Obituary
Das meint die Redaktion zu "Inked In Blood"

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Obituary

OBITUARY sind OBITUARY und werden es immer bleiben – soviel steht fest! Kollege Markus Endres findet dabei in seiner Review auch für den neusten Streich des amerikanischen Todesblei-Kommandos nur lobende Worte. Aber ist „Inked In Blood“ wirklich das was sich Fans wünschen? Dazu haben wir das Album nochmals in der Redaktion rumgereicht, lest hier was die anderen Meinungen so sagen.

Jahaa… OBITUARY. So sympathisch die Band ist – wo ist das denn bitteschön Kunst? Seit Jahrzehnten den einen Song wieder und wieder ganz manierlich neu einprügeln und hinterher behaupten, da wäre neben dem Blut der fuckin‘ enemies auch eine doppelte Gallone aus dem eigenen Herzen dabei, obwohl es nur darum geht, der eigenen Klassiker-Verwaltungsmaschine den nächsten Vorwand zu geben, wieder mal auf einträgliche Tour zu gehen. Das ist die eine Sichtweise.

Und tatsächlich: OBITUARY sind mittlerweile eigentlich AC/DC – ehedem stilbildend, musikalisch hernach erzkonservativ, aktuell schließlich mit einem auf die eigenen Trademarks konsequent beschränkten und damit berechenbar-reduzierten Sound. Das ist kaum zu bestreiten.

Aber: In echt soll das so und nicht anders! Der Signature-Sound aus tiefem, tendenziell schleppendem Riff, Mördergroove und DER DM-Stimme aller DM-Stimmen MUSS ohne Rücksicht auf künstlerischen Anspruch oder progressive Vermessenheit gehegt, gepflegt und reproduziert werden. OBITUARY sind OBITUARY sind OBITUARY. Das ist notwendig.

Die Frage ist nur, welchen Krater die neuen Stücke innerhalb des OBI-Versums hinterlassen. Mein Eindruck ist: einen ziemlich amtlichen! Wie immer nur in der Ausnahme fix und und damit in der Regel mörderisch heavy gehalten, walzen sich Stücke wie „Violent By Nature“ oder „Pain Inside“ ihren Weg über die Magengrube in den Nacken der unwürdigen Hörerschaft und lassen einen mit albern verzerrter Miene irgendwas wie „roarringpainuuaaarggh“ oder so vor sich hin flöten. Die „Ugh!“-Dichte John Tardys ist zudem dermaßen groß, dass ich mich fast hingerissen fühle, die ersten drei Klassiker-Platten der Band ins Spiel zu bringen. Das ist geil.

Denn ohne Scheiß: Das Gefühl ist fast so wie damals, als OBITUARY vorübergehend die größte Death-Metal-Band von allen waren. Doch da auch „The End Complete“ sofort gezündet und später etwas an (blutgetränktem) Boden gegenüber den Vorgängern verloren hat, bleibe ich mal vorerst verhalten euphorisch. Aber euphorisch! Das ist ein Kauftipp.

(8 / 10 Punkte mit Tendenz nach oben, Marek Protzak)

 

Um den geschätzten Kollegen Marek zu zitieren: „OBITUARY sind OBITUARY sind OBITUARY.“ Wort! Muss man noch mehr dazu sagen? Na gut: Natürlich machen OBITUARY auch auf Full-Length-Album Numero neun nichts grundlegend anders als jemals zuvor. Auch wenn sich der Stil von Neu-Gitarrist Kenny Andrews durchaus von dem seiner Vorgänger absetzt, was aber nur in seinen Soli deutlich herauszuhören ist. Wer eine ausführlichere Beschreibung des Klangbilds oder des Stils auf „Inked In Blood“ sucht, ist in diesem Text falsch und darf Scrollen gehen oder Google bemühen.

Fakt ist: OBITUARY machen genau das, was ihre Fans erwarten, und sie machen das wieder ein Stückchen besser, als sie es meiner Meinung auf den beiden Vorgängeralben „Xecutioner’s Return“ und „Darkest Day“ getan haben. Kein Song auf „Inked In Blood“ ist ein Ausfall, geboten wird zwölfmal feinste Death-Metal-Kunst mit fettestem Groove. Punkt. Zwar sticht auch keiner der Songs sonderlich positiv heraus, aber dafür haben OBITUARY auf „Inked In Blood“ keine Lückenfüller verpackt, wie es auf den genannten Vorgängern der Fall war. Ein Hammeralbum für alle, die ihren Death Metal weder technisch noch satanisch noch doomig brauchen, sondern einfach spaßig und fett wie Fick.

(8 / 10 Punkte, Stephan Möller)

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OBITUARY sind wie das Kalaschnikow-Gewehr. Jeder kennt es und seit seiner Erfindung wurde am Modell nur marginal etwas verändert. Wozu auch, wenn das robuste und unkaputtbare Ding von Anfang an so effektiv war, dass Verbesserungen unnötig waren? So ist es auch mit den Jungs aus Florida.

Seit die Teenager 1989 bei Roadrunner Records aufschlugen, rotten sie ihrem Stil treu bis heute weiter. Man wird keine Experimente in der gesamten Diskographie der Band finden – das ist fast schon konsequenter als MOTÖRHEAD und AC/DC. Wer dies als Kritikpunkt sieht, kann das gerne tun – auf kreativer Ebene sind OBITUARY wahrlich keine Meister. Für uns, die Fans, kann es aber denkbar egal sein wenn ein Brecher wie „Inked In Blood“ um die Ecke gestampft kommt. Denn ein schlechtes Album hat die Band genauso wenig jemals veröffentlicht, wie ein von der eigenen Linie abweichendes. Das war auch der Grund, weshalb ich es per Crowdfunding gekauft habe, bevor es überhaupt aufgenommen war. Wir wussten alle was kommt. Und so sind die zwölf Songs genau das geworden, was man hören wollte. Und eigentlich sogar noch mehr. Denn wo „Xecutioner’s Return“ und „Darkest Day“ einige Längen aufwiesen, erweist sich „Inked In Blood“ runder, treibender und noch gefährlicher für den Nacken. Mit „Visions In My Head“ und „Violence“ hat man sogar die ersten Hits seit „Evil Ways“ am Start bei denen man es kaum erwarten kann sich das Genick vor der Bühne aufzuknacken. Ansonsten gibt es keine Ausfälle – beide Tardys sind in Höchstform, Johns Stimme regiert wie eh und je und ist für sich schon Rechtfertigung genug, dass die Band weiterhin Scheiben veröffentlicht. Aber auch sonst ist das neue Ding stimmig und bietet von treibenden, bis zu weed-schwangeren Stampfern wie dem Titelsong die ganze Palette OBITUARY wie man sie liebt. Und das bei einem arschgeilen Sound (bis auf die gnadenlos über-präsente Kick). Scheiß auf Innovation, scheiß auf Fortschritt – das hier ist Zuhause und genau hier fühlen wir uns wohl.

(8 / 10 Punkte, Eugen Lyubavskyy)

Galerie mit 12 Bildern: Obituary - Final World Tour 2018
30.10.2014

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