Feuerschwanz
Das Interview Teil 1 - Track By Track zu "Das Elfte Gebot"

Interview

FEUERSCHWANZ und “Die Sieben Todsünden“

“Ding“ (SEEED)

Diesen Song kenne ich von Abschlusspartys und Mainstream-Diskos und ist mir bis heute nicht aus dem Ohr gegangen. Daher hat mal einen gescheiten Anstrich gebraucht. Denn sind wir mal ehrlich: Das Original klingt doch furchtbar, oder? Total langweilig, da ist der Gitarrist im Urlaub. Den Gastgesang übernimmt übrigens Melissa Bonny von AD INFINITUM und RAGE OF LIGHT. Es gibt ein paar Verbindungen zu diesen Bands. Sie war Gastsängerin bei einer Band namens WARKINGS, mit denen wir letztes Jahr mal zusammen gespielt haben. Darüber hinaus sind es auch Labelkollegen, die wir selber sehr cool finden. So kam dann das Feature zustande. Ihr Part ist ja im Original kein weiblicher Part. Diese Art von Geschlechtertausch fanden wir auch spannend. Die erste Überraschung ist, dass eine Frau singt und dann fängt die auch noch zu grunzen an, wie ein Metalhengst. Diesen WTF-Moment wollten wir erreichen und da kamen wir auf sie. Melissa ist auch verdammt gut, in dem, was sie tut.

“Hier Kommt Alex“ (DIE TOTEN HOSEN)

Das ist zwar kein Mittelalter, aber auf jeden Fall episches Storytelling. Zudem sind DIE TOTEN HOSEN totale Jugendhelden. Mein erstes Album war “Im Auftrag des Herrn“, ein Live-Album von 1996. Da war ich vielleicht 6 Jahre alt oder so und habe “Hier Kommt Alex (Live)“ voll abgefeiert. Das hat sich bis heute nicht geändert. Das war also ein Herzenswunsch, aber gleichzeitig auch eine große Challenge. Das Original ist eben saugeil. Ob man das toppen kann, weiß ich nicht so genau. Wir haben es auf jeden Fall versucht mit einem Folk-Anteil, das heißt viel Harfe und Dudelsack. Von der Story in Anlehnung an “Clockwork Orange“ bin ich übrigens auch ein Riesenfan. Es ist ja erstaunlich tiefsinnig, was DIE TOTEN HOSEN mit dem Text sagen wollen. Das habe ich als 6-jähriger natürlich nicht verstanden. Ich habe erst viel später den Film von Stanley Kubrick gesehen und noch viel später das Buch gelesen. Das ist eine der drei großen Dystopien der Nachkriegszeit: George Orwells “1984“, Aldous Huxles “Schöne Neue Welt“ und eben “Clockwork Orange“ von Anthony Burgess. Davon ist immer beängstigend viel wahr geworden. Durch die Verfilmung von Stanley Kubrick wird es nur noch krasser.

“Amen & Attack“ (POWERWOLF)

Joah, POWERWOLF, ne? Power Metal kann man fast nicht besser auf den Punkt bringen, als die das machen. Wie man das dann auf einer Flöte spielt, hört ihr auf unseren “Sieben Todsünden“. Ich wusste vorher nicht, wie man das überhaupt spielen soll – so vong Finger her. Ein großes Experiment – und es ist uns geglückt, wie ich finde.

“I See Fire“ (ED SHEERAN)

Das war auch so ein Herzensding. Es ist zwar der Titelsong vom “Hobbit“, welcher ziemlich scheiße ist, wenn du mich fragst. Aber als Mittelerdefan, bringt es das schon gut auf den Punkt. Das ist ein großartiger Song, der nur noch auf eine Metalversion gewartet hat. Es gibt zwar schon ein paar auf Youtube, aber kombiniert mit Mittelalter, also das, was wir machen, war ein neues Experiment. Wir finden, dass der Song darauf gewartet hat. Das Original ist so ruhig, dabei geht es um Schlachten, Drachen, Tod und Verderben – das hat unseren Sound gebraucht!

“Gott Mit Uns“ (SABATON)

Hier ist ja der Dreißigjährige Krieg das Thema, jetzt kann ich also bandübergreifend antworten. Ich bin ein großer Fan der Historie, was ich mit DARTAGNAN auch schon oft behandelt habe. Deswegen wollten wir von den Power-Metal-Helden SABATON auch mal was lernen. Es ist historisch interessant und passt zum Albumkonzept von “Das Elfte Gebot“, denn “Gott Mit Uns“ ist so absurd, schließlich ist es so weit weg von einem liebenden Gott entfernt, wie es nur sein kann. Musikalisch hat es uns gekickt, weil es so folky ist, ohne dass das Original ein Folksong ist. Die Melodie erinnert an Irish Folk oder an NIGHTWISH, was auf eine Adaption mit Folkinstrumenten gewartet hat.

“Limit“ (DEICHKIND)

Wir haben schon mal einen Ausflug auf Bandkasse zu einem Auftritt von DEICHKIND gemacht, um was zu lernen. Da ist was hängen geblieben. Wir wollten auch einen eher unbekannteren DEICHKIND-Song covern, wobei ich gar nicht mehr weiß wieso. Wir hatten auch überlegt “Arbeit Nervt“ oder “Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ zu nehmen, wobei letzteres schon ziemlich oft gecovert wurde. Daher haben wir diesen geheimen Hit genommen von einem der ersten Alben, zudem es auch ein besonders trashiges Video gibt. Das fanden wir alles ziemlich witzig.

“Engel“ (RAMMSTEIN)

Das ist sehr bordunlastig, mittelalterkompatibel und ein musikalisches Experiment. Man traut sich an RAMMSTEIN nicht so gern ran, denn es ist perfekt was sie machen. Daran haben wir uns aber doch mal versucht und der Hauptmann mach einen guten Till.

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19.06.2020

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