Thy Catafalque - Rengeteg

Review

Ich bin vor einiger Zeit mal gefragt worden, ob ich es für wünschenswert hielte, wenn auch größere Label öfter auf avantgardistische Kost aufmerksam würden. Meine Gegenfrage war sinngemäß, ob man den Term ‚Avantgarde‘ im Wortsinn überhaupt noch rechtfertigen könnte, wenn die Nachfrage einen Major-Deal zuließe.

Was hat das jetzt mit „Rengeteg“, dem neuen Album aus dem Hause THY CATAFALQUE, zu tun? Ich könnte mir vorstellen, dass Alleinunterhalter Tamás Kátai ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen, als es um die Zusammenarbeit mit Season Of Mist ging. Nicht umsonst haben wir schließlich hier bei metal.de die letzten beiden Alben THY CATAFALQUEs („Tuno Ido Tarlat“ und „Roka Hasa Radio„) im Rahmen unserer Kooperation mit avantgarde-metal.com präsentiert.

Nun also veröffentlicht das ungarische Solo-Projekt „Rengeteg“ – das übersetzt so viel wie ‚Eine Menge‘ bedeutet – über Season Of Mist; und die berechtigte Frage lautet natürlich „Was hat sich geändert?“ – Die Antwort – „So gut wie nichts“ – ist gleichzeitig beruhigend und ein wenig schade.

Im Effekt heißt das zunächst, dass all diejenigen, die (wie ich) „Roka Hasa Radio“ zu schätzen wissen, auch an „Rengeteg“ ihre Freude haben werden: Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen beiden Alben auf vielen Ebenen marginal. Das programmierte Drumkit ist dasselbe, der Gitarrensound ist zumindest sehr ähnlich, der gekonnte Gesang Tamás‘ und die warmen Synthesizer ebenso. Dies alles erzeugt ein Klangbild, wie es schon auf dem 2009er-Album zu hören war – damit aber nicht genug: Auch die charakteristischen Harmonien, die sich irgendwo zwischen osteuropäischer Folklore und orientalischem Touch bewegen, finden sich auf „Rengeteg“ wieder und verleihen den Songs das unverkennbare Trademark THY CATAFALQUEs.

In summa ist „Rengeteg“ also nicht unbedingt der logische Nachfolger „Roka Hasa Radio“s, sondern eher so etwas wie der große Bruder. Anders gesagt hat Tamás Kátai natürlich nichts falsch gemacht, indem er seinem Stil treu geblieben ist und in gewohnten Mustern gearbeitet hat. Ich persönlich vermisse jedoch den Mut, mit einem Label der Größe Season Of Mists im Rücken auch mal Neues auszuprobieren, andere Wege zu beschreiten. Das fand ich schon bei IMPERIUM DEKADENZ und ihrem „Procella Vadens“ ein wenig schade – bei einem avantgardistischen Projekt wie THY CATAFALQUE schmeckt der angelegte Sicherheitsgurt dann noch ein wenig bitterer.

01.11.2011

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 32061 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare