Obituary
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Interview

Nach endlosen Jahren der Stille meldeten sich die Death Metal Urväter OBITUARY letztes Jahr live-haftig zurück und sorgten auf dem Fuck The Commerce Festival sowie der Europa-Tour für wahre Begeisterungsstürme unter Ihren treuen Anhängern, zu welchen ich mich auch zähle. Die Jungs wussten stets zu überzeugen, und auch Ihr neuer Hammer namens "Frozen In Time" vereint wieder alle lieb gewonnenen Trademarks der Florida-Jungs. Das Album ist ein wahrer Kracher vor dem Herrn. Grund genug, eine kleine Unterredung mit dem überaus freundlichen Frontmann John Tardy zu führen.

ObituaryEndres: Beginnen wir gleich mit dem neuen Album „Frozen In Time“! Dieses klingt, als ob es aus der Zeit Mitte der Neunziger stammt. Es vereint die besten Elemente der letzten 3 Alben „Back From The Dead“, „World Demise“ und „The End Complete“. Wie entstand dieses Album? Habt Ihr Euch einfach hingesetzt und gesagt, „So, lasst uns mal ein typisches OBITUARY-Album schreiben?“ oder wie dürfen wir uns das vorstellen?

John: Hahahaha! Yeah! Das ist natürlich eine tolle Reaktion auf unser Album! Bisher sagen fast alle Leute das gleiche. Es ist wie bei jeder unserer bisherigen Platten! Außer vielleicht bei „World Demise“, wo wir einen etwas anderen Sound hatten. Es war nicht so, dass wir uns sagten, ok, lasst uns an dieser Stelle dies versuchen und dort das einsetzen. Wir haben uns einfach wie immer im Proberaum zusammengesetzt, jammten locker miteinander und die Songs sind das natürliche Resultat aus diesen Sessions. Ich denke, sobald man anfängt darüber nachzudenken, ob man etwas schnelleres oder etwas langsameres versuchen sollte, entfernt man sich zu sehr vom ursprünglichen und natürlichen Sound. Diese Art von Sound steckt tief in uns und kommt beim gemeinsamen Jammen auf natürliche Weise raus. Das heißt jetzt allerdings nicht, dass die CD langweilig oder verstaubt klingt! Es befinden sich Sachen auf dieser CD, die einfach nur cool und auch andersartig als auf den Alben davor sind. Man kann natürlich nicht zuviel ändern, auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht einfach die eigene Musik kopieren. Es kommt auf den richtigen Mittelweg an. Ich denke, „Frozen In Time“ klingt absolut nach OBITUARY, gleichzeitig kann man darauf aber auch viele neue Ideen entdecken.

Endres: Euer neues Album trägt den Titel „Frozen In Time“. Steht dieser als Synonym für den OBITUARY-Sound?

John: Nun, es war so, dass wir die Musik einigen unserer Freunde vorgespielt hatten. Einer unserer Freunde meinte bei einem Track: ‚Hey, der klingt ja, also ob er direkt von „The End Complete“ käme‘. Ein anderer meinte: ‚Es klingt, als ob Ihr Euch über die Jahre nicht verändert hättet!‘ Ursprünglich wollten wir das Album einfach „Obituary“ nennen, denn genau das bekommt man ja darauf auch zu hören! Als wir uns aber das Album mehrmals anhörten, kam uns die Idee mit dem Titel „Frozen In Time“. Wir sahen uns gegenseitig an und wussten, dass es perfekt paßt – unser Sound, unsere Musik wurde wie in Zeit eingefroren und erwacht nun zu neuem Leben, als ob wir nie von der Bildfläche verschwunden wären!

Endres: So, nun laß mal die Katze aus dem Sack! Gibt es dieses Mal irgendwelche Texte auf dem Album zu hören?

John: Hüstel. Well, da sind keine wirklichen Texte im herkömmlichen Sinne. Nun, das alles geht ja zurück bis auf „Slowly We Rot“! Wir hatten damals nur ganz wenig Textmaterial, es waren nur einzelne, aneinander gereihte Wörter, die im Zusammenhang nicht unbedingt einen Sinn ergaben. Ich verwendete einfach bestimmte Wörter, um einen jeweiligen Sound zu erzeugen. Über die Jahre hinweg setzte ich mich immer mehr mit dem Thema auseinander und schrieb einiges an Material. Aber das ist etwas, was mir nicht wichtig ist. Meine Lyrics sind sehr „seltsam“, haben verschiedene Deutungsmöglichkeiten und individuelle Gedankengänge.

Endres: Ihr habt Euch erneut in die vertrauten Hände von Scott Burns und das Morrisound Studio in Tampa/Florida begeben. OBITUARY waren ja bekanntermaßen die erste Band, die damals mit „Slowly We Rot“ dort aufgenommen hatten und damit einer ganzen Szene den Sound aufdrückten. Was ist das besondere am Morrisound und an Scott Burns?

John: Nun, ursprünglich wollten wir mit dem Produzenten Rick Miller „Slowly We Rot“ einspielen. Aber als es dann losging, hatte er einen Familien-Notfall und musste uns verlassen. Scott Burns war dann da und half uns aus der Patsche. Es war das erste Death Metal Album für Ihn genauso wie für uns. Wir freundeten uns damals mit Ihm an und sind auch noch immer gut befreundet. Wir nahmen dann alle unsere ersten Alben mit Ihm zusammen im Morrisound Studio auf. Die letzten nahmen wir in anderen Studios auf, um ein wenig einen anderen Sound und neues Feeling zu bekommen. Wir blieben aber weiterhin gute Freunde über all die Jahre. Er hat mit Musik mittlerweile eigentlich nichts mehr zu tun. Aber wir baten Ihn für dieses Album mit uns zusammenzuarbeiten, uns seine Meinung zu sagen. Es war richtig cool, er hing mit uns zusammen rum und wir hatten eine gute Zeit. Die Aufnahmen fanden im Red-Room-Studio statt, Engineer war Mark Prator. Wir haben zusammen mit Mark die Platte produziert.

Endres: OBITUARY waren mit MASTER und VISCERAL BLEEDING letztes Jahr auf Europatour. Wie war das Feeling, wieder mit OBITUARY auf Tour zu sein? Wie waren die Reaktionen der Fans? Ich sah Euch in München, und es war unglaublich intensiv.

John: Es war großartig und erfrischend, wieder auf Tour zu gehen und all die Fans da draußen zu treffen. Vor allem nach der langen Pause! Es war toll, mit den Jungs wieder raus zu gehen, miteinander zu spielen und Konzerte zu geben. Ein Haufen alter Fans von damals sind wieder gekommen, um uns erneut zu sehen. Genauso kamen aber auch viele neue Fans dazu, die vorher einfach noch zu jung für ein Konzert waren oder uns noch nicht kannten. Es war also stets eine gute Mischung aus alten und jungen Fans.

Endres: Nach dem Konzert in München ging Trevor mit uns auf eine Metal-Party. Nach Eurem Auftritt auf dem Fuck The Commerce Festival letztes Jahr seid Ihr direkt mit Fans im regulären Festival-Bereich Bier trinken gegangen und habt Euch mit den Leuten unterhalten. Ihr seid eine sehr Fan-Orientierte Band?

John: Ja, absolut! Auf dem Gods Of Metal Festival letztens stand ich im Publikum und sah mir einige der anderen Bands an, ich hing genauso rum wie die anderen Leute auch. Am Metal Hammer Stand gab ich Autogramme, und ich saß über Stunden da, bis jeder Fan sein Autogramm hatte. Ganz einfach aus dem Fakt heraus, dass wir nur aufgrund der Fans da stehen, wo wir uns befinden. Wir hängen bei Shows davor und danach mit den Leuten ab und reden mit jedem, der sich mit uns unterhalten möchte. Ich verstehe nicht, weshalb sich einige Bands nicht einfach ein paar Minuten Zeit für Ihre Fans nehmen.

Endres: Warum hattet Ihr Euch eigentlich nach „Back From The Dead“ und der darauf folgenden Tour aufgelöst?

John: Well, zu diesem Zeitpunkt wollten wir keine Shows mehr geben, hatten die Nase voll vom Touring. Wir wollten einfach eine Auszeit einlegen. Es gab keinen richtigen Grund, wir wollten lediglich eine Auszeit für uns selbst nehmen. Aus mehreren Gründen dauerte dann diese „Auszeit“ doch weitaus länger, als wir ursprünglich dachten, haha. Ähm, es war nicht so geplant. Es fehlte dann aber auch die Zeit, bevor wir wieder zusammenfanden und das Album aufnahmen. Ich glaube, zu dem Zeitpunkt in welchem wir die Pause einlegten, ging es auch in der Metalszene ein wenig bergab. Das ist der Lauf der Dinge, alles ist in Bewegung, ein ständiges auf und ab, das betrifft auch die Musik bzw. die Metalszene. Es passierte einfach, dass wir uns sechs Jahre später wieder trafen und mehr und mehr miteinander redeten, zusammen jammten, unsere ersten Shows spielten und die ersten neuen Songs schrieben. Es fühlt sich wieder richtig gut an!

Endres: Eine Frage brennt mir auf den Nägeln, seid ich letztes Jahr im Florida-Urlaub war. Florida hat solch wunderschöne Landschaften und Strände, schöne Frauen, eine tolle Natur, viele warme sonnige Tage im Jahr. Wie kommt es, dass ausgerechnet aus Florida so viele Death Metal Bands kommen und derart extreme und aggressive Musik spielen?

John: Hahahaha!

Endres: Ja, es ist doch einfach ein wundervolles Fleckchen Erde!

John: Haha. Nun, ich weiß es leider nicht! Ich denke mal nicht, dass die Leute bei uns den ganzen Tag nur zu Hause sitzen und lediglich Death Metal hören. Nach 3 Monaten auf Tour und jede Nacht spielen, mit 3 anderen extremen Bands, höre ich wenn ich nach Hause komme auch mal Country Musik, Blues oder etwas anderes. Was wir in Florida um uns herumhaben mit den ganzen Stränden, dem Meer und der vielen Sonne ist vielleicht ein schöner Kontrast zu unserem Life-Style. Hier muß ich nochmal auf meine Texte zurückkommen. Es ist nichts dabei, was man zu ernsthaft nehmen sollte. Wir sind keine satanische Band und haben auch keine großartigen Messages. Der Text-Kontext beruht darauf, dass die Musik heavy ist und ich benutze meine Stimme und gehe entsprechend mit der Musik. Es ist vielleicht einfach der schöne Kontrast zu dem, wie wir leben und wo wir leben.

Endres: Mit welchen Bands würdet Ihr denn gerne mal auf Tour gehen?

John: Oh, da gibt es eine Menge Bands, mit denen ich sehr gerne auf Tour gehen würde. Wir reden darüber die ganze Zeit! Ich mochte die S.O.S. Tour in den USA mit SEPULTURA und SADUS, ich fände es cool, wieder etwas mit SEPULTURA zusammen auf die Beine zu stellen, das war eine großartige Tour. Wir sind auch alle große SLAYER Fans, und ich würde es lieben, mit SLAYER auf Tour zu gehen. Wir sahen Sie auf dem Gods Of Metal Festival und es war unglaublich. Vor einigen Wochen spielten wir eine Show mit AGNOSTIC FRONT, es war toll die Jungs zu treffen und mit Ihnen abzuhängen. Wir hatten über die all die Jahre so viele gute Touren und haben uns mit so vielen Bands angefreundet, mit denen wir unterwegs waren. Es gibt so viele Gruppen, mit denen wir gerne unterwegs sein würden. Wir werden jetzt erstmal abwarten, was weiter passiert.

Endres: Sind schon irgendwelche Touren in Europa außerhalb der anstehenden Festival-Shows geplant?

John: Yeah, also erstmal stehen die Festivals hier an. Es macht über diese Saison keinen Sinn zu touren, da ja so viele Open Airs anstehen. Es würde die Kids zuviel Geld kosten, es wäre ein Überangebot an Metal. Wir werden also auf allen Festivals spielen, die möglich sind. Wahrscheinlich werden wir dann Ende des Jahres, vielleicht auch Januar, nach Europa zurückkehren und eine Tour spielen. Aber wir werden im September durch die Staaten touren.

Endres: Wie sieht es denn derzeit mit den anderen Projekten aus? Allen West war ja in LOWBROW und Trevor Peres in CATASTROPHIC involviert.

John: Oh, ich glaube, sie jammen nach ab und zu mit diesen Jungs. Aber ich bin mir nicht ganz sicher. Wir sind gerade alle schwer mit OBITUARY beschäftigt so dass es für diese beiden Projekte sowieso kaum Zeit gäbe. Aber wenn es mal wieder ein Time-Off gibt, werden Allen und Trevor sicherlich wieder mit anderen spielen, egal ob es jetzt die Leute von LOWBROW oder CATASTROPIC oder von einem anderen Projekt sind.

Endres: Gehen wir zum Schluß ein wenig zurück auf die Anfänge von OBITUARY unter dem Banner XECUTIONER im Jahr 1985. Welche Bands haben Euch damals maßgeblich beeinflusst und welche Songs habt Ihr am Anfang nachgespielt?

John: Hahahaha! Das interessante ist, dass ich mich daran erinnere, dass Trevor eigentlich eher der geborene Drummer war. Er trommelte ständig auf allen möglichen Sachen herum. Aber er hatte nicht das Geld für ein Schlagzeug-Kit. So meinte er, er würde sich eine Gitarre zulegen und tat dies dann auch. Im Gegensatz zu anderen Bands, die damals am Anfang eher Songs von METALLICA oder anderen coverten, fingen wir gleich mit eigenen an. Wir saßen einfach zusammen und schrieben unsere ersten eigenen Lieder. Natürlich spielten wir trotzdem dann aber auch mal Coversongs von z. B. CELTIC FROST, von Ihnen hatten wir ja „Circle Of The Tyrants“ auf dem „Cause Of Death“ Album, auf der Tour letztes Jahr spielten wir „Dethroned Emperor“. CELTIC FROST waren natürlich ein wichtiger Einfluss für uns. Als ich zum ersten Mal mit Metal in Berührung kam, liefen wir zu den Jungs von SAVATAGE und NASTY SAVAGE, sahen was sie machten und dachten uns „hey, das würde auch uns Spaß machen“.

Endres: Was war Eure bisher beste Tour und weshalb?

John: Puh, das ist schwer. Denn mit jeder Band, mit der wir bisher getourt haben, hattten wir eine gute Zeit und konnten Freundschaften. Natürlich war die SOS Tour (SEPULTURA, OBITUARY und SADUS) war extrem cool. Mit AGNOSTIC FRONT tourten wir und mit NAPALM DEATH hatten wir einige gute Tourneen. Wir machten eine Menge guter Freunde über all die Jahre und das sind großartige Gruppen! Jede Tour hatte etwas Besonderes, Du hattest verschiedene Eindrücke, eine gute Zeit. An jede Tour hast du unterschiedliche Erinnerungen, ich kann jetzt da nicht eine besonders hervorheben.

Endres: Und nun die letzte Frage: Welche aktuellen Bands hörst Du derzeit?

John: Oh, ich höre jegliche Art von Musik! Am meißten höre ich Southern Rock und Blues, wenn ich Metal höre lege ich eher die alten Klassiker auf wie CELTIC FROST oder SLAYER, ich hänge an diesen alten Tagen! Aber ich höre prinzipiell alle Arten von Musik.

Endres: Vielen Dank für das Interview!

John: Vielen Dank! Ich hoffe, ich werde viele Fans auf den Festivals treffen!

Galerie mit 12 Bildern: Obituary - Final World Tour 2018
23.06.2005

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