Desaster
The Arts Of Destruction - Meinungen der Redaktion

Special

Desaster

DESASTER holzen schon seit mehr als 20 Jahren durch den metallischen Untergrund. Anno 2012 steht mit „The Arts Of Destruction“ wieder ein neues Album ins Haus, das mittlerweile siebte der Bandgeschichte. Das haben wir zum Anlass genommen, der Truppe mal in etwas größerer Runde auf den Zahn zu fühlen.

Desaster

Nach einigen Jahren Wartezeit und mit dem vielleicht interessantesten Cover in der mehr als 20-jährigen Geschichte der Koblenzer Kapelle machte „The Arts Of Destruction“ vorab ziemlich neugierig. Nach dem ersten Hördurchgang aber stellt sich zunächst eine gewisse Ernüchterung ein. Doch warum? Was hatte man denn bitte erwartet? DESASTER sind natürlich eine jener Bands, die immer bei ihren Leisten bleiben werden – im konkreten Fall eben die alten Helden zitierender plakativ-pechschwarzer Thrash, der bei gewohnt stumpfer, aber niemals schrottig klingender Produktion zwischen schweren Banger-freundlichen und rasanten Passagen pendelt.

Ja, es mangelt vielleicht an herausragenden Stücken vom Kaliber eines „In A Winter Battle“ oder „Teutonic Steel“, aber das flotte, schwarzmetallische Titelstück, das schleppend beginnende, sich dann in einen eingängigen Stampfer wandelnde „Splendour Of The Idols“, das punkige „Queens Of Sodomy“, die mit mittelalterlich anmutenden Leads an die ersten Veröffentlichungen erinnernde Acht-Minuten-Nummer „Possessed And Defiled“ oder die vom Doppelgesang (Marc Grewe von MORGOTH mit einem Gastbeitrag) nach vorne geschriene finale Abrissbirne „Beyond Your Grace“ entschädigen schon alleine in ihrer Masse als gutklassiges Material.

Insgesamt erscheint das Album wieder etwas melodiöser und gar eine Nuance abwechslungsreicher als zuletzt, klingt in Anbetracht der langen Jahre der vier Herren im Geschäft noch immer sehr frisch und ehrlich. So macht „The Arts Of Destruction“ bis auf ein, zwei etwas fade Nummern richtig Spaß und lässt auch schnell vergessen, dass man das Ganze zuvor von DESASTER schon einige Male serviert bekam. Es macht satt und schmeckt dabei nach wie vor, nur darauf kommt es an. (7/10)

Christoph Meul

Desaster

DESASTER sind ja nun auch schon eine Ewigkeit in der Szene unterwegs und können immer wieder mit ihrem Mix aus Black- und Thrash-Metal Fans verschiedener Stilrichtungen ansprechen. Da die letzte Scheibe „666 – Satan’s Soldiers Syndicate“ schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, war ich sehr gespannt, wie die Band anno 2012 klingen würde. Eigentlich aber auch nicht, denn DESASTER gehören zu jener Sorte Bands, die sich einen Dreck um Trends oder jedwede andere Modeerscheinungen kümmern. So klingt auch das neue Werk „The Arts Of Destruction“ wieder nach einem fiesen Bastard aus Black- und Thrash-Metal, wobei DESASTER im Gegensatz zu einigen Releases in der Vergangenheit, auch ein Auge auf eingängige Melodieparts gehabt.

Die Die-Hard-Fraktion mag jetzt aufstöhnen, meiner Meinung nach steht DESASTER diese Nuance aber sehr gut zu Gesicht, zumal sie ein schöner Kontrast zu den vielen Blastbeats und fies sägenden Riffs darstellt. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass DESASTER irgendwelche Kompromisse eingehen. Da wo DESASTER drauf steht, ist auch DESASTER drin und Songs wie der schwarze Titeltrack, „At Hell’s Horizon“ oder Old-School-Thrasher wie „Troops Of Heathens – Graves Of Saints“ und „Lacerate With Hands Of Doom“ machen keine Gefangenen. Auch wenn DESASTER nicht mehr ganz so brachial wie zu ihrer Anfangszeit agieren, dürfte die Scheibe keinen Fan enttäuschen. Die Band hat ihr Gesicht nicht verloren, sondern ihren Horizont innerhalb ihres Spektrums um eine dezente Note erweitert. Wandert in die Sammlung, das Album. (7/10)

Colin Brinker

Desaster

Mitte der Neunziger waren DESASTER mal eine meiner Lieblingslingsbands. Das war einerseits der Tatsache zuzuschreiben, dass die Truppe auf der Bühne so unterhaltsam war, dass selbst zwei Auftritte auf dem selben Festival nicht als langweilig empfunden wurden. Andererseits waren aber auch die Tonträger der Herren nicht von schlechten Eltern. Ein wahrer Vertreter der „Früher war alles besser“-Fraktion müsste an dieser Stelle behaupten, das erste Demo wäre die beste Aufnahme der Combo, aber das wäre natürlich Unsinn: Die beste DESASTER-Veröffentlichung ist das zweite Demo „Lost in the Ages“, das dank einer Trefferquote von 100% eigentlich nicht zu überbieten ist. Ob die Band da zumindest wieder mal rangekommen ist, kann ich allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen. „A Touch of Medieval Darkness“ war zwar nah dran, aber nach der viel zu thrashigen „Stormbringer“-EP habe ich DESASTER mehr oder weniger aus den Augen verloren. Das ist aber auch schon über zehn Jahre her, weshalb ich die Gelegenheit nutzen möchte, mir anhand des neuen Albums „The Arts of Destruction“ ein Bild von der gegenwärtigen Form der Mannen um Gitarrist Infernal zu machen.

Nach einem kurzen obligatorischen Intro schießt das Titelstück überraschend schwarzmetallisch und gar nicht unmelodisch aus den Boxen. Fast möchte man von schwedisch sprechen, bevor die Band das Tempo rausnimmt und semi-hymnisch in erster Linie nach DESASTER klingt. Nicht schlecht, dieser Auftakt, aber leider auch nicht halb so zwingend wie seinerzeit „In A Winter Battle“. Sehr störend wirkt der Gesang, der viel zu laut ist und den Rest eher bekämpft anstatt sich ins Gesamtbild einzufügen. Komisch auch, das DESASTER anno 1994 auf einem selbstgemachten Demo einen geileren Bass zu bieten hatten als 2012 auf einem professionell produzierten Album für Metal Blade.

Fängt „The Arts Of Destruction“ eher so halbgut an, zeigt man im weiteren Verlauf der Scheibe, dass nach unten noch ordentlich Luft ist. Es gibt nämlich in erster Linie Thrash zu bewundern, mal schwärzlich angehaucht, mal so harmlos wie METALLICA, aber immer bestenfalls Mittelmaß. Wohlgemerkt: bestenfalls. Zugegeben, ist bin nicht der größte Freund von Thrash Metal, aber ich traue mir dennoch zu, einen Ferrari von einem Fiat unterscheiden zu können. Und das hier klingt viel zu sehr  nach Fiat. Da gibt’s nichts sonderlich Aggressives, keine messerscharfen Soli, keine überbordende Energie, nichts besonders Eingängiges, keine zwingenden Rhythmen, keine Hooks. Nichts. Es ist noch nicht mal räudig oder old school. Nein, bieder, langweilig, einfallslos, höhepunktfrei, erstaunlich unmusikalisch. Ich kann mir nicht mal vorstellen, dass derartig unspannende Musik live sonderlich gut funktionieren würde. Einen kurzen Lichtblick stellt lediglich „Phantom Funeral“ dar, ein BM-Stampfer klassischer DESASTER-Machart, der mit Melodie und einem Funken Melancholie die Seite der Truppe repräsentiert, die mir schon immer besser gefallen hat. Potential steckt auch in der Endlosballade „Possessed And Defiled“, die mit einem roten Faden ziemlich gut sein könnte. Aufs Album hat es aber leider nur eine Ideensammlung geschafft, kein durchdachtes Stück Musik.

Da ich mehr als ein Jahrzehnt DESASTER verpasst habe, kann ich nur schlecht einschätzen, ob die Koblenzer im Vergleich zu den letzten Album großartig nachgelassen haben. Ich kann aber festhalten, dass „The Arts Of Destruction“ auch jenseits persönlicher Stilvorlieben einfach ziemlich schlecht ist. Ok, schlecht ist wahrscheinlich ein zu hartes Wort, schließlich klingt das alles halbwegs kompetent gemacht. Unglaublich unwichtig und mittelmäßig trifft es wohl eher. Dienst nach Vorschrift? Wo ist der Elan hin? (4/10)

Erik Herrmann

Desaster

Galerie mit 28 Bildern: Desaster - Eindhoven Metal Meeting 2018
20.02.2012

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