Todtgelichter - Schemen

Review

Galerie mit 14 Bildern: Todtgelichter - Live in Berlin

„Schemen“ heißt das neue Album der Hamburger Blackmetalkombo TODTGELICHTER. Auf Anhieb kommt mir da „Von Schemen Und Trugbildern“, das Debüt der GRABNEBELFÜRSTEN, in den Sinn. Primär liegt das am Namen, da der gemeinsame Nenner im Musikalischen bei den beiden Kombos schwer auszumitteln ist – eines jedoch haben beide Outputs gemeinsam: Sie zeugen von Eigenständigkeit und hoher Qualität. Boten TODTGELICHTER auf „Was Bleibt…“ noch ursprünglich rauen Black Metal, der zwar durchaus solide, allerdings in keinster Weise wirklich herausstechend war, begibt man sich mit „Schemen“ nun auf eine Reise in ausufernde Gefilde, herbeigezaubert von einem sehr ungewöhnlichen Instrumental. Ganz ehrlich, hätte mir früher jemand erzählt, dass die Band auf ihrem nächsten Album auf Piano, Saxophon und Didgeridoo setzen wird, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Auf „Schemen“ allerdings kommen sie allesamt zum Einsatz – man hätte es besser gar nicht wählen können.

Schon mit dem Opener, man verzeihe mir das platte Wortspiel, werden Impulse gesetzt. Eine sehr eingängige Gitarrenline, unterlegt von weiblichen Vocals, die eher als Instrument, denn als wirklicher Gesang, fungieren – später setzt dann auch noch das Schlagzeug ein, um das Gesamtbild zu komplettieren. Der Gitarrenpart in „Impuls“ hat durchaus den Charakter eines Hooks und ist gewissermaßen auch als musikalisches Thema zu verstehen, dazu später aber mehr. Der nächste Song begeistert mit harschen Vocals, feiner, sehr auf das Detail bedachter, Gitarrenarbeit und einigen rasenden Blastbeatparts. Nichts wirklich besonderes, aber sehr ansprechend. Ich könnte an dieser Stelle fortfahren, auf alle Songs der Platte im Detail einzugehen, da jeder seinen eigenen Charme hat, doch letztlich wäre das ein unnötiges Unterfangen. Stattdessen möchte ich zwei Songs herauspicken, die auf sehr ungewöhnliche Art und Weise begeistern. „Segen“ beginnt ruhig, fast schon trügerisch. Ein atmosphärischer Klangteppich gewoben aus langsamem Gitarrenriffing und Didgeridooklängen, später auch Drumming im Midtempo. Die besondere Atmosphäre, die durch den untypischen Anfang eingeleitet wird, zieht sich durch das gesamte Stück, auch wenn die Anfangs suggerierte Ruhe schnell schwindet. Stattdessen begeistert man gen Ende des Stücks mit fast schon infernalisch verzweifeltem Wechselgesang, respektive Geschrei. „Segne mich, so segne mich!“, das bleibt im Ohr hängen. Besondere Beachtung verdient auch „Aschentraum“, mit über zehn Minuten übrigens das längste Stück der Platte. Pianoklänge, schweifende Gitarren, bandtypische Screams und atmosphärisches Midtempodrumming bieten das Gerüst für einen starken Song, der durch seine Details zu etwas Bemerkenswertem wird. Detail ist hier zum Beispiel das Saxophon, das in ebendiesem Stück Verwendung findet. Das ist mir als Instrument, zum Beispiel im Jazz, ja generell sympathisch, im Black Metal findet es allerdings doch sehr selten Verwendung. Gut, die Franzosen LA RUMEUR DES CHAINES setzen auf Bläser, aber deren Jazz Black Metal geht in eine ganz andere Richtung als die Musik TODTGELICHTERs. Auf Blasinstrumente setzen auch die Ungarn SEAR BLISS, wobei mir der Gedanke kommt, dass Bands, die solche Instrumente einweben, generell sehr gute Musik zu spielen scheinen. Bei „Aschentraum“ jedenfalls ist das Saxophon sehr geschickt eingesetzt, melancholisch „singt“ es nebst sanften Gitarrenpickings und Flüstervocals. Bemerkenswert atmosphärisch.

Um noch mal auf „Impuls“ zurückzukommen: Das musikalische Thema findet sich in Schnipseln in diversen Variationen auf der gesamten Platte wieder, in „Der Beginn Des Endes“ – übrigens ein Gedicht Theodor Storms, was TODTGELICHTER da vertont haben – wird es fast eins zu eins übernommen. Das ist allerdings nicht unkreativ, sondern ein Geniestreich! Der Eindruck des Albums als homogene Einheit wird damit klar unterstrichen, zumal es der Atmosphäre recht zuträglich ist. Übrigens werden im letzten Stück wieder weibliche Vocals eingesetzt, was zu dem wehmütigen Gedicht Storms sehr passt. Mit „Schemen“ ist den Hamburgern ein bemerkenswertes Werk gelungen, das seine Beachtung finden sollte. Mal in rasendem Geknüppel, mal in ruhiger Melancholie präsentiert das Album sich als ungeschliffenes Juwel. Apropos ungeschliffen: Grund zur Kritik bietet stellenweise der Sound. Der ist zwar organisch und hat viel Charme, somit passt er im Grunde sehr gut zur Musik, doch stellenweise, gerade in den Hochgeschwindigkeitsparts, ist er etwas zu schwammig. Hier hätte man mit etwas mehr Druck, gerade hinter den Drums, noch glänzen können. Wenn man minimale Schwächen, wie etwa kleine Unzulänglichkeiten beim Sound und ab und an eine phasenweise Langatmigkeit der Songs ausmerzt, wird das nächste Album ein grandioses! „Schemen“ jedenfalls ist somit ein sehr gutes Werk, das starke acht Punkte verdient.

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03.06.2007

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