Strapping Young Lad - SYL

Review

Offen gesagt, ich habe nicht mit einer weiteren Strapping Young Lad-Scheibe gerechnet. Vor allem, weil das letzte Studioalbum „City“ (abgesehen von der ’98-Livescheibe „No Sleep Till Bedtime“) schon ganze 6 Jahre zurückliegt und sich SYL-Mastermind Devin Townsend seitdem fast ausschliesslich seinen Soloalben gewidmet hat. Ausserdem war „City“ ein Meilenstein des modernen Metals, der kaum zu toppen sein dürfte. Ich war dementsprechend skeptisch, denn was sollte man von SYL anno 2003 erwarten?

Das Album legt mit gewohntem Devin-Townsend-Bombast los. Brachiale Gitarrenwand + Chor, eben eines von Devin’s typischen Trademarks. Das Intro „Dire“ geht fliessend über in den ersten Song „Consequence“. Sofort wird klar, daß Gene Hoglan’s berüchtigtes Doublebass-Dauerfeuer wieder einmal bestimmend über dem modernen Neo-Thrash-Geknüppel thront. Der Opener ist ein zäher Nackenbrecher, der durch den komplexen Songaufbau eher progressiver Kraftprotzerei als einem in akustische Signale umgewandelten Adrenalinschock ähnelt. Da braucht man schon ein paar Durchläufe, um die Klasse dieses Songs für sich zu entdecken. „Relentless“ hingegen schlägt mit seinem schnellen und gradlinigen Brett in die Kerbe von „City“. Doch leider ist dies auf dem Rest des Albums nicht der Fall. So hämmert „Rape Song“ knallhart aber überraschend ziellos durch die Walachei, während das midtempolastige „Aftermath“ und der wechselhafte Track „Force Fed“ konstruiert und zeitweise sogar langatmig anmuten.

Zum Glück lockern das punkig-rotzige „Dirt Pride“ und der Midtempo-Groover „Devour“ das ansonsten steife Knüppelkorsett auf. Bleiben noch die beiden Highlights: „Last Minute“, ein schneller aber melodischer Song, der aufgrund des eingängigen Gitarrenriffs im Ohr hängen bleibt. Der Rausschmeisser „Bring On The Young“ ist letztendlich DAS Highlight der CD. Ruhig doch stets bedrohlich baut sich der Song auf. Langsam wächst das Aggressionslevel über 5 Minuten bis der Hörer endgültig von einer Dampfwalze überrollt wird. Hier zeigt Devin mit seiner flexiblen und enorm strapazierfähigen Stimme zu was er imstande ist. Doch bei allem Licht und dem wenigen Schatten; kann das „SYL“-Album dem vorangegangene Meisterwerk „City“ das Wasser reichen? Meines Erachtens ist dies nicht der Fall. Das neue Songmaterial ist dafür zu berechenbar und lässt zudem das hymnische Element des Vorgängers missen. Darüberhinaus wurden die einstigen samplegeschwängerten Soundinfernos zugunsten des herkömmlichen Bandsounds minimiert, was in meinen Augen ein Verlust innerhalb des einzigartigen SYL-Sounds darstellt.

Kurzum: „City“ ist einfach in allen Belangen eine Liga über „SYL“ anzusiedeln. Trotzdem ist das neue SYL-Album eines der Highlights 2003, das nur an den enorm hohen Erwartungen scheitert.

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02.03.2003

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4 Kommentare zu Strapping Young Lad - SYL

  1. alarmist sagt:

    Dem ist nichts hinzu zu fügen! Geile Scheibe, die volle 10 Punkte verdient hat! 😀

    10/10
  2. Anonymous sagt:

    Ach, klar war City geil, aber hey… das war vor sechs Jahren! Ich find’s einfach geil, dass Devin nochmal so ne Scheibe rausgehauen hat. Und dieses Mal durfte ja die ganze Band an dem Album arbeiten. Strapping Young Lad sind einfach Kult und haben nach wie vor ihre ganz eigene Definition von fuckin‘ Heavy Metal. Die Songs rocken wie die Hölle, von Anfang bis Ende. Da sind ein paar Riffs dabei, die einfach nur genial sind und Genes Drumming ist einfach unglaublich. Die Jungs hatten einfach ne Menge Spaß und das hört man. "Consequence" und "Last Minute" sind meine Lieblingssongs auf dem Album. Bei letzterem hat HevyDevy sogar etwas mit Black Metal Gitarren experimentiert. Devin gehört für mich sowieso zu den besten Metal Sängern überhaupt. Und der Kerl ist erst 30!!! Hoffen wir, noch viele solcher Alben beschert zu bekommen!

    10/10
  3. amok sagt:

    Diese CD ist der reinste Dampfhammer, aber mit Köpfchen. Da wird nicht nur stilvoll losgeprügelt, sondern auch mal Pause gemacht und melodiös gewabert, bis es wieder rundgeht. Dieses Brett laß ich mir gern vor den Kopf knallen !

    9/10
  4. Sylverblack sagt:

    Meine erste Platte, die ich von Strapping Young Lad höre. Und am Anfang fühlte ich mich arg an den Kopf gestoßen. Schon ein Freund riet mir von den Townsend und Co. ab, sie seien einfach nicht gut. Und nach dem ersten Durchlauf die Frage: Wie kann einem sowas gefallen? Das ist Soundmischmasch pur, von "Musik" weit entfernt. Irgendwann später dann doch noch mal Lust gehabt, zu wissen, was viele so toll an der Band finden. Immernoch Sense. Am nächsten Tag aber wieder reingehört und wieder und wieder… Und irgendwann schimmerten Tonabfolgen durch, die einfach total klasse waren. Man hat das Gefühl "Scheiße, wenn das und das jetzt anders klängen, würde das überhaupt nicht mehr passen!". Und jetzt liebe ich die CD und höre sie gerne und oft. Der Übersong ist eindeutig "Force Fed", da stimmt einfach alles, aber auch "Consequence", "Relentless", "Aftermath" und vor allem "Last Minute" wissen zu gefallen. Auch "Devour" bleibt überdurchschnittlich, aber nicht so genial wie der Rest. Am durchschnittlichsten ist für mich "Rape Song", Parallelen zu den anderen Songs sind zwar zu erkennen, aber man hat einfach das Gefühl, dass da das Besondere fehlt. Und "Bring On The Young" ist der Song, der am am wenigsten zum Rest passt, sich aber schön aufbaut und gen Ende aggressiv rüberkommt. Fazit: Man kann gewiss sagen, dass Strapping Young Lad nicht jedermanns Sache ist, doch sollte man der Band auch eien Chance geben und dazu gehören mindestens 5 Durchläufe jeder CD. Ansonsten: Klasse Musik auf technisch höchstem Niveau.

    9/10