Gernotshagen - Ode Naturae

Review

Galerie mit 14 Bildern: Gernotshagen - Rockharz Open Air 2012

Längere Zeit war es recht ruhig in den Thüringer Wäldern. Doch nun zerreißt nach der starken neuen Scheibe von XIV DARK CENTURIES gleich der nächste Donnerschlag die Stille der Natur. GERNOTSHAGEN sind nach neun Jahren zurück und beehren uns mit ihrem neuen Werk „Ode Naturae“.

Was sich mit „Weltenbrand“ bereits angedeutet hatte, wird nun Gewissheit. GERNOTSHAGEN sind dem doch recht engen Genre Pagan Metal mit „Ode Naturae“ endgültig entwachsen, zumindest in der Form, wie es gewöhnlich interpretiert und dargeboten wird. Die Einstufung Pagan Black hingegen trifft es im Großen und Ganzen eigentlich ziemlich gut, ist aber dennoch an manchen Stellen dann doch ein zu enges Korsett für diese Scheibe. Aber egal, man muss ja schließlich auch nicht alles haarklein kategorisieren.

Die Produktion ist um einiges besser gelungen als bei „Weltenbrand“, diesmal hat wirklich alles den richtigen Platz und Raum im Zusammenspiel der Akteure und Instrumente. Die komplette Rhythmus-Sektion steht wie eine Eins und „Neu“-Gitarrist Roman bereichert die Scheibe mit seinem markanten Spiel. Das Keyboard ist zwar wieder oft präsent, aber nicht aufdringlich, das stellt einen weiteren großen Fortschritt dar. Askans Klargesang wird nur da eingesetzt, wo er auch wirklich passt, ebenso wie die dezenten Chöre. Beides sorgt durchaus für den einen oder anderen Gänsehaut-Moment. Generell kann der Gesang in jeder der unterschiedlichen Stimmlagen absolut überzeugen und fügt sich nahtlos wie ein weiteres Instrument in das komplette Gefüge ein. (Wer entdeckt den Kehlkopfgesang?) Es wurde also insgesamt an vielen kleinen Schräubchen erfolgreich gedreht, genau das macht diese Scheibe so stark.

GERNOTSHAGEN mit dem Sprung nach vorne

Und so sind es auf „Ode Naturae“ auch nicht wie auf früheren Veröffentlichungen einzelne Songs („Dem Skirnir zu Ehren“, „Freyas Schoß“ oder „Sturmbringer“), die besonders herausstechen. Diesmal liefern GERNOTSHAGEN ein komplexes und kompaktes Gesamtkunstwerk ab, bei dem man sich auf gleichbleibend sehr hohem Niveau bewegt.

Auf diesem Album sind es eher die unterschiedlichen Klangfarben und Facetten, die die einzelnen Songs zu etwas Besonderem machen. So ist „Eibengang“ nach dem die Spannung langsam aufbauenden und passend betitelten Intro „Erwachen“ ein hymnisch-epischer Auftakt, der ganz gekonnt auf den Wechsel von harschen metallischen und ruhigeren atmosphärischen Parts setzt. „Eisenwald“ kommt um einiges direkter daher und erinnert eher an ältere Werke. In „Blut Für Die Meute“ findet man neben genialen epischen Passagen auch Blasts. „Fahle Wege“ werden von GERNOTSHAGEN hart, direkt und angenehm schwarz beschritten. Den „Zyklus Tod“ zeichnet seine angemessene morbide Atmosphäre aus. In die „Wildnis“ geht es finster und majestätisch mit feinem MOONSORROW-Einschlag. Und das ausladende und opulente „Transzendenz“ schließlich ist nochmal atmosphärisch sehr dicht und getragen. Dieser auch vom Text her sehr nachdenkliche Song beendet eine sehr emotionale Reise.

Man kann und muss in diese Mucke einfach tiefer eintauchen. Diese Scheibe mal eben so nebenbei nach zehn Bier auf einer Party auflegen und dann hoffen, dass alle ausrastend im Kreis springen, dafür ist „Ode Naturae“ ganz sicher nicht geeignet. GERNOTSHAGEN präsentieren vielmehr ein reifes und erwachsenes Werk, nachdenklich, dunkel und erhaben, dem Albumtitel und leider auch dem Zustand unserer Natur angemessen.

Wer also Trallala-Pagan-Sauf-Hymnen sucht, sollte „Ode Naturae“ ganz einfach meiden, für solche Ergüsse sind andere zuständig. Und wer bei Pagan Metal aus Thüringen immer noch ausschließlich an MENHIR denkt bzw. denen (sicher auch völlig zu Recht) hinterher trauert, sollte spätestens jetzt Abbitte leisten.

„Ode Naturae“ ist einerseits laut schreiend, andererseits nachdenklich sinnierend

GERNOTSHAGEN hetzen nicht, sondern lassen jeden Part in jedem Song voll zur Entfaltung kommen. Vor allem auch dadurch hat die komplette Scheibe eine ganz eigene fesselnde Atmosphäre. Die wechselnde Dynamik verleiht dem Ganzen eine besondere Note und lässt „Ode Naturae“ natürlich atmen und wachsen. Jede Stimmung bekommt ihren Raum zum Gedeihen, jeder Teil hat seinen passenden Platz.

Das ganze Package mit Cover, Bandfotos und Booklet ist ein in sich stimmiges und wertiges Gesamtkunstwerk geworden, das kommt wirklich richtig edel rüber. Da ist eine Band spürbar gereift und (zumindest musikalisch) erwachsen geworden, und das zeigen GERNOTSHAGEN eindrucksvoll auf diesem dunkel glänzenden Silberling.

Mal laut schreiend, mal nachdenklich sinnierend, „Ode Naturae“ hat ganz einfach Tiefgang und jede Menge interessante Facetten. Das Intro startet, du tauchst in die Reise ein, immer tiefer. Und plötzlich ist über eine Stunde rum und du hast das gar nicht realisiert. Man muss sich schon voll auf die Musik von GERNOTSHAGEN einlassen und konzentrieren, doch dann wird sie ihre ganze Pracht entfalten.

15.07.2020

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12 Kommentare zu Gernotshagen - Ode Naturae

  1. Watutinki sagt:

    Ausgehend von dem Video, ist das persönlich nicht ganz mein Ding, finde so etwas besser, wenn es sich auf das Wesentliche knzentriert, aber hier wird mit den Elementen richtig geklotzt. Diese Kreischvocals sind auch nur bedingt mein Fall, ich glaube das hat mir in extremerer Form bei den alten CoF gefallen, das war’s dann aber auch. Wird sicher seine Fans finden, kompetent ist das Ganze auf jeden Fall.

  2. Base4ever sagt:

    Also der Video Track macht schon ordentlich Eindruck! Werde dem Album definitiv mal eine Chance geben.

  3. BMKev sagt:

    Die „Märe aus wäldernen Hallen“ hab ich damals geliebt. Dass seitdem noch mehr kam hab ich garnicht mehr mitbekommen. Auch wenn ich mich inzwischen vollkommen von diesem Genre entfernt hab, werde ich um der alten Zeiten Willen mal reinhören. Vielleicht gefällt es mir ja wieder.

  4. Kropfverfechter sagt:

    Jesses, ist das triefend kitschig. Mit Lunar Auroras Keyboards komme ich vollkommen klar, aber das hier ist mir eine gute Spur zu hudeldibu oder wie ich es bezeichnen soll.

  5. CrispyOrSoft? sagt:

    Weiß nicht, irgendwie ist das ganze aalglatt und auch schon etwas arg rührseelig. Handwerklich klingt es einwandfrei aber da fehlen Ecken und Kanten. Wirkt im Endeffekt erstmal charakterlos.

    Werde bei Release nochmal ein Ohr riskieren, kann mir aber nicht vorstellen dass ich 8/10 so unterschreiben kann.

  6. cocs sagt:

    der Song klingt wie schon mal gehört, ein Mix aus Menhir, Imperium Dekadenz und einer x-beliebigen Pagan Band, ohne natürlich die Klasse von Menhir zu erreichen, dieses nervige Geklimpere im Hintergrund , der kitschige Kreischgesang sind halt weder neu noch interessant

  7. nili68 sagt:

    Grundsätzlich von der stilistischen Ausrichtung her schon mein Ding, aber die Kritikpunkte in den Kommentaren kann ich unterschreiben.

  8. Steppenwolf sagt:

    Total Überladener, fast künstlischer Sound… hat was von Equilibrium und gefällt mir deswegen überhaupt nicht. Der Gesang geht allerdings in Ordnung

  9. Finq09 sagt:

    Jetzt wurde es von 8/10 schon auf 9/10 hochgelobt? Hat da im Hintergrund das Label angerufen und nicht den gewünschten Wert gesehen, oder wie kann das?
    Ich habe das neue Album natürlich noch nicht gehört und werde nächste Woche mal ein Ohr riskieren, aber es muss wirklich meilenweit besser als die Vorgängeralben sein, um so eine Lobeshymne und Punktzahl zu rechtfertigen.

  10. Cynot sagt:

    Da das Album anscheinend in Eigenproduktion entstanden ist, stell ich mir das ein bisschen komisch vor. Da müsste die Band ja selbst angerufen haben (machen Bands sowas?). Und haben die dann nett nachgefragt, ob sie einen Punkt mehr bekommen oder gar gedroht?

  11. Kenta Denshon sagt:

    Zugegebenermaßen kannte ich die Band bisher nicht. Gernotshagen weckte bei mir erstmal die Assoziation Gernot Hassknecht (vocals) feat. Hagen Rether (Tasten)..und irgenwie werde ich dieses Bild beim Hören von „Zyklus Tod“ von dem neuen Album auch nicht mehr los…was die Rezeption des Songs durchaus spaßiger aber etwas unseriös macht 🙂

    Tatsächlich gefällt mir das aber ganz gut, habe mir jetzt auch mal das Album „Weltenbrand“ in Gänze gegegeben. Bißchen wie Equilibrium in wieder gut (bis „Rekreatur“ und teilweise auch noch auf „Erdentempel“ mochte ich die sehr gerne, die Platten danach fand ich eher so Karo-Bube-Mittel bis Karo-9-Lusche).

    Werde mir das sicherlich anhören wenn es da ist.

  12. Urugschwanz sagt:

    Ich gebe mal keine Wertung ab, da ich mir das ganze Album noch nicht angehört habe. Die immerpräsenten Keys nerven gleich mal wieder. Aber ist eben Geschmackssache. Und der immer gedoppelte Gesang, zeugt leider nur vom allgemeinen Trend alles fetter scheinen zu lassen, wie es ist. Live kommt dann die Ernüchterung. Die Produktion klingt sehr künstlich digital. Aber eben auch ein Kinder dieser Zeit. Aber dieser eine Song gerechtfertigt auf keinen Fall 8 oder gar 9 Punkte. Naja, ich höre mal den Rest an.