Urfaust - Drei Rituale Jenseits Des Kosmos

Review

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Genie und Wahnsinn liegen in der Regel verdammt nah beieinander. Dass diese eiserne Regel Bands bzw. Projekte wie URFAUST aus dem Land der Wohnwägen, der Tulpen und Marijke Amado hervorzubringen vermag ist dabei die wohl mitunter glücklichste Fügung, die Anhängern schwarzen Metalls so widerfahren kann. Kaum eine andere Band hat es in so kurzer Zeit (knappe fünf Jahre liegen nun seit Bandgründung zurück) geschafft derart zu polarisieren und die Gemüter zu spalten, wie es das Duo aus Arnhem vorgemacht hat: Wo die einen beim bloßen Nennen von Songs wie “Drudenfuß” oder “Ragnarok Mystiker” eine nasse Hose bekommen halten sich die anderen vor lachen schwitzend die Bäuche. Die (bisher bevorzugte) Mischung aus schleppendem, simplen Black Metal gepaart mit einer krankhaft näselnden Stimme lud eben förmlich zur Kontroversität ein. Dass die Band allerdings auch Mut und Hang zum Experimentieren hat bewies man bereits auf ihrem zweiten Album, auf dem sich mit “Verflucht Das Blenden Der Erscheinung” ein Song befand, der durch Einsatz eines besonders krank wirkenden Synthesizers ein ungewohntes, ausgefalleneres Bild der Kombo aufwies.
Und nun liegt heuer mit “Drei Rituale Jenseits Des Kosmos” eine EP vor, die sich komplett diesen Stiles widmen soll und URFAUST erneut in ein anderes Licht stellt. Ein mehr als gelungenes Unterfangen, so viel kann ich vorweg nehmen.

Irgendwo zwischen depressivem Black Metal, Ambient und schmerzlichstem Doom bewegt man sich also auf der drei Stücke umfassenden Scheibe. Glaubt mir, wenn ich “schmerzlich” schreibe dann meine ich das auch so. Denn die Stimmung die das Duo auf “Drei Rituale Jenseits Des Kosmos” vertont, lässt sich vielleicht am ehesten mit genau diesem Attribut der Beklommenheit und Irritation beschreiben. Von einem roten Faden abschreckend kranker Samples (Kichern, Geflüster…) durchzogen wirkt das Ganze derart mächtig und doch verschroben, dass man streckenweise das Gefühl hat hier in einer Höhle herumzuirren und von mächtigem, furchteinflößendem Kopfkino geplagt zu sein. Die simpel gespielten Gitarren muten dabei entgegen des für Urfaust bisher untypischen Doom-Metal-Touchs nach wie vor, absolut erhaben an, der depressiven Grundstimmung zum Trotz! Das schaffte man bisher vielleicht nur mit “Dämmert, Gelähmt…” von der Split mit C.O.O., um einen wagen Anhaltspunkt an Vergleichen nennen zu können.

Eine weitere angenehme Neuerung im Sound von URFAUST ist auch das extrem dick produzierte, mächtig groovende Schlagzeug: Wo früher einst an mancher Stelle fälschlicherweise ein Drummer aus der Dose vermutet wurde beweist JB hinterm Drumkit spätestens mit dieser Leistung seine Fähigkeit als äußerst gefühlsbetonter, wenngleich dem Ambiente angepasster Schlagzeuger. Das Sahnehäubchen des Stils dieser MCD ist dann zu Guter letzt der in der Vordergrund gestellte Synthesizer: Ich habe selten, nein, noch nie, einen derart krankhaften, mal wirr jodelnden, mal unterstützend surrenden, widerlichen Sound gehört, der auch noch nahezu perfekt in das Gesamtbild passt. Ganz großes Tennis.

“Drei Rituale Jenseits Des Kosmos” stellt also, zumindest für mich, das mitunter Beste dar, was URFAUST bisher an Tonmaterial unter das Volk gebracht hat. Eine ähnlich wabernde Atmosphäre konnte bisher eventuell nur BLUT AUS NORDs “MoRT” in mir auslösen, wenngleich hier in keiner Weise musikalische Vergleiche an Land gezogen werden dürfen. Denn die Holländer bewegen sich durchaus im Bereich des Nachvollziehbaren, auch hier wird nur mit Wasser gekocht. Wenn allerdings eine solch schmackhafte Suppe das Endergebnis ist, dann bin ich einem Nachschlag sicherlich alles andere als abgeneigt!

25.08.2008

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1 Kommentar zu Urfaust - Drei Rituale Jenseits Des Kosmos

  1. Anonymous sagt:

    Den Vergleich mit "MoRT" darf man keinesfalls ernst nehmen, denn im Gegensatz zum Klogriff von Blut aus Nord kann sich "3 Rituale…" durchaus sehen lassen. Die Länge wurde in Anbetracht der monotonen Atmosphäre und des Fehlens eines riesigen Arsenals an punktuellen Einfällen für den effektverwöhnten Hörer mit einer EP genau richtig gewählt. Unbedingt anhören.

    8/10