Mötley Crüe - The Dirt (Hörbuch)

Review

Mit dem Ende von GUNS N‘ ROSES ist sie ausgestorben, die Riege der Skandalfrocker, vor der keine Flasche Whiskey, kein Groupie und keine Droge sicher war. Neben den schon genannten GUNNERS gehörten auch AEROSMITH und MÖTLEY CRÜE zu den prominentesten Vertretern dieser Spezies von Rockstar. Letztere, die im Zuge ihrer Reunion wieder ein wenig monetäre Morgenluft geschnuppert haben, haben vor längerer Zeit ihre übertrieben wirkende, aber von grundauf ehrliche und schonungslose Biographie „The Dirt“ veröffentlicht, die jedes kleinste Detail vom ausufernden Sex, Drugs & Rock n‘ Roll-Lifestyle bis hin zu den privaten Tragödien aufdeckte.

Nun liegt „The Dirt“ den Lesefaulen unter uns auch als Hörbuch vor, gelesen von keinem geringeren als dem deutschen Kultschauspieler Ralf Richter („Bang Boom Bang“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“). Dessen dreckig-rauchige Stimme passt wunderbar zum Umfeld von Vince, Nikki, Mick und Tommy. Einzig seine englische Aussprache lässt zuweilen etwas zu wünschen übrig. Ansonsten bringt er authentisch die Stories von Alkohol, Sexpraktiken, Kokslinien, Speedballs und Heroinspritzen auf den Punkt.

Hiermit wären wir auch schon beim Manko dieses Hörbuches. Dass man die ausführliche Ausarbeitung der einzelnen Charaktere innerhalb der Band und ihres Umfeldes nicht innerhalb von vertonten 2 1/2 Stunden leisten kann, dürfte von vornherein klar. Dass sich jedoch dieses Hörbuch fast ausschließlich mit den Sex-, Alkohol- und Drogeneskapaden dieser Band und ihrer per Namedropping durchgegangenen Liste prominenter Kumpels befasst und dabei sensationsgeil die persönlichen Schicksale, die hinter jedem Tropfen Alkohol oder jeder Linie Kokain stecken, fast emotionslos unter den Tisch kehrt, ist ein wenig traurig.

Zwar werden durchaus Episoden wie Micks langwierige Krankheit, der von Vince verschuldete Tod des Sängers von HANOI ROCKS oder Nikkis familiären Komplexe angeschnitten. Genauso schnell wird ihre Aufarbeitung von der nächsten Anekdote, in der Alkoholkonsum eine Sexorgie nach sich gezogen hat, aber auch im Keim wieder erstickt. Einzig der steile Aufstieg Mitte der 80er und der tiefe Fall Anfang der 90er kommen relativ gut rüber, obwohl die Gründe dafür ebenfalls nur kurz angerissen werden.

Dreht und wendet man diese Doppel-CD, wie man will, so bleibt festzustellen, dass „The Dirt“ als Hörbuch durchaus für kurzweilige Unterhaltung sorgt, aber lieber auf Klatschpresseschlagzeilen über Exzesse setzt, als tiefgründig in die Materie einzutauchen. Leute, die wirklich an dem Innenleben dieser Band interessiert sind, sollten demnach ihren Lesemuffel überwinden und zum Buch greifen.

29.11.2006

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