
Braincrusher In Hell 2026
Der große Festivalbericht
Konzertbericht
Schöne Traditionen soll man pflegen, so lange sie nicht zur nervigen Verpflichtung werden. Darum treffen wir uns für einen Frühshoppen beim Gasthof Kraus, wo es neben leckerem Bier aus dem Steinkrug viel zu lachen gibt. Immerhin lassen wir den gestrigen Abend Revue passieren und treffen auf einige Hangover-geplagte Mitstreier:innen, die zu lange und zu tief die Longdrink-Karte studiert haben.
AIMLESS DEATH
Mit AIMLESS DEATH gibt es dann erneut eine lokale Band, die bereits seit der Jahrtausendwende musiziert, aber erst 2024 ein komplettes Album veröffentlicht hat. Ihre knackige Death-Mischung mit leichter Thrash-Schlagseite geht ordentlich zur Sache und sorgt auf der Bühne mit fettem Sound für straffe Action. Mit im Gepäck haben sie die brandneue Single „Bloodlust”, die ordentlich ballert und den aktuellen Stil der Band gut einfängt. Als Motivationsinitiation mit Nackenmassage und dem ersten Gerstensaftgurgeln geht die Musik jedenfalls gut rein. (OS)
NAXEN
Frühzeitig geht es am Samstagmittag wieder in die tiefen Nebelfelder, als die Münsteraner NAXEN die Bühne betreten und diese in einen tiefen Schleier hüllen. „Descending Into A Deeper Darkness“ ist nicht nur der Titel des aktuellen Albums der Band, sondern als Banner für den Start in den Festivalsamstag auch gewissermaßen wörtlich zu nehmen. Schließlich gelingt es den Nordrhein-Westfalen mit ihren sowohl hypnotisch schleppenden als auch treibenden Passagen, das eine oder andere Schlenkerla in den Gläsern zum Stocken zu bringen. Ohne viel Interaktion, lassen NAXEN einfach nur Black Metal sprechen und schaffen es zu sehr früher Zeit bereits eine ansehnliche Ansammlung an Interessenten in der Jahnhalle zu versammeln. (PO)
IMPURITY
Wenn es um Stockholm-Death-Metal geht, sind IMPURITY praktisch die Entdeckung 2025. Die blutjunge Band mimt den bestialischen Gesang von Nicke Andersson und die sägenden Gitarren von DISMEMBER derart gekonnt, dass wir mit dem Fabulieren um die Zukunft der Jungspunde gar nicht aufhören können. Sicher – der Ideenreichtum im Songwriting und die durchaus anspruchsvollen Partytricks an den Instrumenten, lassen die Musiker teilweise etwas hölzern auf der Bühne wirken. Aber das wird sich mit ein paar Jahren Liveerfahrung noch legen. Ansonsten spielen IMPURITY die Songs vom Debütalbum „The Eternal Sleep“ blitzsauber, der Sound ist manchmal aber noch ein bisschen brüchig. In jedem Fall erfüllt die Band die hohen Erwartungen und wir freuen uns auf mehr von der jungen Truppe. (OD)
FRAGMENTS OF THE UNBECOMING
Nach ihrem letzten Auftritt vor zehn Jahren kehren FRAGMENTS OF THE UNBECOMING aufs Braincrusher zurück. Die Band hat im letzten Jahr mit dem siebten Album „Dawnbringer” ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert und bietet weiterhin gnadenlos guten, verspielten Melodic Death Metal mit schwerer Schweden-Schlagsaite. Auch wenn Gitarrist Sascha aus gesundheitlichen Gründen auf einem Stuhl sitzt, gibt er alles, um die energetische Show der anderen Bandmitglieder zu unterstützen. Die Setlist fokussiert sich klar auf die letzten beiden Scheiben, reicht aber bis zur ersten EP-Veröffentlichung „Bloodred Tales: Chapter I – The Crimson Season”. Von dieser wird der namensgebende Klassiker „Fragments Of Unbecoming” in unvergleichlicher Härte und Durchschlagskraft zelebriert. Im Vorfeld von VINTERLAND und GRAVE ist dies jedenfalls ein authentischer Auftakt für die schwedische Death-Metal-Liga. (OS)
THRONEHAMMER
Mit THRONEHAMMER gibt es dann die geballte Ladung Doom. Die Band um die Ausnahmesängerin Kat hat für das Festival erstmals die Gitarrenfraktion auf drei erweitert und nimmt Daniel von Haeresis in ihren Doomkreis auf. Das Ergebnis ist mächtig und brachial und bietet mehr Spielraum für die Gitarren, sowohl was Wucht als auch was Leads anbelangt. Die Band ist spätestens seit den letzten beiden Scheiben mehr als ein Underground-Geheimtipp. Die Symbiose aus groovigen Parts, klassischem Doom und viel Heavy, verleiht ihnen in Kombination mit den unverkennbaren Vocals, die zwischen klassischem Cleangesang und Growls variieren, ihren einzigartigen Sound. Die Setlist ist standesgemäß mit Highlights gespickt und reicht vom „Kingslayer” über den epischen Übertrack „Sacrosant Grounds” bis hin zur Bandhymne „Thronehammer” vom Debütalbum. THRONEHAMMER sind im Braincrusher-Spektrum sicher eine stilistische Abwechslung und werden vor der Bühne kräftig abgefeiert. (OS)
DARVAZA
Nach dem starken letzten Output „We Are Him“, der im vergangenen Dezember veröffentlicht wurde, ist die Spannung auf DARVAZA heute besonders hoch. Schon in Gesprächen mit Gästen tagsüber wird deutlich, dass die italienisch-norwegische Kombo für viele das Highlight des Tages darstellt – was sich auch in den gut gefüllten Zuschauerreihen widerspiegelt. Mit dem Opener „Holy Blood“ geht es direkt los, und sofort wird klar, dass hier kaum etwas schiefgehen kann. Der Sound sitzt perfekt, und durch die Ästhetik, Hingabe und Bühnenpräsenz der Musiker braucht es nicht viel Dekoration, um authentisch zu wirken. Besonders hervorzuheben ist der Wechselgesang innerhalb der Gruppe, der zwischen Keifen, Brüllen und Klargesang eindrucksvoll variiert. Der selbstbetitelte Track „Darvaza“ beendet dieses Highlight, das heute nicht wenige in seinen Bann gezogen hat. We Are Him! (MS)
VINTERLAND
Im Jahr 1992 gegründet, waren VINTERLAND immer noch blutjung, als sie vier Jahre später das ikonische Debüt und einzige Album „Welcome My Last Chapter“ veröffentlichten. Brachialenglische Titel „I‘m An Other At Night“ oder „Still The Night Is Awake“ können nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es mit einem der rundesten Melodic Black Metal Alben dieser Zeit zu tun hat, das die Schweden zwanzig Jahre später in aller Gänze präsentieren. Glücklicherweise wird relativ schnell deutlich, dass VINTERLAND keineswegs als ein aus der Mottenkiste gegrabenes Relikt agieren, sondern die Magie der Platte weitgehend auf die Bühne transformieren können. Zwar sitzt nicht unbedingt jede Feinabstimmung und auch das Tempo unterliegt einer gewissen Varianz, dennoch funktioniert die Gedankenreise in die Mittneunziger bemerkenswert gut, auch weil Songs wie „Wings Of Sorrow“ massiv gut ins Ohr gehen. (PO)
GRAVE
Und wieder ein Fanservice der allerersten Güte. Zumindest für alle, die sich dem Schwedentod zugewandt fühlen. In der Originalbesetzung von 1991 stehen also GRAVE als nächstes auf der Bühne und machen wir uns nichts vor: Ola Lindgren ist ein arschcooler Frontman. Jörgen Sandström lässt ihn heute aber wie einen blassen Auftragsmusiker am linken Bühnenrand agieren. Für uns kommt diese Re-Union also nicht wie die Erneuerung eines längst getilgten Blutschwures bester Freunde rüber, aber das muss auch gar nicht sein. Ein GRAVE-Set ist immer großartig. Heute auch. Natürlich sind es gerade Nummern wie „You´ll Never See“, „Into The Grave“ und „Soulless“, die uns und allen Anwesenden die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Aber das waren sie die letzten Jahre auch. Als GRAVE vor ein paar Jahren zuletzt auf dem Braincrusher spielten, war die Stimmung und der Bewegungsdrang im Publikum jedenfalls deutlich höher. (OD)
SAMAEL
Nach dem Auftritt von GRAVE wird es Zeit für ein weiteres Old-School-Set: SAMAEL haben es nach den Schweden nicht leicht und es fühlt sich an, als hätte sich das Publikum für den Headliner gelichtet. Während die Schweizer an ihrem zwölften Studioalbum arbeiten, sind sie jedoch nicht abgeneigt, Festivals mit echten Old-School-Sets zu bereichern, und bieten auch an diesem Abend eine feine Auswahl an Klassikern. Der Fokus liegt klar auf „Ceremony Of Opposites“ und dem Nachfolger „Passage“, die den Großteil des Sets ausmachen. Das Publikum erlebt eine extrem agile Band, die sichtlich Spaß an der Darbietung ihrer Klassiker hat. Für die Fans gibt es ein hitgespicktes Set, das vor allem mit Übersongs wie „Baphomets Throne”, „Rain” oder „Shining Kingdom” aufwartet. Das Set wird sowohl mit Klassikern von den ersten Alben als auch mit neuen Tracks exzellent abgerundet, sodass weder Fans des Black Metal noch der modernen Phase der Band außen vor gelassen werden. „Into The Pentagram” und „…Until The Chaos” machen neben frischen Nummern wie „Black Supremacy” aber auch nach mehr als 30 Jahren noch eine ausgesprochen gute Figur. Mit „Black Matter Manifesto” präsentieren SAMAEL auch einen brandaktuellen Track, der Lust auf das kommende Album macht. Mit dem abschließenden Stück „My Saviour” findet das Set einen erhabenen Ausklang und sollte niemanden unzufrieden oder unberührt zurücklassen. (OS)
SUEL
Schon den ganzen Tag über treffen wir auf die angespannten Musiker der After-Headliner, die bis 0 Uhr ausharren müssen, bis sie auf die Bühne dürfen. Bekannt dürften SUEL eigentlich allen sein, die auch abseits der ausgelatschten Black-Metal-Pfade unterwegs sind, denn immerhin verdingen sich die Musiker in Bands wie HERETOIR, AGRYPNIE, HORRESQUE, NOCTE OBDUCTA, LOS MALES DEL MUNDO, THE OMEGA SWARM und einigen mehr. SUEL haben bisher ein Album veröffentlicht („Venomous Curse“), dass sich musikalisch nicht hinter all diesen Namen verstecken muss. Umso mehr tut es uns leid, dass sich die Anzahl der Besucher:innen mittlerweile um mindestens zwei Drittel reduziert hat. Für uns ist das Set genau richtig, um noch einmal zu schwelgen und uns in die schwarzen Untiefen fallen zu lassen. Der Slot wird SUEL zwar nicht ganz gerecht, funktioniert aber genau jetzt richtig gut. (OD)
Später droht die Cocktailbar aus allen Nähten zu platzen und wir lassen die zwei Tage mit glücklichen Menschen ausklingen, von denen Gerüchten zufolge die letzten gegen 8 Uhr am nächsten Morgen die Halle verlassen haben sollen.
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metal.de Redaktion 































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