Watain - Opus Diaboli

Review

Galerie mit 30 Bildern: Watain - Rock Hard Festival 2019

WATAIN sind außergewöhnlich, keine Frage. Kaum eine andere Band dieses Genres mit einem ähnlich extremen Image, die dieses auch ebenso intensiv pflegt und mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten versucht, konnte ähnliche kommerzielle Erfolge erzielen, ohne sich an Trends anzubiedern, Kompromisse einzugehen oder an Authenzität zu verlieren. Doch gerade diese übertriebene Authenzität ist es, die bei vielen, spricht man über WATAIN, eher für heftiges Schmunzeln sorgt als für aufrichtige Anerkennung. Was ich ehrlich gesagt mehr als verstehen kann, denn wenn wir mal ehrlich sind, ist “Trueness” im Black Metal zwar etwas, das sich zahlreiche Bands gern auf die Fahnen schreiben, die wenigstens jedoch wirklich ernst meinen. “Opus Diaboli”, die erste DVD WATAINs, die die Schweden anlässlich ihres 13-jährigen Bandjubiläums auf ihrem jüngst gegründeten eigenen Label His Master’s Noise veröffentlichen, ist jedoch genau das – unfassbar true. Und das macht sie zu der wohl beeindruckendsten Metal-DVD, die ich je gesehen habe, zugleich jedoch eben auch zu einer der lächerlichsten.

Zunächst einmal ist “Opus Diaboli” vergleichsweise ungewöhnlich, denn die Schweden, so unkonventionell sie eben sind, wollen sich nicht nur musikalisch abheben, sondern müssen auch das Schema der Standard-Metal-DVD durchbrechen. Veröffentlichen die meisten Bands typischerweise einen Konzertmitschnitt und stocken die DVD mit etwas Bonusmaterial, wie Fotos, Videos, Interviews oder Dokus, auf, so bedienen sich WATAIN zwar derselben Elemente, trennen sie jedoch nicht, sondern machen aus ihnen einen richtigen Film, erzählen ihre Geschichte in zahlreichen Zwischensequenzen und lassen das Konzert als Rahmen fungieren, in den die einzelnen Kapitel eingebettet sind. Man könnte zwar zunächst glauben, dass diese Machart das Konzert künstlich auseinander reißt und ihm so die Atmosphäre raubt, doch die einzelnen Parts fügen sich so perfekt aneinander, das aus ihnen tatsächlich ein so rundes und stimmiges Gesamtwerk entsteht, wie ich es selten gesehen habe.

Doch dies ist nicht einzig den professionellen Übergängen geschuldet, sondern insbesondere der wirklich finsteren Atmosphäre, die die Bestandteile dieser Veröffentlichung zusammen hält und “Opus Diaboli” so unfassbar fesselnd macht. Das Konzert – oder eher das Ritual – , das WATAIN anlässlich ihres Jubiläums-Konzerts in Stockholm zelebrieren, lebt von dieser Atmosphäre, die die Schweden kreieren, durch die in rotes Licht getränkte und von Nebel eingehüllte Bühne, die brennenden dreigezackten Kreuze und natürlich die einzigartige Performance der Band. Auch ist es erstaunlich gut gelungen, diese Stimmung einzufangen, zahlreiche verschiedene Kamera-Perspektiven sorgen außerdem für eine Menge Abwechslung und Dynamik, sodass nicht eine Sekunde Langeweile aufkommt, sondern man eigentlich die ganze Zeit wie gebannt auf den Bildschirm starrt.

Und dabei wird es eigentlich bei den Zwischensequenzen erst richtig spannend, auch wenn hier natürlich auch das Potenzial liegt, “Opus Diaboli” eher peinlich als beeindruckend zu finden. Man sieht die Band, in einem durnklen Gemäuer Rituale abhaltend, Fackeln, Blut, einen einsamen Wanderer, in eine Kutte gehüllt, wie er durch die Landschaft zieht, das Banner WATAINs tragend, vereinzelt alte Bandfotos, Konzert-Flyer und Erik, der bedeutungsvoll und auf seine typisch hochtrabende und etwas verstörende Art die Geschichte WATAINs erzählt, von der Bedeutung der Band spricht und Symbole erklärt. Das mag lächerlich klingen, ist es zuweilen auch wirklich, aber dennoch passt an “Opus Diaboli” einfach alles so fantastisch zusammen, dass diese Tatsache zumeist in den Hintergrund tritt und man sich dessen zwar bewusst ist, dies den Genuss der DVD jedoch höchstens minimal schmälert.

Und aus diesem Grunde ist “Opus Diaboli” für Fans der Band zweifelsohne ein Pflichtkauf und auch wer sich ansonsten ein hervorragendes Black Metal-Konzert ins heimische Wohnzimmer holen und es des Abends bei Kerzenschein und einer Flasche Rotwein genießen möchte, ist hier zweifelsohne richtig. Wer sich jedoch aus genannten Gründen an WATAIN stößt, sollte klar die Finger von “Opus Diaboli” lassen, denn die DVD beinhaltet geballt, was man an den Schweden hassen – oder eben lieben – kann.

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28.04.2012

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1 Kommentar zu Watain - Opus Diaboli