Braincrusher Nuclear Winter Festival 2026
Der große Festivalbericht
Konzertbericht
Zum festen Kalendereintrag gehört seit Jahren alles, was aus dem Hause Braincrusher In Hell angekündigt wird. Mastermind Norbert Gareis hat nicht nur ein gutes Händchen für starke Billings, was seine Kreativität angeht, besitzt er einen muskelbepackten Arm (was auch außerhalb dieses Bildnisses stimmt). Insofern macht sich auch heuer wieder die metal.de-Stammbesetzung um Patrick Olbrich und Oliver Di Iorio auf den Weg nach Hirschaid um die kleinere Herbstausgabe, den Nuclear Winter zu erleben.
Beim Mittagsanstich im Gasthaus Kraus finden wir schnell einen Platz. Dieses Glück muss man nicht immer haben, wenn auf der anderen Seite des Main-Donau-Kanals die Pforten der Jahnhalle geöffnet werden und extremer Metal Einzug in die oberfränkische Kleinstadtidylle hält. Der Verdacht erhärtet sich, dass die diesjährige Edition des Braincrusher-Spin-Offs nicht mehr so gut besucht sein wird, wie die Jahre zuvor. Auch Gareis bestätigt, dass dieVorverkaufszahlen ihn nicht zu gerade zu einem Freudentanz veranlassen. Aber wir hoffen gemeinsam, dass Bands wie DESTRUCTION, CARPATHIAN FOREST und die bisher nur lokal angetretenen REIL OF VIOLENCE (so viel sei vorweg genommen: Wir können im Hinblick auf den morgigen Gig getrost das Phrasenschwein mit „Geil Of Violence“ füttern) kurzfristige Linderung verschaffen. (OD)
PAXTILENCE
„Diesmal hängt ihr nicht in der Schlange vor dem Eingang der Halle“, kommentiert Sänger Tobias Schwering mit Blick auf die „Nights Of The Possessed„, der inoffizielle Vorgänger des Nuclear Winter Festivals, das im Jahr 2022 einmalig zu Ehren von Siggi (HELLISH CROSSFIRE) ausgerichtet wurde. Damals hatten PAXTILENCE auch eröffnet, nur konnte kaum jemand dabei sein, da die Veranstalter nicht auf einen derartigen Ansturm vorbereitet waren. Am heutigen Freitagabend locken die schnittigen Klänge der Nürnberger nach und nach die ersten Anwesenden vor die Bühne. Auf die Ohren gibt es ganz klassischen Thrash-Metal im slayeresken Stil ohne Schnörkel und direkt auf die Kauleiste. Das funktioniert zum Einstand wirklich gut und stimmt mit deren bisher einzigen Album „Wildfire“ gut auf den ersten Festivaltag ein. (PO)
ANTIPEEWEE
Die bayrische Band gilt nicht nur laut Wikipedia als Sprössling einer wilden Liebesnacht zwischen Thrash und Crossover (= doppelter Crossover?) und gibt sich in der noch nicht gefüllten Jahnhalle souverän. Spielfreude ist bei Musik dieser Art sowieso vorhanden und wir lümmeln vor der Bühne herum und wollen uns trotz des stumpfen Bühnensounds gerne auf den restlichen Abend eingrooven. Gitarristin Cora kennt man mittlerweile auch aus genreübergreifenden Projekten wie ATLANTEAN KODEX und LUCIFER, der Gesang erinnert uns stark an einen gewissen Billy Milano. Gute Sache. (OD)
SVARTJERN
Die Norweger stellen eine Art All-Star-Konglomerat dar, immerhin setzt sich die Band aus Mitgliedern von CARPATHIAN FOREST, ENDEZZMA, URGEHAL und RAGNAROK zusammen. Allein dadurch entsteht im Backstagebereich eine veritable Partystimmung. Sänger HansFyrste ist das ganze Wochenende am Start und setzt seine verstörenden bis komisch wirkenden Bewegungen auch abseits der Bühne fort. Musikalisch bieten SVARTJERN genau das, was das Prädikat „True Norwegian Blackmetal“ verspricht, mehr aber auch nicht. Insofern reiht sich die Combo in eine lange Liste der atmosphärischen Corpsepaint-Träger:innen ein, was nicht gerade langweilig ist, wir den Auftritt aber trotzdem im Sitzen beiwohnen. (OD)
MORTEM
Um die Norweger von MORTEM rankt sich ein gewisser Kultstatus. Schließlich soll man im Jahr 1991 sowas wie die Vorgängerband von ARCTURUS gewesen sein, auch wenn beide Projekte schon zu dieser Zeit gleichzeitig existierten. Ursprünglich verwurzelt im Death Metal, spielt das Quartett hier dennoch die reinrassigste Black-Metal-Show des Abends, und das obwohl symphonische Elemente auf den beiden Alben „Ravnsvart“ und „Mørketid“ ebenfalls eine zentrale Rolle einnehmen.
In tiefen Nebel gehüllt und mit einem Stachelknüppel, der sich geschwungen immer mal wieder einen Weg durch die Schwaden bahnt, bewaffnet, legen sich die hohen Screams von Sänger Marius Vold über die flächigen Arrangements, die leider nicht immer die erhofft eiskalte Atmosphäre generieren können. Häufig rifft das statische Konstrukt etwas ausdruckslos vor sich hin, ohne Tiefgang zu erzielen, sodass der Auftritt insgesamt zu einer zähen Angelegenheit wird. Im Ideallfall sollte nämlich gar nicht auffallen, dass die Skandinavier ein paar Minuten überziehen – tut es aber. (PO)
EXUMER
Ein ganz anderes Energielevel legen die Frankfurter von EXUMER an den Tag. Mit „Death Mask Messiah“ haben sich die Südhessen im deutschen Thrash Metal wieder in erster Reihe ins Gespräch gebracht. Da Neudrummer und eines der schlagenden Herzen der Band, Jerome Reil, mit seinen vielen anderen Projekten sehr eingespannt ist und Sänger Mem von Stein inzwischen in den USA lebt, sind die Auftritte des Quartetts rar gesät. Umso schöner, an dieser abendlichen Machtdemonstration Teil haben zu dürfen.
Eine gute Handvoll Songs präsentiert natürlich die neuste Abrissbirne der Band, doch auch das Debüt „Possessed By Fire“ (40 Jahre!) kommt mit seinem monströsen Riffmassaker irgendwo zwischen Teutonen-Deutschland und der US-Westküste nicht zu kurz. Im Laufe der Show erarbeiteten sich die Tagessieger einen der größten Moshpits der Jahnhalle in den letzten Jahren und die Band hat sichtlich Spaß, den Antreiber zu spielen. Immer wieder zückt von Stein das Handy und hält energetische Momente im Publikum fest, während Reil hinter den Kesseln mit Uhrwerkspräzision und massiver Tightness Druck macht. Papa Ventor hält nach dem Gig von der Seite treffend fest: „Einfach geil!“. (PO)
CARPATHIAN FOREST
Aus gesundheitlichen Gründen war schon vergleichsweise früh klar, dass DESASTER ihren geplanten Headlinergig auf dem diesjährigen Nuclear Winter Festival nicht würden wahrnehmen können. Als die Norweger CARPATHIAN FOREST als Ersatz verkündet wurden, wurde das überwiegend positiv aufgenommen. So ein richtig starkes Album hat die Band schon lange nicht mehr aufgenommen und der eine oder andere pokerte dabei wohl eher im Sinne des Katastrophentourismus mit einem peinlichen Auftritt von Nattefrost mit Jogginghosen und Plastikbrüsten. Kurz gesagt: Zum Fremdschämen ist hier heute nichts und CARPATHIAN FOREST füllen ihren Headlinerspot würdig aus.
Der Chef ist in eine schwarze Robe gehüllt und klammert sich während der kompletten Show an sein obligatorisches Kreuz. Zu Beginn mag man vielleicht noch denken, dass das Arsenal an punkiger Black-Metal-Attitüde mit dissonanten Stumpfriffs recht schnell erschöpft sein würde, doch im Laufe der Zeit verbeißt sich das Gesamtbild immer tiefer. Fraglos gibt es hier für Feingeister nichts zu gewinnen, doch die Norweger bilden eine schwer zu greifende Anziehungskraft heraus, die sich ganz zentral aus ihrer Fuck-Off-Haltung heraus speist. Da sitzt das THE CURE-Cover „A Forest“ nach etwa zwei Drittel der Show genau richtig, um noch einmal die Tanzbeine durch die Schatten zu lenken, bevor es mit Songs wie „Bloody Fucking Nekro Hell“ barbarisch in Richtung Endphase geht. (PO)
TSATTHOGGUA
BDSMBM kannten die Kids aus den 90ern eigentlich nur von den finnischen Frohnaturen um Mika Luttinen (IMPALED NAZARENE), mittlerweile hat sich ein ganzes Sub-Sub-Genre daraus gebildet. Zur vorgerückten Stunde dürfen diesbezüglich die NRWler von TSATTHOGGUA ran, einer Band, die im übrigen auch schon seit mehr als 25 Jahren existiert. Musikalisch ist hier die Trennlinie zur finnischen Variante strikt gehalten, denn von der Bühne hallen weniger punkige, als viel mehr todesbleiige Vibrationen. Das ist schon cool, auch wenn die Location sich wie immer zum After-Headliner-Slot deutlich leert und viele Besucher:innen die Cocktailparty im ersten Stock der Jahnhalle aufsuchen. Derweil rufen TSATTHOGGUA alleine durch ihre optische Präsenz den „Club Mondo Bizarre“ aus, hekteln mit ihrem hyperschnellen Sound aber etwas zu dolle herum, als dass wir die Show bis zum Ende durchhalten würden.
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Patrick Olbrich































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