U.D.O.
Die Fans sind genauso hungrig wie wir!

Interview

Mit dem aktuellen Album „Game Over“ verabschiedet sich Udo Dirkschneider natürlich nicht in die Rente, sondern beleuchtet kritisch die aktuelle Situation unseres Planeten sowie der Menschheit. Musikalisch liefern U.D.O. auf dem siebzehnten Studioalbum bewährte Kost und bleiben eine sichere Bank für Qualität. Wir sprachen mit dem äußerst sympathischen Udo über das neue Album und was sonst so alles in letzter Zeit passierte im Interview.

Cover Artwork von U.D.O. - "Game Over"

Cover Artwork von U.D.O. – „Game Over“

Der Titel eures neuen Albums „Game Over“ führt erst einmal in die Irre – ihr habt nicht vor aufzuhören. Vielmehr geht es um den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft und unserer Erde. Wie seid ihr auf diese Themen gekommen und was ist die zentrale Botschaft hinter dem Titel?

Nein, wir wollen nicht aufhören! Wir wollen mit Sicherheit weitermachen! Diese Themen sind im Augenblick ja sowieso sehr aktuell. Ich meine, die Klimaveränderung kann man ja nun nicht mehr verleugnen. Schau dir die ganze Welt an, die ganzen Waldbrände, die stattgefunden hatten, in Amerika, in Südeuropa, in Russland. Dann natürlich auch die ganze Hochwassersituation, die wir hier in Deutschland, Belgien, Niederlande und Italien hatten. Zusammenfassend muss ich dazu sagen, dass wenn nicht bald was wirkliches passiert anstatt immer nur zu diskutieren und zu keinem Ergebnis zu kommen, haben wir plötzlich dann irgendwann das ganz große „Game Over“!

Wo seht ihr gerade die Menschheit und unseren Planeten?

Es gibt noch die nächste Generation und danach noch viele Generationen, die auf unserem Planeten leben wollen. Wir haben aber keinen zweiten Planeten. Daher müssen wir schon schauen, dass wir das alles jetzt einigermaßen in den Griff bekommen, damit die nächsten Generationen hier existieren können!

Die Corona Pandemie hat vieles verändert und eingeschränkt, was insbesondere natürlich auch euch Künstler betrefft. Was glaubst du wie sich das Leben nach dieser Pandemie für uns als Gesellschaft als auch für die Musikwelt verändert?

Auch das, ja! Ich glaube, dass sich in unserem Bereich nicht wirklich viel verändern wird. Wir saßen ja letztes Jahr mit scharrenden Hufen hier und wollten was tun! Und ich glaube, die Fans sind genauso hungrig wie wir! Wir warten doch alle wieder auf richtige Konzerte. Ich glaube daher, dass sich da gar nicht so viel verändern wird. Man weiß ja leider nicht, wie lange diese ganze Pandemie noch geht aber ich vermute, wie werden damit noch ziemlich lange zu tun haben. Aber es lassen sich immer mehr Leute impfen und alles wird mit Sicherheit etwas weniger werden, um dann wieder ein normales Leben führen zu können. Ich hoffe, dass sich, wenn die Pandemie abflacht und wieder ein normales Leben möglich ist, ein mehr kommunikatives Dasein entwickeln wird. Die Leute sind natürlich mittlerweile alle müde davon, nur zu Hause zu sitzen und nicht wirklich gemeinschaftlich was erleben, zum Beispiel in Clubs oder Bars zu gehen. Ich glaube, das werden die Leute dann wieder genießen. Und wir kommen dann hoffentlich alle wieder weg von irgendwelchen Konferenzschaltungen per Skype oder Zoom.

„Game Over“ ist bereits das siebzehnte Studioalbum von U.D.O. Wie fühlt sich das an? Wie sehr ist das Songwriting und der Aufnahme- und Produktionsprozess eines neuen Albums noch eine Herausforderung?

Dieses Mal war es ja mit Sicherheit eine enorme Herausforderung, weil wir ganz anders arbeiten mussten, als wir normale arbeiten. Der Anfang war eigentlich der gleiche, indem man Ideen sammelt. Normaler gehen wir dann, wenn wir genug Songideen beisammen haben, an welchen wir arbeiten wollen, gemeinsam in den Proberaum und dann ins Studio und fangen an, zusammen mit unserem Produzenten die Songs zu arrangieren. Das war leider nicht möglich. Das lief alles über Zoom, Skype und WhatsApp, was natürlich etwas mühselig war. Es gab dann immer Konferenzschaltungen, während denen wir an den jeweiligen Songs gearbeitet hatten. Da musste man dann auch immer warten, bis die Links verschickt waren, damit man sich das dann auch anhören konnte. Das war schon etwas langwierig.

Gleichzeitig empfanden wir das aber auch nicht als so schlimm, da wir sowieso nicht touren konnten. Wir hatten also genug Zeit, weshalb letzten Endes auch 16 Songs auf dem Album gelandet sind. Wir wollten diese ganzen Stücke auf „Game Over“ haben. Zum Abschluss dann, den Hauptaufnahmen im Studio, war dann auch immer nur ein Musiker und der Toningenieur vor Ort. Wir hatten dann zwar immer einen Laptop an der Seite stehen, mit welchem wir anderen das mitverfolgen und miteinander kommunizieren konnten. Aber es war schon wesentlich anders als eine normale Produktion.

Stilistisch seit ihr euch wie nicht anders zu erwarten grundsätzlich treu geblieben und liefert astreinen Heavy Metal. Fallen auch mal Songs bzw. Teile wieder raus, weil diese stilistisch in eine andere Richtung gehen?

Na ja, stilistisch rausfallen möchte ich nicht einmal sagen. Aber man hat da so manchmal eine Idee, mit der man einfach nicht weiterkommt. Und wenn man dann anfängt, irgendwie krampfhaft etwas außen rum zu basteln, dann sollte man den Song auch direkt in den Mülleimer schmeißen, dann funktioniert der auch nicht. Es kommt schon mal vor, dass da Sachen dabei sein, die nicht so ganz passen. Das ist aber auch nicht sehr oft.

Also sprich – wenn ihr als Band zusammenwirkt, kommt einfach immer U.D.O. dabei raus?

So ungefähr, hahahaha, ja!

Ihr hattet die Möglichkeit, im vergangenen September im bulgarischen Plovdiv in einem Amphitheater vor 2500 Besuchern aufzutreten, was soweit ich weiß euer einziges Konzert 2020 war. Wie war das für euch, was war das für ein Gefühl wieder aufzutreten und was kannst du uns von diesem Auftritt, der Organisation und der Reise erzählen?

Es kam irgendwann im Juli die Anfrage zu dem Konzert. Da waren wir noch nicht so ganz von der Sache und deren Umsetzung überzeugt und wollten erst einmal abwarten, ob das überhaupt klappen würde. Hatte aber im Endeffekt tatsächlich stattgefunden. Es war vom Hygienekonzept hervorragend. Nachdem wir das zusammen mit den Bildern der Örtlichkeit bekommen hatten, waren wir doch überzeugt und wollten das machen.

Man hatte uns in Bulgarien auch seitens des Fernsehens unterstützt, welche die gesamte Show aufgenommen hatten. Wir konnten auch eigenes Equipment mitnehmen, um alles aufzunehmen. Es hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Die gesamte Organisation war sehr gut. Da brauchte man überhaupt keine Angst haben, sich in irgendeiner Form zu infizieren. Wir hatten allerdings natürlich auch nicht mit so vielen Leuten gerechnet. Wir dachten irgendwo zwischen 800 bis 1000 Besucher. Aber da waren dann so knapp 3000 Leute. Nach ein paar Wochen hatten wir beim örtlichen Promoter in Bulgarien nachgefragt, ob sich jemand infiziert hatte, aber da konnte man uns beruhigen, da war nichts passiert. Das konnte uns auch noch von Dritten in Bulgarien bestätigt werden. Das war wirklich hervorragend und es hat sich gelohnt.

Es war natürlich auch ein sehr emotionaler Auftritt. Wir waren einfach auch nur glücklich, endlich mal wieder Live spielen zu können. Ich glaube, da hatten wir auch irgendwie alles reingepackt, was man irgendwie reinpacken konnte. Der Auftritt war emotional sehr stark, aber auch vom Publikum. Ich glaube, das spiegelt sich auch auf dem Live-Video und Live-Album wider.

Für diese Show, die ihr auch aufgenommen und unter dem passenden Titel „Live In Bulgaria 2020 – Pandemic Survival Show“ veröffentlicht habt, hattet ihr auch fünf ACCEPT Klassiker gespielt, was eigentlich unter dem U.D.O. Banner nicht mehr stattfinden sollte. Dazu habt ihr mit U.D.O. ohnehin schon einen mehr als üppigen Backkatalog. Wie seid ihr auf die Setlist gekommen?

Man hat uns natürlich schon vorher gefragt, ob wir nicht auch ein paar alte ACCEPT Songs spielen können, weil es natürlich schon irgendwo eine Ausnahmesituation war. Ich muss da etwas zurückgehen, nach der ganzen DIRKSCHNEIDER-Geschichte, fast 300 Shows in drei Jahren, in welchen wir nur Songs von ACCEPT gespielt hatten, war es mir dann vielleicht auch erst einmal zuviel. Da habe ich wohl im Eifer des Gefechts gesagt, dass ich erst einmal die Schnauze voll habe. Auf jeden Fall hatten wir dann in Bulgarien das erste Mal diese Klassiker wieder in die Setlist mit reingenommen. Man merkt auch einfach, dass die Leute diese Songs wollen.

In der Zwischenzeit hatten wir wieder drei Shows als DIRKSCHNEIDER gespielt, Konzerte die eigentlich für 2020 geplant waren. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an aber das war uns eigentlich egal, da für uns die Möglichkeit, mal wieder auf der Bühne zu sein, Live spielen zu können und mit einem echten Publikum real wieder interagieren zu können, viel wichtiger war und wir uns sehr darauf gefreut hatten. Und es war uns eben einfach egal, ob unter U.D.O. oder unter DIRKSCHNEIDER. Das hatte einfach einen Höllenspaß gemacht. Klar, die Leute haben das auch richtig abgefeiert. Aber wenn wir jetzt wie ich hoffe bald wieder touren können, werden wir wahrscheinlich zwei oder drei Klassiker von ACCEPT spielen, weil die Nachfrage nach diesen Songs einfach da ist.

Und wie sagte eines Tages Ronnie James Dio mal zu mir, während eines langen Gespräch nachts im Hotel: „Give the people what they want!“. Ich meine, DEEP PURPLE ohne „Smoke On The Water“ ist auch nicht vorstellbar. Wir sind da, um die Leute zu unterhalten, ich kann auch meine Geschichte mit meiner alten Band ACCEPT nicht wegleugnen und sagen, die hat nie stattgefunden! Da verbinden die Leute auch schon viel mit. Das gute ist auch, dass wir das Ganze ein wenig lenken können. Zum Beispiel muss ich in Russland kein ACCEPT spielen. Da fragen zwar schon welche nach, aber die Nachfrage ist da tatsächlich nicht so sehr. Da gibt es auch noch einige andere Länder. Ich schätze das Verhältnis ist 70 zu 30 – 30% wo wir keine ACCEPT Songs spielen müssen, und beim Rest kann man dann so zwei bis drei Klassiker mit reinbringen.

Weiter hattet ihr gemeinsam mit dem Marinemusikkorps der Bundeswehr das Album „We Are One“ gemacht. Wie schwierig war es bei dieser gegensätzlichen Instrumentierung, ein stimmiges Songwriting hinzubekommmen und zu arrangieren?

Wir hatten erst einmal die Songs von der Band und wussten da auch schon, welche sich davon für dieses Projekt eignen würden. Wir hatten dann ein Meeting mit den Arrangeuren vom Orchester, die hatten sich da die Songs angehört und ebenfalls noch gesagt, welche Songs auf jeden Fall passen würden. Anschließend bekamen sie die Songs und die Arrangeure hatten sie anschließend für Band und Orchester arrangiert. Da wurde schon noch einiges getan, zum Beispiel wo notwendig die Harmonien verändert. Dieser ganze Prozess hatte ein gutes Jahr gedauert, bis es dann so weit war, dass wir die Sachen aufnehmen konnten.

Dann war es getrennt, also Band und Orchester hatten getrennt voneinander aufgenommen. Das Orchester hat die Band über Kopfhörer gehört, die haben dann ihren Teil dazu gespielt. Es war alles in allem ganz schön aufwändig.

Im Frühjahr 2022 habt ihr die Tour für „Game Over“ geplant. Wie blickst du im Moment dem Ganzen entgegen und worauf freust du dich beim Touren wieder am meisten?

Auf das Live spielen und wieder mit dem Publikum zusammen viel Spaß zu haben! Und klar, wenn man natürlich ein neues Album hat, will man natürlich auch raus und die neuen Songs präsentieren. Wie gesagt, wir wären jetzt gerade eigentlich in Skandinavien unterwegs, mussten dann aber die erste Hälfte der Touren leider verschieben auf nächstes Jahr. Dann wird die ganze Sache in Europa so Anfang März losgehen. Und ich glaube schon, dass es da auch möglich sein wird, diese Europatour durchzuziehen.

Wie ist es eigentlich für dich, mit deinem eigenen Sohn zusammen in einer Band zu spielen?

Das ist natürlich ein tolles Gefühl! Ich bin auch wirklich stolz auf den Jungen! Der hat sich wirklich wahnsinnig gut am Schlagzeug entwickelt. Mittlerweile ist er auch schon sechs Jahre in der Band. Es ist eigentlich kein typischer Vater-Sohn-Verhältnis, unser Verhältnis ist da eher freundschaftlich. Er genießt auch nicht irgendwie eine Sonderstellung, nur weil er der Sohn vom Udo ist, sondern ist Bandmitglied wie wir alle. Ja, wir verstehen uns alle gut, es ist einfach ein tolles Gefühl!

Gibt es für dich eigentlich noch Ziele oder Träume, die du verwirklichen möchtest?

Oh Gott! Einen Traum haben wir verwirklicht, das war die Sache mit dem Orchester! Ähm, weiß ich nicht wirklich. Erst einmal freu ich mich natürlich, endlich wieder auf Tour gehen zu können. Ich sag mal, ich lass immer Dinge auf mich zukommen. Vielleicht kommt irgendein Ding, wo ich dann sage, Mensch, das möchte ich gerne machen. Ich hatte mal vor langer Zeit im Kopf, eventuell ein Rockmusical zu machen. Ich kenne aber auch jemanden, der mit sowas zu tun hatte, und weiß daher, dass das ein Höllenaufwand ist. Ok, ich hätte zwar dazu die Thematik im Kopf gehabt, aber dann brauchst du dazu die Leute, die Komponieren. Klar, könnte ich einige Songs auch mit meiner eigenen Band komponieren. Aber da brauchst du schon gewisse Leute, die damit zu tun haben und sich damit auskennen, um das musikalisch auch umzusetzen. Du brauchst viele Sänger und und und. Ein Rockmusical wäre eine schöne Sache, aber im Augenblick hätte ich gar keine Zeit dafür!

Was habt ihr sonst noch alles in nächster Zukunft geplant?

Wenn alles funktioniert, ausgiebig touren! Im Januar wollen wir nach Südamerika, Februar in Russland. Dann Europa, im Sommer die Festivals. Und dann im September und Oktober Kanada und die USA, und dann ist das nächste Jahr auch schon wieder vorbei. Wir hoffen natürlich mal, dass alles stattfindet. Und dann werden wir irgendwann auch ganz sicher wieder an einem neuen U.D.O. Album arbeiten!

Galerie mit 11 Bildern: U.D.O. - Rockharz 2019
24.11.2021

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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