Turmion Kätilöt - Global Warning

Review

Soundcheck April 2020# 17 Galerie mit 26 Bildern: Turmion Kätilöt - European Tour 2019 in Frankfurt/Main

Die Finnen TURMION KÄTILÖT sind ein ziemlich großes Ding in ihrer Heimat – einzelne Platzierungen an der Spitze der dortigen Charts sprechen für sich. Und nun setzen sie mit der Schützenhilfe von Nuclear Blast zum internationalen Frontalangriff an. Die Herren haben ihre eigene Antwort auf die Frage, was man angesichts der aktuellen Krisenlage unternehmen kann. Die Antwort lautet „Global Warning“. Dabei handelt es sich um ihr neuntes Album, in dem sich die Band in ihrem Elektro Metal austobt und die Tanzfläche der Disko eures Vertrauens – sofern diese in Finnland liegt, wo es noch so etwas wie Geschmack in den Tanzhäusern und den Charts zu geben scheint – zum Beben bringt.

Die finnischen Dauerbrenner TURMION KÄTILÖT wagen sich ans internationale Geschäft heran

Erwartungsgemäß herrscht eine wenn auch entfernte stilistische Verwandschaft zu Genregenossen wie PAIN, wobei TURMION KÄTILÖT etwas druckvoller, härter und näher an breitbeinigen Hardcore-Gewässern gebaut agieren. Ebenfalls heben sich die Finnen dadurch ab, dass sie auf „Global Warning“ ausschließlich in ihrer Landessprache singen. Das sorgt in den beschwingteren Momenten dafür, dass man den Eindruck bekommt als seien KORPIKLAANI verblichen und als synthetisch aufgemotzte Cyborgs zurückgekehrt. So klingen zumindest Kracher wie „Kuoleman Juuret“, welche die hymnischen Kapazitäten der Band zur Schau stellen.

Durchweg gefällt der enorme Druck, den die Band auf „Global Warning“ appliziert. Dadurch fahren die Songs ausnahmslos direkt ins Gebein. Die Finnen rocken hinsichtlich dessen sowohl ihre flotteren Banger der Marke „Naitu“ wie auch die schwereren Stampfer vom Schlage eines „Viha Ja Rakkaus“. Das Songwriting geht dabei keine Experimente ein und basiert üblicherweise auf einem Synth-Motiv, das zunächst vorgestellt und dann durch die metallische Komponente ergänzt wird. Die beiden Sänger Mc Raaka Pee und Shag U brüllen sich dann schön gegenseitig an, dass es eine helle Freude ist – vor allem, wenn sich beide dann in der jeweiligen Hook hymnisch vereinen.

„Global Warning“ unterhält nicht den Geist, aber den Körper

Die Finnen glänzen also vor allem durch Attitüde, die durch die kernigen Hardcore-Vibes und den durchgehend hoch gehaltenen Druck der Songs transportiert wird. Was den Sound perfekt gemacht hätte, wäre etwas mehr Zugänglichkeit, da Melodien abseits der Synth-Loops doch relativ sparsam eingesetzt werden und das Songwriting nicht die Komplexität inne hat, um das so ohne weiteres aufzuwiegen. Wenn die Melodien nämlich dann doch mal in den Vordergrund treten wie in der großartigen Hook von „Syvissä Vesissä“, dann herrscht absoluter Party-Alarm im Pit. Gleiches gilt für den ulkigen Rausschmeißer „Mosquito A La Carte (To be contiuned 5)“ mit seinen schmachtenden Melodien.

Das Versprechen der Presseinfo, dass TURMION KÄTILÖT eine hervorragende Liveband sind, nimmt man der Beschreibung bei diesem energetischen Sound der Herren gerne ab. Schade dass wir das dieses Jahr wohl nicht erleben werden und auf den praktischen Prüfstand stellen können, aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Bis dahin entschädigt „Global Warning“ als schöner Einstieg in das Schaffen der Band für das internationale Publikum. Die Songs sind nicht hunderprozentig rund geschrieben, haben aber dennoch ordentlich Feuer unterm Kessel. An Leidenschaft fehlt es den Finnen definitiv nicht. Wenn sie also schon nicht den Geist und das Herz unterhalten, so unterhalten sie doch alles andere umso besser.

18.04.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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1 Kommentar zu Turmion Kätilöt - Global Warning

  1. Dystopya sagt:

    „Die Songs sind nicht hunderprozentig rund geschrieben“
    Was zeichnet einen hundertprozentig rund geschriebenen Song aus?