Mitochondrial Sun - Mitochondrial Sun

Review

Nicht wenige dürften ziemlich erstaunt gewesen sein, als DARK TRANQUILLITY-Gitarrist Niklas Sundin im Herbst 2019 das erste Album seines Soloprojekts ankündigte. Statt gewohnte Melodic Death Metal-Pfade zu beschreiten, sollte MITOCHONDRIAL SUN ein reines, soundtrackartiges Elektronik-Projekt sein. Die Idee spukte Niklas bereits seit den 90ern im Kopf herum, ebenso alt sind bereits einige der Songideen. Unterstützt wurde er dabei nicht nur von Anders Lagerfors, der sich auch um das Mixing der recht elektronischen Bonus-Tracks auf dem letzten DARK TRANQUILLITY-Album „Atoma“ kümmerte, sondern sogar von offizieller Stelle. Der Schwedische Kulturrat förderte Sundins ambitioniertes Projekt ebenfalls. Prüfen wir also, ob das Steuergeld aus dem hohen Norden gut angelegt wurde.

MITOCHONDRIAL SUN – Eingängig bis abgefahren

Den Start des Albums bildet „Ur Tehom“, dominiert von einer simplen, tieftraurigen Klaviermelodie, die aber genug Substanz hat, um die Nummer praktisch alleine tragen zu können. Die kraftvollen Synthesizer-Flächen ergänzen den Song, der stellenweise an die Titelmelodie der Netflix-Serie „Dark“ von APPARAT erinnert, um eine ordentliche Portion Dramatik. Auch in „Chronotopes“ übernimmt das Piano noch eine wichtige Rolle, das Cello steht allerdings im Vordergrund und versprüht eine mitreißende Melancholie. Der Drumcomputer, der erstmals zum Einsatz kommt, unterlegt die Melange mit einem zunächst ungewohnten, aber letztlich äußerst stimmigen Rhythmus. In „Braying Cells“ wird es dann das erste Mal richtig bedrohlich, eine düstere Maschinenwelt tut sich vor dem geistigen Auge auf – vielleicht aber auch nur die kalte Leere des Weltraums. Seltsam passend fügt sich das glockenhelle Hauptthema in dieses dunkle Soundbett ein und macht daraus ein weiteres, noch recht einfach zugängliches, geradezu eingängiges Stück.

Während „Stars Beneath The Sea“ erst einmal die Undurchdringlichkeit aber auch die Ruhe der tiefsten See zu vertonen scheint, gewinnt die Nummer in der zweiten Hälfte massiv an Fahrt und geht stellenweise sogar ein wenig in Richtung Synthwave. Mit „Nyaga“ wird es dann endgültig abgefahren – die bislang verzerrteste, noisigste Komposition wurde mutigerweise sogar als erste Single gewählt. Vorbei ist es mit jeglicher Eingängigkeit und die nervös pumpende Bassdrum tut ihr übriges für die hektische Grundstimmung.

Der längste Track der Platte „Celestial Animals“ ist dann bereits wegweisend dafür, in welche Richtung sich „Mitochondrial Sun“ in der zweiten Hälfte bewegt. Es wird deutlich ruhiger, wobei hier die bereits gewohnten Elemente Klavier und Cello noch einmal zum Einsatz kommen. Im weiteren Verlauf verwandelt der einsetzende Beat den bis dahin schwerfälligen Song in etwas seltsam beschwingtes, aber auch kaltes, technisches. Danach kommt das Album endgültig im Ambient an, kann dessen Facetten zwar recht gut abdecken, allerdings das Einschleichen von ein wenig Langeweile nicht gänzlich verhindern. Nur das Finale „The Great Filter“ vermag noch einmal etwas bedrohlicher daherzukommen und lässt den Hörer mit einem unbehaglichen Gefühl zurück.

Kopfkino mit ein paar Längen – „Mitochondrial Sun“

Eines sollte man in jedem Fall tun: Sämtliches bisheriges Schaffen des Herrn Sundin komplett ausblenden, bevor man den Play-Button drückt. Eine gewisse Offenheit, bestenfalls sogar ein Faible für Elektronic und Dark Ambient, erleichtert außerdem den Zugang zu MITOCHONDRIAL SUN. Die Songreihenfolge wurde recht geschickt gewählt – während besonders die ersten drei Tracks noch recht einfach zu verdauen sind, wird es nach und nach immer abgefahrener und geht vor allem verstärkt in Richtung Ambient. Von einem typischen Konzeptalbum mit fließenden Übergängen kann man hier nicht sprechen, da alle Songs in sich abgeschlossen sind und durchaus für sich stehen können.

So schaffen sie es, für sich genommen auch, eine bestimmte Atmosphäre und meist eine eher düster-beklemmende Stimmung zu erzeugen, wodurch sie sich als Soundtrack-Musik empfehlen würden. Als Musik, die das Kopfkino in Gang bringt, eignet sich das Album also allemal. Geht es aber darum, den Hörer zu packen und auf Albumlänge mitzunehmen, gelingt das nur bedingt. Besonders zum Ende verliert sich Sundin vielleicht ein wenig zu sehr in Ambient-Spielereien, deren geballtes Auftreten für einige Längen sorgen kann. „Mitochondrial Sun“ ist zwar ein vielversprechendes Debüt, Luft nach oben ist aber ebenfalls noch deutlich vorhanden.

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29.02.2020

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