Bonfire - The Räuber

Review

Galerie mit 13 Bildern: Bonfire - Knock Out Festival 2012

BONFIRE zählen schon seit langem zum unverbrüchlichen Standard-Inventar der deutschen HardRock-Szene. Ihre traditionelle musikalische Herangehensweise mag man für wenig innovativ, cheesy oder sogar langweilig halten. In jedem Fall kommt die Musik aber von Herzen und ist gespickt mit Emotionen. Und offensichtlich hat man trotz aller ausgewaschener HardRock-Standards keine Angst vor ungewöhnlichen Experimenten. So durfte für das jüngste Album „The Räuber“ die weltbekannte literarische Vorlage gleichen Namens als Inspirationsquelle herhalten.
Regisseur Pierre Walter Politz hatte die Idee, aus Schillers klassischem Drama ein Rock-Musical zu machen, dass er mit Unterstützung der HardRock-Haudegen auf die Bühne des Ingolstädter Theaters brachte. Das Streben nach Freiheit, große Gefühle, die an der Grenze zum Pathos noch lange nicht Halt machen, und eine sprachliche Volkstümlichkeit; das sind Kennzeichen des Sturm und Drang (die literarische Epoche, nicht die finnische Schülerband…) – das sind aber auch Ideale, denen der traditionelle HardRock nahe steht. Was also auf den ersten Blick nach einer ungewöhnlichen Synthese aussieht, hat von Natur aus bereits genügend Berührungspunkte, um tatsächlich funktionieren zu können.

„The Räuber“ ist keine echte Nacherzählung der Dramenhandlung. Obwohl BONFIRE einzelne Textpassagen ziemlich wortnah bei Schiller (beziehungsweise der englischen Übersetzung…) entlehnt haben, werden hier nur einzelne Passagen herausgegriffen und deren Stimmung musikalisch wiedergegeben. Das eigentliche Handlungsgerüst bleibt über weite Strecken im Dunkeln. Bei der Live-Darbietung, die seit dem 16. Februar im Ingolstädter Theater zu sehen ist, dürften die Schauspieler somit genügend Gelegenheit erhalten, mit ihrem Text die Geschehnisse voranzutreiben.
Musikalisch wirkt das ganze Unternehmen deutlich bodenständiger und ziemlich unspektakulär. Hier bekommt man das geboten, was man mit dem Namen BONFIRE ohnehin verbindet: klassischer Hard Rock ohne Überraschungen. Irgendwie hat man derartige Musik schon dutzendfach gehört, sei es auf älteren BONFIRE-Veröffentlichung, bei den Schweizer Kollegen GOTTHARD oder anderen Bands. Dennoch kommt diese Musik von Herzen und erreicht dadurch auf jeden Fall einen gewissen Unterhaltungsgrad.

Der Großteil des Albums wurde in Englisch eingesungen. Neben dem Intro „The Räuber“ und dem Outro „Father’s Return“ wurde jedoch auch bei den Stücken „Blut und Todt“ und „Lass Die Toten Schlafen“ auf die Muttersprache zurückgegriffen. Das sorgt für etwas Abwechslung, ist jedoch auch nicht unbedingt der Gipfel der Innovativität. Mit Stücke wie dem Opener „Bells Of Freedom“ oder der Gute-Laune-Hymne „Hip Hip Hurray“ hat man einige sehr ordentliche Kompositionen am Start. Die Ballade „Love Don’t Lie“ ist hingegen so dermaßen cheesy geraten, dass man es kaum ertragen kann.
Der ganz große Wurf ist BONFIRE mit „The Räuber“ also definitiv nicht gelungen, das zugrundeliegende Konzept verdient aber auf jeden Fall Beachtung und sollte HardRock-Fans Ansporn genug geben, hier ein Ohr zu riskieren. Als Bonustracks gibt es Akustikversionen von „Love Don’t Lie“ und „Do You Still Love Me“, sowie eine alternative Fassung von „Hip Hip Hurray“, bei der die Strophen in deutscher Sprache gesungen werden. So ist der Silberling mit einer vorbildlichen Spielzeit von mehr als 70 Minuten randvoll.

Wer als geplagter Schüler nun auf die Idee kommt, sich durch den Erwerb dieses Albums die Lektüre des zugrundeliegenden Werkes ersparen zu können, der sei gewarnt. Ähnlich wie KAMELOTs 2003er Meisterwerk „Epica“ Goethes „Faust“ nicht ersetzen kann, dient auch „The Räuber“ lediglich als nette Ergänzung zum Originaltext und kann die Einzelheiten der Story nicht hinreichend vermitteln, um ein echtes Verständnis, geschweige denn eine brauchbare Interpretation des Textes zu ermöglichen. Das soll aber auch nicht das Ziel dieser Veröffentlichung sein.
Im Grunde geht es nach wie vor um guten, ehrlichen Hard Rock. Wenn man es so schaffen sollte, den ein oder anderen Fan für die Dichtkunst Schillers und seiner Zeitgenossen zu begeistern, mag das ein netter Nebeneffekt sein. Man sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, zukünftig reihenweise beinharter Rocker zu einem Theaterbesuch animieren zu können. Im Grunde sind Bühnenschauspiel und Rockmusik eben doch zwei völlig verschiedene Welten und nur eine kleine Minderheit wird sich für beides in gleichem Maße begeistern lassen.

06.03.2008

Der metal.de Serviervorschlag

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