The Dirt
Filmkritik zum Mötley-Crüe-Biopic

Special

Unbegründete Zweifel

Wer dank dem schlampigen Trailer skeptisch war, der kann bei „The Dirt“ nach wenigen Minuten aufatmen. Einfach alle Bandmitglieder sind so perfekt getroffen, wie man es sich von einem Film nur wünschen kann. Douglas Booth bringt sowohl den Enthusiasmus von Nikki Sixx als auch seine emotionalen Traumata perfekt rüber. Wenn er in einer Szene nach Jahren der Funkstille seine Mutter wiedertrifft und vor Wut in Tränen ausbricht, leidet der Zuschauer mit. Genauso kann man sich mit Sixx über alle Moment freuen, die ihn der seelischen Heilung näher bringen.

Entscheidend dafür ist seine Freundschaft zu Schlagzeuger Tommy Lee. Und gottverdammt geht Colson Baker alias Machine Gun Kelly in dieser Rolle auf. Der Rapper spielt Lee nicht, er ist für 107 Minuten der Schlagzeuger von MÖTLEY CRÜE. Vom Look über die Bewegungen, bis hin zu den stets überschwänglichen Gefühlen des Trommlers, füllt Baker seine Rolle mit so viel Leben, dass man hier keinen Schauspieler mehr vor sich sieht, sondern nur noch die Figur. Besonders in Erinnerung bleibt eine Szene, in der ein typischer Tourtag aus seiner Perspektive gezeigt wird – demoliertes Hotelzimmer inklusive.

Bild: Mötley Crüe - The Dirt Soundtrack (Artwork)

Der filmische Zwilling

Ganz ähnlich verhält es sich mit Iwan Rheon (Ramsay Bolton in „Game Of Thrones„), der Gitarrist Mick Mars verkörpert. Insbesondere mit Sonnenbrille sieht er seinem realen Gegenstück zum verwechseln ähnlich. Dass er im Gegensatz zu seinen Kollegen minimal besonnener ist und stets cool bleibt, macht ihn zum Ruhepol des Films. Rheon sorgt mit seiner Performance und den regelmäßigen Metakommentaren dafür, dass „The Dirt“ trotz seiner überzeichneten Rock’n’Roll-Exzesse auf dem Teppich bleibt.

Daniel Webber wiederum sieht Vince Neil leider kaum ähnlich. Doch transportiert er das Charisma des Sängers ziemlich gut auf die Leinwand. Am meisten glänzt er in den emotionalen Momenten. Wenn er am Krankenbett seiner Tochter sitzt und um ihr Leben bangt, fühlt man als Zuschauer ohne Umschweife mit.  Gleiches gilt für den  fatalen Autounfall 1984 mit dem durch Neil verschuldeten Tod von HANOI ROCKS-Schlagzeuger Razzle.

Die nötige Authentizität

Als weiteren großen Pluspunkt haben die Schauspieler einige ausgewählte Songs wie „Live Wire“ oder „Too Young Too Fall In Love“ gemeinsam eingeprobt. Das sorgt in den Konzertszenen, Studiomomenten und Proben der Band für die nötige Authentizität. Zudem zeigt sich daran die Liebe zum Detail, mit der das Team hinter „The Dirt“ an dem Film gearbeitet hat. Beim Schauen wird man das Gefühl nicht los, ein echtes Herzensprojekt aller Beteiligten zu sehen.

Wer auch nur im entferntesten an MÖTLEY CRÜE, ihrer Geschichte und Rock-Biopics generell interessiert ist, sollte sich „The Dirt“ nicht entgehen lassen. Wenn man es mit den Fakten nicht allzu genau nimmt, hat man von der ersten bis zur letzten Sekunde eine Menge Spaß. Zukünftige Biopics dieser Art werden es verdammt schwer haben.

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23.03.2019

"Irgendeiner wartet immer."

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