Rage
Peavy plauderte mit uns über die Geschichte der Menscheit

Interview

Warum wolltet Ihr überhaupt wieder mit zwei Gitarren arbeiten? Als Trio haben RAGE doch eigentlich super funktioniert…

Das war eine komische Sache. Ich hatte ja sehr lange mit Victor Smolski (Gitarrist der Band zwischen 1999 und 2015, Anm. d. Red.) zusammengearbeitet. Für ihn stand es nie zur Debatte, dass ein zweiter Gitarrist bei RAGE spielen würde. Insofern war das über einen langen Zeitraum gar kein Thema mehr und ich hatte die Möglichkeit mit zwei Gitarren zu arbeiten komplett aus den Augen verloren. Ich hatte mich so an das Format Trio gewöhnt, dass ich an weitere Optionen nicht mehr gedacht habe. Allerdings haben wir uns in den letzten fünf Jahren mehr an den 90ern orientiert, als wir mit zwei Gitarren gespielt hatten und diese Songs auch verstärkt ins Live-Programm aufgenommen. Marcos musste dann die entsprechenden Passagen immer für eine Gitarre neu arrangieren. Irgendwann ist der Groschen dann aber gefallen (lacht).

Für mich ragt auf “Resurrection Day” besonders der Song “Arrogance And Ignorance” heraus. Der Track ist super aggressiv und bietet gerade stimmlich eine schöne Abwechslung. Welche Idee steckt dahinter?

Es geht darum, dass wir Menschen so arrogant sind zu glauben, wir seien die Krone der Schöpfung und dabei alles um uns herum ignorieren. Das hat uns an einen Punkt gebracht, an dem die Natur zurückschlägt und wir vor den Trümmern des Planeten stehen. Das wird besonders in der zweiten Strophe deutlich, in der ein junger Mann vor seinem brennenden Haus sitzt und es ihm wie Schuppen aus den Haaren fällt, dass er besser früher mal nachgedacht hätte. Musikalisch war das ja schon seit längerem so ein Reiz bei RAGE, aggressive und thrashige Elemente mit hymnenhaften Melodien zu verbinden. Das ist in diesem Song schön gelungen, wie ich finde. Es ist übrigens auch nicht das erste Mal, dass ich growle. Richtig draufgeschafft habe ich mir diesen Gesangsstil auf der “21” mit dem Song “Serial Killer”.

Wollt und könnt Ihr die orchestralen Elemente mit auf die Bühne nehmen?

Also wir können natürlich nicht bei jeder Show ein Orchester dabeihaben. Wir werden das machen, wie auch in der Vergangenheit schon des Öfteren. Wenn sich die Gelegenheit bietet, treten wir tatsächlich mit einem Orchester auf und werde die Stücke richtig live spielen. Das haben wir früher schon öfter mal auf Festivals gemacht. Auf eine komplette Tour kann man aber kein Orchester mitnehmen, dass wäre logistisch und auch von den Kosten her nicht machbar. Wir sind ja nicht METALLICA (lacht). Aber selbst die würden das wohl nicht machen (lacht). Ansonsten werden die Passagen dann vom Band kommen, man will die Songs ja nicht nicht spielen.

Ihr habt diesen Sommer unter anderem auf dem Rock For Animal Rights-Festival gespielt. Habt Ihr einen persönlichen Bezug zu dem Thema?

Eher weniger. Natürlich stehe ich der Schöpfung insgesamt schon sehr nahe und finde es auch wichtig, dass wir unsere Mitwesen nicht alle ausrotten. Auch sollten wir unsere Nutztiere deutlich besser behandeln. Bei Rock For Animal Rights geht es aber nicht um Tierschutz-Projekte sondern tatsächlich mehr darum, dass Tierrechte in der Gesetzgebung verankert werden. Aber in jedem Fall war es für uns auch ein wichtiges Statement.

Was steht als nächstes an?

Für November/Dezember haben wir eine Europa-Tour gebucht. Davor gibt es vereinzelte Gigs, wie zum Beispiel eine Bootstour auf dem Bodensee und ein Festival in der Eifel. Bis jetzt steht noch alles und hoffentlich bleibt es dabei. Aber in den heutigen Zeiten kann sich innerhalb von zwei Wochen ja alles noch einmal ändern. Je nachdem, wie sich die Lage entwickelt, haben wir aber auch die Option für eine Tour-Verschiebung. Aber egal was passiert, keine der Shows wird ersatzlos gestrichen, denn wir haben für jeden Termin auch einen Ersatztermin nächstes Jahr geblockt. Trotzdem wäre es toll, wenn sich die Fans Tickets besorgen, weil man sonst überhaupt nicht kalkulieren kann. Speziell für die örtlichen Veranstalter ist das natürlich wichtig. Eine Show und eine Tour müssen halt auch wirtschaftlich bleiben.

Die Musik- und Kunstszene war ja von Beginn an gearscht. Wir waren die ersten die nicht mehr arbeiten konnten und werden auch die letzten sein, die wieder normal arbeiten können. Auch für die Fans tut mir das total leid, es ist halt für alle eine beschissene Situation. Man muss es auch deutlich für alle, die immer noch zögern sagen: Ohne Impfen werden wir da nie rauskommen. Wenn Ihr Konzerte sehen wollt, dann lasst Euch impfen.

Weil wir gerade bei Livemomenten sind: Erzähl uns doch bitte von Deinem schönsten Erlebnis auf der Bühne…

Oh, da gibt es natürlich deutlich mehr als eins. Aber ganz besonders war unsere erste Show mit einem Live-Orchester. Das war auf der Burg in Kufstein, wo wir auf einer BMG-Tagung zusammen mit Künstlerinnen wie Chaka Khan aufgetreten sind. Wir durften dann als letztes auf die Bühne. Im Dunkeln mit Fackeln überall und in diesem Ambiente mit Orchester… Das war schon sehr herzerwärmend.

Oder auch die erste Japan-Tour. Wir waren zuvor noch nie in diesem Land gewesen und das war schon ein ziemlicher Kulturschock. Wir spielten eine Show, die schon nachmittags um 17 Uhr beginnen sollte. Da standen bereits 3.000 völlig ausrastende, kreischende Schulmädchen in Uniformen und mit Zöpfen. Die haben uns begrüßt, als seien wir die BACKSTREET BOYS. Das werde ich auch nie vergessen (lacht).

Vielen Dank für Deine Zeit und ich wünsche Euch alles Gute.

Sehr gerne, danke für Eure Unterstützung. Und viele Grüße an alle Fans und die Leser.

Galerie mit 11 Bildern: Rage - Rock For Animal Rights 2021

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15.09.2021

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