In Extremo
"Unser Herz schlägt links!"

Interview

IN EXTREMO: “Oh mein Gott, das können wir doch nicht bringen“ – na klar können wir das bringen!

metal.de: “Gogiya“ ist eine grandiose Nummer zusammen mit RUSSKAJA. Ich frage normalerweise ungern nach dem Inhalt eines Textes, hier mache ich aber mal eine Ausnahme. Wer oder was ist Gogiya? Ein Ort, eine Frau, ein Gefühl?

Micha. Gogiya ist ein Gebiet in Kaukasien, ehemalige Sowjetrepublik. Es wird einfach die Schönheit des Landes beschrieben. Ursprünglich ist es ein altes Volkslied. Die Übersetzung des Textes konntest du aber nicht nehmen, das waren zu viele Blumen. Wir haben daher einen Text dazu geschrieben, wie wir es empfinden. Den russischen Refrain haben wir allerdings gelassen. Wir haben uns dann auch mit Georgij von RUSSKAJA ausgetauscht. Er ist Russe und versteht die Übersetzung, sodass es alles Hand und Fuß hat.

Basti: Im Grunde ist “Gogiya“ ein kleines Heimatlied für dieses schöne Gebiet. Dann war es natürlich naheliegend, mit Georgij von RUSSKAJA was zu machen. Das ist ja auch eine befreundete Band. Sein Part gab dem Lied nochmal einen richtigen Schub. Es gab zunächst die ersten Mixe, aber dann kam Georgij noch dazu. Es war wie eine Tür, die nach oben aufging. Das ist wunderbar geworden!

Micha: Wenn wir den auf einem großen Festival live spielen, dann kann ich die Staubwolke schon sehen! Und Mille macht dann seine “Wall Of Death“!

metal.de: Neben RUSSKAJA habt ihr auch mit Johan Hegg von AMON AMARTH zusammengearbeitet. In der Vergangenheit waren u.a. schon Hansi Kürsch von BLIND GUARDIAN, der Graf von UNHEILIG oder HEAVEN SHALL BURN zu Gast bei IN EXTREMO. Gibt es da noch offene Wünsche für künftige Zusammenarbeiten? IRON MAIDEN, SUBWAY TO SALLY oder SCOOTER vielleicht?

Micha: Von den dreien würde ich auf alle Fälle SCOOTER vorziehen. Der ist einfach Kult, der Typ! Ich habe ihn persönlich ein paar Mal getroffen. Das ist ein richtig angenehmer Zeitgenosse.

Basti: Das kann ich bestätigen, ich war dabei. Der ist wirklich ein feiner Kerl. Aber wenn du nach Bands fragst, mit denen wir vielleicht mal was machen würden – die Frage kommt öfter mal. Micha sagt an der Stelle immer, dass er UDO LINDENBERG total toll finden würde. Aber dann gibt es auch Bands wie FILTER, mit denen ich mal Lust hätte, etwas zu machen. Ich hätte auch Lust mit DEICHKIND, BLACKSTONE CHERRY, SKINDRED – ach da gibt es so viele Leute. Wir haben ja auch zum Beispiel mit PRONG etwas zusammen gemacht. Da singt Tommy Victor mit, den du gern dankend erwähnen darfst. Dann schick ich ihm den Artikel mal zu. Ach, wen gibt es denn da noch? Wir haben mit so vielen Bands schon zusammengearbeitet und es hat immer Spaß gemacht.

Micha: Wir haben ja immer Songs mit Leuten gemacht, mit denen keiner gerechnet hat. THOMAS D, REA GARVEY, Marta von DIE HAPPY – es gibt so viele Leute. SILBERMOND, RANDALICA und GÖTZ ALSMANN haben Stücke von uns gecovert. Es muss natürlich immer passen. Bei Johan hat es natürlich auch gut gepasst, da wir uns von den Festivals kennen. Vor zwei Jahren haben wir ihn dann mal angesprochen. Da meinte er: “Na klar, da mach ich mit!“ Sowas macht man auch nicht über das Management. Das haben wir noch nie gemacht. Man lernt sich kennen und entweder stimmt die Chemie oder sie stimmt nicht. Und wenn du nach SUBWAY oder so fragst, wäre das ja Quatsch. Die machen doch auch Musik in Richtung Folk Metal, das machen wir ja selber. Wir finden es gerade interessant Leute zu nehmen, mit denen keiner rechnet.

metal.de: “Reiht Euch Ein Ihr Lumpen“ ist ein herrliches Trinklied, das neben ernsten und melancholischen Tönen auch immer schon zu IN EXTREMO gehört hat. Nun eine Frage, die ich auch an FEUERSCHWANZ gestellt habe – Wie schwierig ist es nach 25 Jahren Bandgeschichte noch ein originelles Trinklied zu schreiben?

Micha: Ach, der ging eigentlich ziemlich flüssig von der Hand. Wir saßen dann mit mehreren Leuten da und jeder hat noch eine Textzeile beigesteuert. Es gibt ja unter anderem die Zeile: “ In Obstgärten an Pflaumen lecken“, bei der es dann hieß: “Oh mein Gott, das können wir doch nicht bringen“ – na klar können wir das bringen! Es ist schon lustig. Man muss dazu aber sagen, dass wir auch “Sternhagelvoll“ haben, der für mich die eigentliche Trinkerhymne ist. Aber die nehmen sich natürlich nicht viel.

Basti: Es ist natürlich schwierig, denn es kommen immer neue Songs dazu. Jetzt sind es zwölf an der Zahl. Ich muss auch von mir aus sagen, dass ich den Song total cool finde. Es ist ein schöner Partysong, der live eigentlich funktionieren würde. Die Frage ist aber, ob wir den dann auf der Tour spielen würden, wenn wir denn spielen dürfen. In der Setlist ist natürlich nur begrenzt Platz und Klassiker wie “Sternhagelvoll“ müssen wir natürlich auch immer spielen. Es wird immer schwieriger.

metal.de: Ihr habt für die Tour, die nach aktuellem Stand im Oktober stattfinden wird, eine Setlist-Aktion über Spotify gestartet. Werdet ihr demnach (neben den neuen Liedern) nur die Favoriten der Fans spielen?

Micha: Wir hatten vor ein Best Of zu machen. Die Leute haben ganz gut gevotet und das stimmt auch mit dem überein, was wir so wollen. Natürlich spielen wir ein Best Of, aber es wird, wie Basti eben sagte, immer schwieriger und du kannst es nie jedem recht machen. Wir versuchen es und handeln nach bestem Gewissen.

Basti: Die Tour machen wir natürlich zur “Kompass Zur Sonne“-Platte. Das steht an vorderster Front. Klar spielen wir da fünf oder sechs Songs von der neuen Platte. Zum Glück haben wir ja aber auch unsere Burgentouren, auf denen wir viel mehr alte Songs spielen oder auch Songs, die wir lange nicht gespielt haben. Da haben wir also die Möglichkeit, ein ganz anderes Programm zu spielen oder zumindest andere Klassiker reinzunehmen.

Micha: Aber egal, welche Setlist wir spielen – ein Hit nach dem anderen!

metal.de: Im Juli und September sind aktuell noch die angesprochenen vier Burgen-Shows unter dem Motto “25 wahre Jahre“ geplant. Ist es aus eurer Sicht realistisch, dass diese Konzerte stattfinden werden oder ist bereits eine Verlegung in Planung? [Anmerkung: Das Interview fand wenige Stunden nach Bekanntwerden der Verlegung statt.]

Micha: Wir haben es heute auf unseren Seiten überall bekanntgegeben, dass drei Shows ins nächste Jahr verlegt wurden und es nur eine Show gibt, die aktuell noch stattfindet. Das ist am 19. September auf der Burg Satzvey. Das ist die Hoffnung, die wir noch haben. Wir können hier nichts mit Genauigkeit sagen, denn ess kann auch sein, dass es drei Wochen vorher heißt, dass die Show doch nicht stattfindet. Uns sind die Hände gebunden, wie jedem anderen auch.

Basti: Wir geben die Hoffnung nicht auf.

Micha: Wir wissen ja noch nicht mal, ob die Konzerte im Oktober stattfinden können, immerhin wurde auch das Oktoberfest abgesagt. Es hängt alles in der Luft. Das ist eigentlich richtige Scheiße.

Basti: Wir bleiben optimistisch, aber wir müssen schauen. Gesundheit geht nun mal vor.

metal.de: Drei eurer Alben landeten bislang auf Platz 1 der Albumcharts. Bedeutet euch das nach all den Jahren noch etwas, macht ihr euch vielleicht sogar ein wenig Druck deswegen?

Micha: Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, dass wir nicht darauf gucken. Es ist aber nicht so gezwungen. Es hört sich vielleicht doof an, aber wir sind jetzt zeitgleich mit ANDREA BERG rausgekommen. Was meinst du, wie viel die im Schlagergenre verkaufen. Das ist unglaublich. Auch NICO SANTOS hat jetzt veröffentlicht, den du 30.000 Mal die Woche im Radio hörst. Wir lassen uns echt überraschen. Wir haben treue Fans und mal sehen was passiert. Wenn es eine fünf wird, bin ich beleidigt, aber alles andere ist in Ordnung.

Basti: Das sehe ich auch so. Natürlich gucken wir drauf und es ist eine Wertschätzung unserer Arbeit, wenn es passiert. Aber wie Micha schon meinte, ANDREA BERG ist eine lebende Legende und in NICO SANTOS wird richtig reingepumpt. Wir sind dankbar, wenn es passiert, aber ich empfinde keinen höheren Druck als bei anderen Platten auch.

Micha: Am nächsten Montag habe ich Geburtstag! Das wäre doch mal ein Geburtstagsgeschenk oder?

metal.de: Zum Abschluss eine Klassiker- oder Klischeeinterviewfrage. Welche Interviewfrage wurde in all den Jahren IN EXTREMO noch nie gestellt, die ihr schon immer mal beantworten wolltet?

Basti: Ach du Scheiße!

Micha: Umgekehrt hätte ich sie dir beantworten können, aber so rum nicht! Ah doch! Mich hat noch niemand gefragt, ob wir auf dem Fell schlafen!

metal.de: Na dann – schlaft ihr auf dem Fell?

Basti: Oh die Frage hat aber noch niemand gestellt!

Wir bedanken uns bei Micha und Basti für das herrlich spaßige Interview und wünschen IN EXTREMO viel Erfolg mit der neuen Platte!

Galerie mit 26 Bildern: In Extremo - Carpe Noctem Burgentour 2019 in Hanau

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13.05.2020

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13 Kommentare zu In Extremo - "Unser Herz schlägt links!"

  1. nili68 sagt:

    >Wir nennen das Kind hier auch beim Namen.. Das Kind kann man wirklich beim Namen nennen.<

    Der weise Konfuzius meint dazu: "Tell me more."

  2. Steppenwolf sagt:

    Wenn man mit der Musik schon nicht überzeugen kann, dann muss man sich eben auf eine andere Weise seine Anhängerschaft suchen. Da kommt die AFD natürlich sehr gelegen… solche lappen, ehrlich!

    1. Steppenwolf sagt:

      Und nun, steinigt mich xD

      1. royale sagt:

        macht man sowas als AfDler nicht selber?

      2. nili68 sagt:

        Wieso geht’s denn jetzt hier um die AfD? Ich fand nur die Ausdrucksweise lustig, alles beim Namen nennen zu wollen.. lol

      3. Cynot sagt:

        Warum so aggressiv? Hat dir wer ins Müsli gekackt?

        InEx sind so lange im Geschäft und haben denke ich genügend Anhänger, sodass sie sich nicht durch AfD-Bashing profilieren müssen.

      4. Steppenwolf sagt:

        @Cynot das glaub ich nicht xD

  3. Steppenwolf sagt:

    Ich bezieh mich nur auf das bekackte interview einer bekackten Band…. kaum der rede wert.
    Die habens halt genauso nötig wie die bekackten Toten Hosen und sind auch genauso schlecht wie die.

    1. BlindeGardine sagt:

      Naja zumindest dich scheinen sie damit ja voll erwischt zu haben 😉

    2. royale sagt:

      aber beschäftigt dich schon etwas 😉

    3. nili68 sagt:

      Das Interview ging doch gar nicht explizit um die AfD, sondern auch um amerikanischen Imperialismus.

      1. BlindeGardine sagt:

        Naja im vorletzten Absatz äußert er sich halt zur AFD und benennt sie als die Nazis, die sie nunmal sind. Das reicht für manche scheinbar um auszuticken.

      2. nili68 sagt:

        Ich wollte gerade etwas dazu schreiben, aber da mein Kommentar eingangs nur ein flappsiger Unkenruf von den billigen Plätzen war, will ich das nicht weiter aufblasen.. lol