Thyrfing
THYRFING, BORNHOLM und SKOGEN live in Berlin 2015

Konzertbericht

Billing: Bornholm, Skogen und Thyrfing
Konzert vom 16.10.2015 | K17, Berlin

Pünktlich zur Herbstzeit streifen die musizierenden Dunkelheimer wieder zuhauf durch die Clubs. Da fungiert so ein finsteres Paket doch furchtbar gut als höllischer Anheizer, bevor sich der Winter übers Land legt. Es ist Freitag und … leer. Nun, nicht vollends, aber die Reihen sind doch überraschend licht. Und Licht will heute Abend ja wirklich niemand. Beehrt wird Berlin von den Schweden SKOGEN, die hierzulande noch nicht allzu bekannt sind, deren Live-Auftritte aber auch dementsprechend rar gesät sind. Schon deshalb ein mehr als interessanter Support. Als zweiter Anheizer fungieren die in Budapest gegründeten BORNHOLM, während der an der Live-Front durchaus oft gesehene Headliner wieder schwedischer Herkunft ist: THYRFING.

Thyrfing

SKOGEN profitieren von einem grandiosen Sound, der die meist im Midtempo gehaltenen Nummern prächtig ausbalanciert. Der vor Konzertbeginn noch prasselnde Regen hat sich verzogen und der Abend überrascht mit beinahe milden Temperaturen. Wer die Schweden nicht kennt und eine Hau-drauf-Attitüde erwartet hat, wird auch die Songs von SKOGEN als recht mild empfinden. Der atmosphärische Black Metal mit Natur-Thematik klirrt in seiner Basis zwar kühl, die Kompositionen sind aber nicht selten von melodischer, melancholischer oder gar epischer denn brachialer Prägung – also eher zum Schwelgen als zum Abgehen. Richtig Stimmung kann eh nicht aufkommen, weil der Hauptbereich im K17 gerade zu einem Drittel gefüllt ist. SKOGEN selbst holen aus ihrem Material aber raus, was rauszuholen ist, und variieren wie auf Platte auch stimmlich: Bassist und Frontmann Joakim Svensson growlt eher, während Gitarrist Mathias Nilsson für die krächzenden und cleanen Vocals zuständig ist. Zum Ende hin packen SKOGEN dann auch die etwas fixeren Lieder aus, darunter das grandiose „I Döden“ vom letzten und gleichnamigen Werk („I Döden“).

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Immer noch nicht voller. Genau genommen ist nach wie vor nicht mal ansatzweise die Hälfte des Publikumsbereichs belegt. Nun denn, machen wir das Beste draus! Was können BORNHOLM auf der Bühne, nachdem ihr 2013er-Album „Inexorable Defiance“ nur mittelprächtig abschnitt? Auffällig sind in jedem Fall die Outfits, die an die „gepanzerten Klamotten“ von DARK FUNERAL erinnern. Animieren können die Ungarn auch, das ist schon mal ein Unterschied zur Vorband, die sich vollends auf ihre Musik konzentriert hat. Doch auch die „Hey hey“-Rufe entzünden keine Bombe im Rund. Anders ausgedrückt: Die Anwesenden könnten sich vom wieder sehr guten Sound eine Scheibe abschneiden, denn der geht richtig ab (nur die Vocals übertönen den Rest ein wenig). Allzu viel schwappt aber nicht über den Bühnenrand, sodass die meisten nur so anstehen und beobachten. Schade, vielleicht müsste mal jemand von den Zuschauern den Anfang machen und den Party-Funken entzünden … aber es sind ja nur eine Handvoll Leute da.

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Na, beim Headliner wird doch sicher alles anders, besser, stimmungsvoller. Falsch gedacht. Vielleicht stehen jetzt ein paar mehr rum, aber das war es dann auch. Da können einem die Bands fast leidtun, auch wenn es sich keine der drei Combos anmerken lässt, dass man von einem Freitagabend in Berlin wahrscheinlich mehr erwartet hat. Ihr könnt es Euch bestimmt denken: Der Sound ist top. Und was machen THYRFING daraus? Die Schweden, die ihr letztes Studioalbum 2013 herausgebracht haben („De Ödeslösa“), schöpfen die Situation im Rahmen des Möglichen aus, und vor allem Sänger Jens Rydén präsentiert sich wie gewohnt leidenschaftlich – da er kein Instrument bedient, hat er aber auch alle Freiräume, um sich auf der Bühne ordentlich auszuleben. Zumindest scheint die Melange aus dunklen Melodielinien und brachialen Midtempo-Riffs anzukommen. Mit viel Vikinger-Pathos und Epik schwingen THYRFING ihr musikalisches Schwert und preschen Song für Song auf hohem Niveau durch die nordische Mythologie. Schön für die Mutigen, die sich zum Wochenendstart nach draußen getraut haben. Ironie beiseite: Insgesamt verpufft das spannende Package heute Abend leider etwas in den lückenhaften Reihen.

09.11.2015

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