Graveland Festival 2023
Der große Festivalbericht

Konzertbericht

Billing: Paradise Lost, Dismember, Rotting Christ, Asphyx, Misþyrming, Taake, Vanhelgd, Pyogenesis, The Ruins Of Beverast, Regarde Les Hommes Tomber, Sinister, Arsgoatia, Execration, Cryptic Brood, Ghastly, Horns Of Domination, The Ominous Circle, Modder und Burial Remains
Konzert vom 26./27.05.2023 | Plan Schoonhoven, Hollandscheveld

Freitag

(14:10 Uhr – 14:50 Uhr) HORNS OF DOMINATION

Achtung, gleich zu Beginn ein Tipp: Wer die Nürnberger HORNS OF DOMINATION noch nicht in seinem Kenntnisrepertoire hat, der sollte dies schleunigst nachholen. Ein weiterer Ansporn liefert dazu der Auftritt auf dem diesjährigen Graveland-Festival. Nach einigen Stau-Eskapaden ist das Trio bei Ankunft auf dem Gelände bereits zugange und catcht wirklich unmittelbar. Die BEHEMOTH-Vibes sind unverkennbar und die Stücke aus dem bisher einzigen Album „Where Voices Leave No Echo“ können sowohl schwarz klirrende Riffs als auch wuchtige Walzen, wie man sie von den Polen in Bestform gewohnt ist. Leider haben offenbar noch viele Gäste das Problem, um diese Uhrzeit womöglich noch mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, sodass leider nicht die Zahl an Zuschauern vor der Bühne zu finden ist, welche diesem Trio eigentlich gebühren sollte. Beim nächsten Mal definitiv einen höheren Slot verteilen!

(15:15 Uhr – 15:55 Uhr) CRYPTIC BROOD

Als sich die Wolfsburger langsam aber sicher zu ihrem Soundcheck begeben, dürfte es den einen oder anderen zunächst einmal irritieren, dass hier alle drei Musiker ein Mikro vor sich haben, in welches diese jeweils bis zur Perfektion hineingurgeln. Das wird auch im Rahmen deren tatsächlichen Sets umgesetzt und im Hinblick auf Drummer Steffen Brandes verspürt man zweifelsfrei ein paar herrliche Chris-Reifert-Momente. Inhaltlich pendeln CRYPTIC BROOD zwischen quälend langsamer Doom-Lava und räudigem Death Metal, was zwar manchmal ein wenig an Songstrukturen vermissen lässt, im Kern dann aber doch ziemlich reinhaut. Schade, dass der Sound hier manchmal ein wenig übersteuert und zwischenzeitlich sogar für leichte Ohrenschmerzen sorgt.

(16:20 Uhr – 17:00 Uhr) ARSGOATIA

Schon auf dem diesjährigen Braincrusher In Hell konnten die Österreicher sowohl mit ihrer authentischen Klamotte als auch mit ihrem geradlinigen Black Metal überzeugen. Auf der Bühne sieht es beinahe aus, als würden WATAIN spielen, als das umfassend bemalte Quartett um den ehemaligen BELPHEGOR-Basser Barth die Bühne betritt. ARSGOATIA haben jedenfalls Zeit ihr komplettes Debütalbum „Hiding Amongst Humans“ zum Besten zu geben, auch wenn die Salzburger nicht ganz so einschlagen wie noch bei ihrem Auftritt im März. Ohne große Höhen und Tiefen rauschen die Jungs durch ihr Set und haben den Black-Metal-Durst damit zumindest ein wenig gestillt.

(17:25 Uhr – 18:05 Uhr) REGARDES LES HOMMES TOMBER

Zu einem weiteren Highlight des ersten Festivaltages mausern sich die Franzosen von REGARDES LES HOMMES TOMBER. Mit ihrem treibenden Black Metal gelangt das Quintett schnell in die Ohren der Zuhörer, während Frontmann T.C. den wohl insgesamt agilsten Auftritt des Tages hinlegt. Ohne Unterlass gestikuliert der Vocalist theatralisch, spuckt Wasser um sich und geht voll in seiner Rolle auf. Unterstützt wird er von seiner Instrumentalfraktion, die mit gutem Sound gesäumt, einen knackigen Mix aus den bisherigen drei Alben performt. Im Vergleich zur einen oder anderen Band des heutigen Tages können die Franzosen vor allen Dingen mit großartiger Atmosphäre punkten.

(18:30 Uhr – 19:10 Uhr) PYOGENESIS

Die Hamburger PYOGENESIS haben am ersten Festivaltag womöglich den schwersten Stand. Die als solche betitelte spezielle Ignis Creatio-Setlist bezieht sich auf einen Song auf deren zweiter, selbstbetitelter EP aus dem Jahr 1992, wo man noch eindeutig im Death-/Doom Metal verwurzelt war. Auch wenn sich Sänger Flo Schwarz wieder an seine Growls erinnert, will der Funke nicht so richtig überspringen. Auch die Ansagen passen sicherlich eher zu einem Indie-Rock-Konzert, denn auf eine Extrem-Metal-Show, auch wenn man sich daran natürlich nicht aufhängen möchte. Musikalisch gelingt es leider nicht, eine entsprechend schwermütige Atmosphäre zu erzeugen, solide bleiben die Deutschen dennoch.

Setlist:

01. Still Burn In Fire
02. Like Tears (In The Dust)
03. On Soulwings
04. Underneath Orion’s Sword
05. Will I Ever Feel The Same
06. I Have Seen My Soul

(19:35 Uhr – 20:15 Uhr) TAAKE

Als Hoest nach einem reichlich langen Intro mit seiner Band die Bühne betritt, darf man fast schon befürchten, dass die Show in einem ähnlichen Dilemma enden könnte, wie beim letzten Auftritt der Norweger auf dem Graveland 2017. So äußert der 45-Jährige nach dem ersten Song seinen Unmut darüber, dass die georderten Getränke immer noch nicht auf der Bühne sind und zu allem Überfluss reißt seinem Sessionmusiker am Bass eine Saite, was zu einer merklichen Verzögerung führt. Danach schwanken TAAKE zwischen Fuck-Off-Attitüde und einem brodelnden Kessel, spielen aber ihr Set, das häufig zwischen Rock’n’Roll und Black Metal hin- und herpendelt, ohne weitere Zwischenfälle herunter. Es bleibt dennoch ein seltsames Gefühl zurück, welches so häufig über den Shows der Band liegt.

Setlist:

01. Nordbundet
02. Du Ville Ville Vestland
03. Fra Vadested Til Vaandesmed
04. Orkan
05. Hordalands Doedskvad 3

(20:40 Uhr – 21:30 Uhr) ASPHYX

Martin van Drunen und seine Mitstreiter, die sich gemäß eigener Aussage nur ganz selten zum Proben treffen, und das auch in den Niederlanden ist irgendwie etwas ganz Besonderes. Im Hinblick auf die T-Shirt-Häufigkeit sowie den plötzlichen Andrang vor der Bühne steht fest, dass der Lokalmatador hier ebenfalls heiß erwartet wird und dieser mit einem bunten Set aus fast 40 Jahren Bandgeschichte aufwartet. Dass die mächtige Gitarrenwände, die ASPHYX in verschiedenen Variationen auf nahezu jedem Album heraufbeschwören, manchmal zum Verwechseln ähnlich klingt – geschenkt! Als Deutscher versteht man von den gut gelaunten, natürlich niederländischen, Ansagen Van Drunens jedenfalls nur Kauderwelsch, doch auch das ist angesichts von sofort zündenden Songs wie „Death…The Brutal Way“, „Deathhammer“ oder zum Abschluss „Last One On Earth“ nur halb so schlimm. Absolut routinierte Kante!

Setlist:

01. The Quest For Absurdity
02. Botox Implosion
03. Molten Black Earth
04. Death The Brutal Way
05. Deathhammer
06. Wasteland Of Terror
07. The Nameless Elite
08. Forerunners Of The Apocalypse
09. The Rack
10. Last One On Earth

(22:05 Uhr – 23:15 Uhr) DISMEMBER

Zur Headlinerzeit wartet die diesjährige Graveland-Ausgabe noch einmal mit einem ganz besonderen Schmankerl auf: Die schwedischen Death-Metal-Klassiker DISMEMBER spielen ein ganz besonderes Set, das ihrem ersten Album „Like An Everflowing Stream“ gewidmet ist, das sich dadurch auszeichnet, dass die Jungs die komplette Platte am Stück herunterspielen. Wer das 91er-Werk der Skandinavier kennt, der wird vor allen Dingen eines buchstabieren, und zwar den Gitarrensound der Götter. Leider brauchen DISMEMBER an diesem Abend ein wenig, bis die Saiten ihre erhoffte Durchschlagskraft entfalten, doch spätestens bei „Dismembered“ ist alles an der richtigen Stelle und der Sound breitwandig. Nach dem Debütalbum hat die Truppe um Sänger Matti Kärki noch reichlich Zeit um weitere markante Stücke wie die feinen Maiden-Gitarren aus dem jüngsten Album, „Casket Garden“ oder zum Abschluss wie gewohnt „Dreaming In Red“ zum Besten zu geben.

Setlist:

01. Override Of The Overture
02. Soon To Be Dead
03. Bleed For Me
04. And So Is Life
05. Dismembered
06. Skin Her Alive
07. Sickening Art
08. In Death’s Sleep
09. Of Fire
10. Collection By Blood
11. Skinfather
12. Casket Garden
13. Pieces
14. On Frozen Fields
15. Dreaming In Red

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02.06.2023

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