Rage
Rage - Listening Session zu "Seasons Of The Black"

Special

Tatort Burscheid, Megafon Studio. In dem beschaulichen Städtchen nahe Leverkusen fallen am 13.05.2017, wie schon im Jahr zuvor, etliche Langhaarige ein, um sich an schwermetallischer Musik zu berauschen. Die Ruhrpott-Urgesteine RAGE legen knappe zwölf Monate nach dem bärenstarken “The Devil Strikes Again” ziemlich fix eine neue Scheiblette vor. “Seasons Of The Black” wird das am 28.07.2017 erscheinende Album heißen, das den Pressevertretern hier im Rahmen einer Listening Session vorgespielt wird.

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RAGE

Die Rahmenbedingungen könnten nicht besser sein. Nuclear Blast haben erneut keine Kosten und Mühen gescheut, um es uns an nichts mangeln zu lassen. Kaffee und Kuchen vor der Listening Session und ein üppiges, schmackhaftes Buffet nach den Interviews lassen wirklich keine Wünsche offen. Das sorgt natürlich von Beginn an für gute Laune. Auch RAGE haben heuer gut lachen und sind wesentlich lockerer, als noch vor einem Jahr. “Natürlich waren wir letztes Jahr mächtig nervös, als ihr alle hier wart. Wir waren uns sicher ein gutes Album gemacht zu haben, aber noch nicht lange als Band zusammen. Von daher konnten wir die Reaktionen im Vorfeld nicht abschätzen. Man, das war wie die Geburt deines ersten Kindes. Da bist du auch super nervös”, gibt Spaßvogel Marcos im Gespräch zu Protokoll. Das glaubt man dem Flitzefinger aufs Wort. Zumal auch Bandboss Peavy und der ‘professional talker’ Lucky gut aufgelegt sind.

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Im Abhörraum des Studios nehmen wir Platz und hören uns Luckys witzige Ansprache an. Marcos ergänzt, dass es neben dem regulären Album auch noch eine dicke Überraschung für die Hörer geben wird und ‘high pitch screaming Peavy’ zurück ist. Wir sind gespannt. Mit dem quasi Titelsong “Season Of The Black” starten RAGE ziemlich unkonventionell in das Album. Die primär im Midtempo angesiedelte Nummer ist schön abwechslungsreich gehalten und kann in den Bridges mit coolen Riffs punkten, ist aber sonst das, was man für gewöhnlich einen ‘Grower’ nennt. “Serpents In Disguise” wird da schon konkreter. Recht aggressiv und mit einem typischen RAGE-Refrain ausgestattet, drückt der Song ordentlich nach vorne. Marcos steuert hier ebenfalls ein sehr cooles Solo bei, das das Lied bereichert. Die Single “Blackened Karma” kommt da aus einer ganz anderen Ecke. Wesentlich moderner gehalten und mit einem mächtigen Groove versehen, überzeugt der Track auch durch eine untypische Melodieführung in der Strophe. Kann man definitiv so machen. Mit “Time Will Tell” folgt ein starkes Highlight von “Seasons Of The Black”. Neben vielen unterschiedlichen Parts wird das Stück durch einen perfekten Soloteil und coole Refrains abgerundet. Alles aber RAGE-typisch gehalten und bis hierher die beste Nummer der Platte. Das kann man vom folgenden “Septic Bite” leider nicht unbedingt sagen. Das Lied entpuppt sich als unauffälliger Midtempo-Groover. Nicht schlecht, aber qualitativ doch ein Stück weit von seinen Vorgängern entfernt.

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“Walk Among The Dead” holt danach aber die Kohlen wieder aus den Feuer. Der Song ist ein Hit mit packendem Refrain und hätte gut und gerne auch auf “Black In Mind” stehen und dort zu den Highlights gehören können. Starke Nummer. “All We Know Is Not” kommt da nicht ganz ran, ist aber beileibe auch kein schlechter Song. Generell heben RAGE hier das Grundtempo verglichen mit den anderen Songs der Scheibe ein wenig an. Danach kommt das abschließende zwanzig-minütige Opus “The Tragedy Of Man”, das in vier einzelne Songs unterteilt ist. Den Anfang macht “The Tragedy Of Man – Gaia”, das von akustischen und schönem Klargesang von Peavy eingeleitet wird. Die Art des metallischen Einstiegs hätte ich dann eher von eine Band wie HAMMERFALL erwartet. Dadurch wird der Song aber zu einer Überraschung für den Hörer. Akustische Gitarren, die an OZZYs “Diary Of A Madman” erinnern, lassen den Song atmosphärisch ausklingen. Mit “The Tragedy Of Man – Justify” präsentieren RAGE dann wieder einen Hit. Der Song ist ebenfalls im typischen RAGE-Stil gehalten und dazu ein superber Ohrwurm, sowie instrumental eine Macht. In diesen Kontext passt auch “The Tragedy Of Man – Bloodshed In Paradise”, das die härteste Nummer der neuen Platte darstellt. Dabei ist das Lied aber abwechslungsreich gehalten und überzeugt mit coolen Licks und zwingendem Refrain. Ebenfalls eine starke Nummer. “The Tragedy Of Man – Farewell” schießt nicht nur das zwanzig Minuten Stück ab, sondern auch die CD. Einen schweren Stampfer präsentiert uns die Band zum Abschluss. Mir ganz dezentem MANOWAR-Flair (in gut) und akustischer Strophe bricht das Stück ein wenig aus dem bekannten Kontext aus, macht durch den orchestral unterlegten Refrain aber wieder einen Sprung in die Mitte der Neunziger und erinnert an Songs wie sowohl “All This Time”, als auch an (aufgrund des Main-Riffs) “From The Cradle To The Grave”. Mit friedlichem Vogelgezwitscher schließt “Seasons Of The Black”.

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RAGE – Seasons Of The Black (Cover)

Danach folgt die versprochene Überraschung. RAGE haben sechs Klassiker aus AVENGER-Tagen neu aufgenommen und hatten hörbar Spaß dabei. Es ist aber auch schwer sich Songs wie “Adoration”, “Southcross Union” oder dem lyrisch schön grenzdebilen “Assorted By Satan” zu entziehen. Das war bei den anwesenden Journalisten nicht anders, und man konnte verstärktes Kopfschütteln bei einigen bemerken. Ich jedenfalls freue mich sehr auf das neue Album und seine Bonus-CD. Dem ersten Eindruck nach, könnte “Seasons Of The Black” seinen direkten Vorgänger noch einmal übertreffen. Dazu braucht es aber noch weitere Durchläufe. Für den Moment kann ich sagen, dass kein RAGE-Fan von dem Album enttäuscht wird.

Pics: Tim Aßmann

Galerie mit 17 Bildern: Rage - Rockharz 2017
13.06.2017

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