Desaster - A Touch Of Medieval Darkness

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Galerie mit 10 Bildern: Desaster - De Mortem Et Diabolum 2024

Die Zeit um 1996 war für die Fortschreibung des Black Metal nach der zweiten Welle von Bedeutung. Ebendiese war inzwischen in ihrer Essenz beendet und die Triebe des Subgenres wuchsen langsam nach den Seiten und nicht mehr scheuklappenartig nach oben. So hatten MYSTICUM mit „In The Streams Of Inferno“ mal eben die Begründung des Industrial Black Metal auf der Pfanne oder DIMMU BORGIR öffneten ein Jahr später mit „Enthrone Darkness Triumphant“ die Genretüren für eine deutlich breitere Masse.

Schwarze Gotik zum Einstand

Mit von der Partie in dieser Schwemme an neuen Truppen war auch ein deutsches Trio aus Koblenz, die sich DESASTER nannten, und mit „A Touch Of Medieval Darkness“ ihr Debütalbum auf den Markt brachten. Gründungsmitglied und Gitarrist Infernal sowie Bassist Odin, die Heute noch im Line-Up der kultigen Band stehen, nahmen die Scheibe mit auf. Eingetrümmert wurde das Ganze vom Sessionmusiker Tobias Mölich, sodass erst in der Nachfolge mit dem Einstieg von Tormentor eine klarere Linie in Richtung Black Metal ersichtlich wurde.

Aus dieser Sicht ist es verwunderlich, dass manchmal davon gesprochen wird, dass „A Touch Of Medival Darkness“ noch ein reinrassiges Black-Metal-Werk sei und auch viele damalige Rezensionen in diesen Tenor mit einstiegen. Ein Grund dafür könnte unter anderem auch das rabenartige Gekrächze von Sänger Okkulto (EURYNOMOS) sein, dessen Auswüchse viel böser klingen, als die Musik auf der Platte eigentlich vertragen kann. Bösartige Raserei, mit der DESASTER in Zukunft auch in Verbindung gebracht werden, bleibt hier noch aus.

Nicht nur das thematische Konzept handelt von den religiös motivierten Schlachten im dunkelsten Mittelalter, auch musikalisch machen DESASTER dies mit Intro, Outro sowie teilweise gotisch anmutendem Riffing wie im Titeltrack sichtbar. Ansonsten ist „A Touch Of Medieval Darkness“ noch vom jugendlichen Leichtsinn des Heavy Metal beeinflusst und klingt zeitweise wie mit einer Menge Kaltschalen im Proberaum eingeschrotet. Phasenweise sind die typischen Infernal-Riffmotive bereits erkennbar, etwa im metallischen Teil von „Crypts Of Dracul“, dann gibt’s mit „Devil’s Sword“ ein handfestes Thrash-Brett und eine Menge verwilderte Heavy-Metal-Attitüde.

Rohdiamant zeigt zukünftigen Weg auf

Qualitativ kann „A Touch Of Medieval Darkness“ nicht mit den Größen der touchierten Genres (Melodic Black Metal, Thrash Metal, angeschwärzter Heavy Metal) mithalten, ist aber ein Rohdiamant im besten Sinne. Der Drive und die Dynamik der einzelnen Songs ist hier noch nicht immer zu Ende gedacht, doch dass die Koblenzer auf dem besten Wege schreiten, wird mindestens genauso deutlich. Mit dem Nachfolger „Hellfire’s Dominion“ schürfen DESASTER ihr Schwert und formen ihren Sound schon in die heutzutage bekannte Richtung, doch das ist ein weiteres Kapitel „Blast From The Past“.

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04.02.2026

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