Todtgelichter - Rooms

Review

Galerie mit 14 Bildern: Todtgelichter - Live in Berlin

Seit Jahren sitzen TODTGELICHTER stilistisch zwischen den Stühlen, oder sind es doch Räume? Ursprünglich als Black-Metal-Band gestartet, ist von dessen stilistischen Elementen abgesehen von wenigen Screams, ab und an Tremolo-Picking der Gitarren und einigen Blast Beats auf dem inzwischen fünften Album „Rooms“ der Hamburger nichts mehr übrig. Dieser Weg zeichnete sich bereits mit „Angst“ ab, das ein wichtiger Schritt hin zur eigenen Bandidentität war, und mit dem letzten Album, dem vielbeachteten „Apnoe“, wurde endgültig sämtliche Genregrenzen gesprengt. TODTGELICHTER zeigen auf „Rooms“ eine Bandbreite von den bereits erwähnten Resten der Black- Metal-Wurzeln, Avantgarde, Ambient, Gothic Rock, melodischem Post Progressiv Metal mit einem Schuss Psychedelic. Alles stets melodisch und Gitarrenorientiert, mit tollen Synthesizerklängen, das Schlagzeug zurückgenommen, mit dem Fokus auf der Atmosphäre und sparsamen Motiven.

Zwischen den beiden letzten Alben gab es einige Veränderungen im Bandgefüge: Neu bei TODTGELICHTER sind Gitarrist Floris, Bassist Guntram und Organist Frieder. Inwiefern sich das auf „Rooms“ niedergeschlagen hat müssen wir noch im Interview klären. Sängerin Marta hat jedenfalls inzwischen den kompletten Gesang alleine übernommen und überzeugt mit ihrer unverwechselbaren, facettenreichen Stimme, von charakteristisch klar bis zu den schwarzen, wütenden Screams, welche allerdings nunmehr eher akzentuiert eingesetzt werden. Ansonsten setzt „Rooms“ stilistisch da an, wo „Apnoe“ aufgehört hat. Die fesselnden, intensiven Songs sind recht komplex gehalten, vielschichtig und fordern den Hörer mit ihren unvorhersehbaren, musikalisch geschickten Wechseln. Der Opener „Ghost“ ist schon einmal ein mächtiger Einstieg. Dezente Gothic-Einflüsse schimmern durch, düstere, schwere Gitarren, massives Schlagzeug und Gekeife, finstere Samples, zum Ende hin wird es hingegen epischer, sehr sphärisch mit Keyboard und viel Delay auf den Gitarren. Abrupt kommt im folgenden „Schrein“ nach einem kurzen Intro mit progriggem Rock-Gitarrensolo, dissonanten Melodien und treibendem Schlagzeug mit rasenden Blast Beats, dazu aggressive Screams, wobei TODTGELICHTER die Atmosphäre des Songs trotz aller Wildheit halten. Kurz eingehen möchte ich noch auf die beiden ruhigeren und gleichzeitig abwechslungsreichen Stücke „Shinigami“ und „4JK“, das von dunkler Elektronik durchsetzte, ungewöhnliche „Nekromant“ sowie mein persönlicher Favorit „Zuflucht“, dessen melancholischer Post Black Metal Ansatz mich an die früheren Errungenschaften von TODTGELICHTER erinnert, die Kirchenorgel (!) gegen Ende sorgt für Soundtrack-Atmosphäre. „Rooms“ ist unberechenbar und vielseitig, schaurig schön, in Sachen Produktion konnten sich die Hamburger auch nochmals steigern. Wer also eine Rückkehr zu den schwarzmetallischen Wurzeln von TODTGELICHTER erhofft hatte, wird von „Rooms“ ein weiteres Mal enttäuscht sein. Wer aber die musikalische Finesse und Vielschichtigkeit der letzten beiden Alben schätzt, der sollte sich unbedingt darauf einlassen, die Türen zu den „Rooms“ öffnen!

Bereits mit ihren vorherigen Alben hatten TODTGELICHTER Genregrenzen niedergerissen, mit dem eindrucksvollen, in den Bann ziehenden „Rooms“ setzt sich die Band aber endgültig an die Spitze der deutschen Progressiv-Post-Metal-Szene.

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10.02.2016

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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1 Kommentar zu Todtgelichter - Rooms

  1. Master sagt:

    Überraschend großartiges Album!
    Ich hatte immer mal ein Ohr für den ein oder anderen Todtgelichter-Song. Aber hier ist es erstmals nahezu durchgängig stimmig.
    Etwas progressiver, aber trotzdem kein Gefrickel und dadurch ist es auch sehr spannend zu hören.
    Manche Passagen, vor allem einige Gitarrenmelodien erinnern mich sehr an Agalloch, manches etwas an Agrypnie und wiederum anderes wieder ganz anders.
    Sehr empfehlenswert!

    9/10