super. Auch ich freue mich, wenn ich auf einem Festival stehe und zu Ghost Division easy mitbrüllen kann.
    ABER:
    Die Einordnung, dass Krieg ja auch ganz schlimm ist, ist bei denen schon immer nur oberflächlich. Was bleibt ist ein abfeiern der Panzer Elite. Saufen, grölen, Fäuste recken. Passt ja alles auch super zur Musik. Eine reflektierte Auseinandersetzung und Gedenkfeier gehören nicht unbedingt auf ein Metal-Konzert. Man will ja Spaß haben.
    Was dann aber schon nervt: Wenn Sabaton versuchen, sich in Richtung Aufklärungsorgan, Geschichtskenner und ihre Songs als Mahnmale zu verklären.
    REALITÄT:
    Ich war vor einigen Wochen auf den Soldatenfriedhöfen von Verdun. Auf Musik von Sabaton hatte ich danach aber keine Lust.

  8. neilerator sagt:

    Vorab: Schöner, fundierter Artikel!
    Ich bin zugegebenermaßen echt großer Sabaton Fan. Mittlerweile sogar eher aus nostlagischen Gründen, waren sie es doch, die mir Metal (für einige vielleicht paradoxerweise) erst richtig schmackhaft machten und mich mit vielen anderen Bands vertraut machten. Als jemand, der schon fast immer ein großes Interesse an Geschichte hatte, animierten mich die Lieder sehr oft zum recherchieren der historischen Kontexte und das ist etwas, das Sabaton meiner Meinung nach echt verdammt gut kann. Sie nehmen eine faszinierende Geschichte, beispielsweise die Schlacht um Burg Itter im Zweiten Wetlkrieg, und verpacken diese, meiner Meinung nach, fesselnd und für viele Leute zugänglich. Mit ein wenig Eigentinitiative und eventuell im schulischen Geschichtsunterricht gelernter Reflexionsfähigkeit, macht das Dazulernen echt Spaß.
    Was mir in dem Artikel ein wenig fehlt, ist die Betrachtung der wenigen, aber doch vorhandenen kritischen Liedern. A Price of A Mile, The Final Solution, in Teilen auch Rise of Evil, Angels Calling, The End of the War to End All Wars und A Lifetime Of War bringen, finde ich zumindest, den Hörer des Albums auf den Boden und reflektieren über das sinnlose Massensterben, den Schrecken des Krieges, die Verbrechen an den Menschen und die Auswirkungen auf den Soldaten. Ich erinnere mich an deren Konzert in Oberhausen 2017, da wurde, für mich sehr überraschend, The Final Solution gespielt. Akustisch, sehr ruhig und meiner Meinung nach der Thematik angemessen. Das war meiner Ansicht nach für Sabaton doch recht untypisch und doch hat die Zäsur im Konzertablauf gepasst.
    Ich selber habe noch keinen einzigen Neonazi in der Fanbase angetroffen (das soll nicht heißen, dass es keine gibt!) und darüber bin ich auch froh. Ich kann mir denken, dass die bei Ghost Division oder dem Refrain von Rise of Evil laut mitgröhlen. Gleichzeitig wird in Rise of Evil aber auch auf die Bedrohung Hitlers und die Konsequenzen hingewiesen und abgesehen von Ghost Division oder Wehrmacht kommen die Deutschen dort auch nicht wirklich gut davon.

    Der Text wird jetzt schon wieder viel zu lang, drum möchte ich zusammenfassen: Ja, oftmals sind die Texte verherrlichend, teils verfälschend oder einfach sehr romantisch. Gleichzeitig gibt es reflektierte Songtexte, die dann umso mehr und besser herausstechen. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass man sehr gerne und mit gutem Gewissen Sabaton genießen kann, wenn man selber reflektiert mit Geschichte umgehen kann. Ich bezweifle, dass jemand, der Sabaton hört, in Auschwitz Freudensprünge machen wird. Vielmehr sehe ich das Potential, bei all dem Bombast mit der Geschichte die Faszination dafür in mehr und mehr Leuten zu erwecken und das kann ich nur gut heißen. Denn man merkt, dass zu wenige aus der Geschichte lernen und ein Interesse in diese (etwas, das leider viel zu oft fehlt, wenn ich an meine Schulkameraden zurückdenke) von großer Wichtigkeit ist.

    1. Prinz Penis sagt:

      Was noch fehlt im Songrepertoire: Urlaub auf der Tirpitz, Helga heißt meine neue Acht-Acht, Im Stacheldrahtverhau lieg‘ ich bequem. Sabaton haben das Banalisieren von Geschichte zur Königsklasse erhoben und sind damit ziemlich erfolgreich. Entscheidend: Ohne den Kriegsaspekt würde das Ganze nicht mehr wirklich funktionieren.
      Der Verweis eine Einführung in die (Militär-)Geschichte zu bieten greift nicht wirklich, weil entsprechende Interessenten dann eher auf Rommels schönste Panzerschlachten und weniger auf die Machtergreifung der NS oder die Judenverfolgung zurückgreifen werden. Nicht jeder bringt die entsprechende Bildung oder Reflektionsfähigkeit mit, die Kriegsdarstellungen entsprechend einzuordnen. Das ist hier die Aufgabe des Autoren, und dem kommen Sabaton eben nur bedingt nach. Von „Kunst“ mit entsprechendem Interpretationsspielraum möchte ich nicht sprechen, dafür geht die Band zu eindimensional vor. Erschwerend: Auf youtube steht jedes Video zunächst einmal für sich. Da bringt auch ein halbherzige Einordnen an anderer Stelle wenig, wie das von Ahnungslosigkeit und Hurra geprägte Kommentarniveau belegt. Vielleicht ist der Film Im Westen nichts Neues noch bekannt, in dem ein Lehrer zu Beginn des Ersten Weltkiriegs den Schülern weismachen will, dass Krieg eine erstrebenswerte und heldenhafte Sache sei. Irgendwie erinnert mich das daran.