Candlemass
Interview mit Leif Edling zum Comeback-Album "Candlemass"

Interview

Die Legende ist zurück! Nach den Irrungen und Wirrungen des letzten Jahres, nach Split und Wiedervereinigung des klassischen Line-Ups, steht uns nun bald der Release des Comeback Albums der schwedischen Doom Überväter CANDLEMASS ins Haus. Bereits auf der Listening Session konnten wir uns von der Qualität der Scheibe überzeugen, die CANDLEMASS in bester Tradition zeigt. Es gab viel zu besprechen, und so lud Mastermind Leif Edling im Donzdorfer Nuclear Blast Hauptquartier zur Audienz. Auch wenn er von der Promotour recht mitgenommen und müde war, erwies er sich als äußerst sympathischer Gesprächspartner, der auch in Sachen Veröffentlichungspolitik kein Blatt vor den Mund nimmt. Über alte und neue Helden, Doom und nicht Doom, den Sinn von Reunions und natürlich das neue Album:

Candlemass

Leif: Ich bin ziemlich müde, weil ich in den letzten Tagen kaum geschlafen habe. Als wir wieder zu Hause waren, haben wir an der DVD gearbeitet und u.a. ein Video zu „Black Dwarf“ gedreht. Die Aufnahmen haben wir sehr spät beendet, sodass ich vielleicht eine Stunde geschlafen habe in dieser Nacht. In einer von vier Nächten konnte ich schlafen, bevor ich nach Athen musste. Du arbeitest von 13:00 Uhr bis 23:00 Uhr, dann geht man was essen, weil man am Verhungern ist. Um 2:00 Uhr kommst Du zurück zum Hotel und schläfst bis um 5:00 Uhr. Nach drei Stunden Schlaf stehst Du auf, nimmst ein Taxi zum Flughafen und fliegst nach Italien. Und dort beginnt alles von vorn. Das komische ist, dass sich der Körper daran gewöhnt! Ich bin so verdammt müde, aber mein Körper hat sich daran gewöhnt. Du brauchst ein paar Tassen Tee, und abends reichen vielleicht zwei Bier, um danach drei Stunden gut zu schlafen, zur Not auch im Flugzeug. Aber es lohnt sich, die Leute mögen die neue Scheibe wirklich.

Mir gefällt sie auch sehr gut! Schon bei der Listening Session war ich sehr begeistert davon.

Leif: Das ist cool! Die Anlage hatte eigentlich zu viele Bässe. Das war uns etwas zu viel. Du konntest bei dem Verstärker die Bässe nicht herausnehmen, weil sie so einprogrammiert waren.

Das ist mir gar nicht so aufgefallen. Ich achte bei so was sowieso weniger auf den Sound als auf die Musik an sich, und wie die Songs sind.

Leif: Das ist gut! So sollte man an die Sache herangehen. Ich bin Musiker, und sich die Musik anzuhören und ständig zu meinen ‚oh, da sind zu viele Höhen‘ oder ‚dieses Hi-Hat stört aber‘ halte ich für dämlich.

Bei Listening Session ist es ja häufig so, dass man die Alben noch im rohen, ungemasterten Zustand hört, um eben ein Gefühl für die Scheibe zu bekommen. Ihr habt ja letzte Woche auf dem Inferno Festival in Oslo gespielt. Wie war denn die Reaktion der Leute?

Leif: Unfassbar fantastisch! Wir waren Headliner am Freitag und haben wirklich sehr spät gespielt. Donnerstags haben MORBID ANGEL geheadlinet, wieder mit Dave Vincent an Bord, wir waren am Freitag dran und DISSECTION am Samstag. Wir dachten nur ‚oh scheiße, wir sind erst um 1:00 Uhr dran‘ und waren besorgt, dass die Leute müde wären oder heimgehen würden, weil sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln da waren, oder so. Die Norweger haben uns aber gesagt, dass wir uns keine Sorgen zu machen bräuchten, weil die Leute nur hier seien, um CANDLEMASS zu sehen. Wir haben zuvor schon einige Male in Oslo gespielt, aber dieses mal war es einfach unglaublich! Und die Leute haben die neuen Songs geliebt. Wir haben „Black Dwarf“ und „Witches“ gespielt und den Leuten hat es total gefallen. Bis vor ein paar Tagen hatte ich Angst, dass das Publikum nur auf die alten Sachen abfahren würde. Jetzt weiß ich aber, dass es wirklich neue Sachen hören will, dass es offen ist für Neues und davon ausgeht, dass das neue Material wirklich gut sein kann. Von ein paar Plattenlabels habe ich erfahren, dass sie wirklich Angst hatten, sich unser neues Demo [enthielt „Black Dwarf“, „Witches“ und „Spellbreaker“, Anm. d. Verf.] anzuhören, weil sie eben große CANDLEMASS Fans sind, und sich nicht getraut haben.

Dabei denke ich, dass das neue Album ziemlich traditionell ist!

Leif: Ja, das ist es auch! Aber es ist doch immer so: wenn Du Deine Lieblingsalben schon zu Hause hast, hast Du immer Angst, etwas Neues zu hören. Mir geht es zum Beispiel auch so. Ich hätte Angst, eine neue BLACK SABBATH Scheibe zu hören, auf der Ozzy singt. Kann das denn gut sein? Können sie denn jemals wieder so gut sein, wie sie früher waren? Das geschieht so gut wie nie. Die meisten Reunions sind einfach nicht mehr so gut. Wir haben einfach Glück, dass die Leute diese Scheibe mögen. Ich bin jetzt natürlich nicht objektiv, aber ich denke, dass die Scheibe alle klassischen CANDLEMASS Elemente beinhaltet und die Essenz von CANDLEMASS kanalisiert. Wenn Du auf „Epicus…“, „Nightfall“ oder „Tales Of Creation“ stehst, wirst Du einige Dinge wiedererkennen. Obwohl es keine Kopie ist! Dazu haben wir eine viel bessere Produktion, worüber ich sehr glücklich bin. Die alten CANDLEMASS Scheiben sind ziemlich gut, aber manchmal war die Produktion einfach zu… na ja, haha, es war eben Mitte der Achtziger!

Für die damalige Zeit war sie doch aber in Ordnung.

Leif: Ja, und die Leute mochten es auch, als es herauskam. Ich war etwas niedergeschlagen, als „Ancient Dreams“ herauskam, weil es nicht so klang, wie wir uns das gedacht hatten. Die Scheibe hatte eine ziemlich armselige Produktion. Wenn Du aber heute die Leute fragst, werden Dir viele sagen, dass ihr Lieblingsalbum ist. Sie hören das Album dann nach anderen Gesichtspunkten an, wie Du schon sagtest.

War das auch ein Grund für die Re-Masters?

Leif: Ja, absolut! Wir wollten einfach, dass sie besser klingen, um vielleicht auch neue Fans zu erreichen. Deshalb wollten wir das auch gut machen und mit den Bonus-CDs viel Value for Money bieten. Es sind viele Fotos dieser Jahre enthalten, sodass es wirkt wie eine Chronik. Wir haben uns wirklich viel Arbeit damit gemacht und die Reaktionen der Fans bezüglich der Re-Masters waren großartig. Verkauft werden sie ja zum Preis einer einzelnen CD. Es ist sehr wichtig, den Leuten Value for Money zu bieten. Deshalb haben wir auf der limitierten Erstauflage der neuen Platte auch einen Bonustrack namens „Mars And Volcanoes“, der für CANDLEMASS Verhältnisse recht schnell geraten ist. Es ist eben ein Bonus. Wenn Du Dir also den limitierten Digi kaufst, bekommst Du einen Bonustrack, weil Du gleich zuschlägst. Und nicht anders herum, wie es gerade oft geschieht: Du kaufst Dir ein Album Deiner Lieblingsband und drei Monate später kommt eine Special Edition mit drei neuen Songs auf den Markt.

Nuclear Blast machen so etwas ja auch ganz gerne…

Leif: Oh, wirklich? Hahaha! Dann sollte ich wohl ab jetzt nichts Negatives mehr sagen, hahaha! Ich werde ab jetzt still sein, haha. Wir haben während der Pressetour darüber gesprochen, und ich muss sagen: ich mag das nicht, weil ich selber Musikfan bin. Ich mag PORCUPINE TREE sehr, wirklich eine sehr gute Band, und ich habe mir gerade die neue CD gekauft. Zwei meiner Freunde sind immense PORCUPINE TREE Fanatiker, aber die können sich das Album nicht kaufen, weil sie gehört haben, dass es eine spezielle englische Version des Albums geben wird, auf der vielleicht zwei zusätzliche Tracks enthalten sein werden, und darüber hinaus noch eine amerikanische Version, die wiederum ein oder zwei andere Bonustracks enthalten wird! Sie wollen das Album im Moment nicht kaufen, weil sie denken, es ist zu viel, sich drei Exemplare davon anschaffen zu müssen.

Ich verstehe diese Taktik nicht ganz, denn normalerweise sollte man eine Scheibe ja pushen, wenn sie herauskommt und nicht ein halbes Jahr später den Kaufanreiz nachschieben.

Leif: Ja, dadurch entgehen den Labels Verkäufe. Sie denken, sie steigern ihre Verkäufe, tatsächlich verlieren sie aber, weil die Die Hard Fans das Album nicht kaufen. Ich kann mir ein Album nicht dreimal in einem Jahr kaufen! Das ist einfach zu viel!

Und einige Zeit später gibt es dann einen B-Seiten Sampler, auf dem dann alle gesammelten Bonustracks und Raritäten vertreten sind.

Leif: Das ist beschissen. Ich weiß noch nicht, wie wir das handhaben werden. Die Idee war eigentlich, eine Bonus DVD beizulegen. Wir hatten aber leider keine Zeit dazu. Nuclear Blast haben vorgeschlagen, dass wir es vielleicht später in Form einer speziellen Tour Edition nachholen könnten. Aber genau das ist wieder der Punkt und ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Aber eine Gratis DVD wäre schon prima. Wir haben viel Videomaterial, da wir die Aufnahmen zum neuen Album mitgefilmt haben… ich muss mir darüber noch Gedanken machen.

Eine andere Möglichkeit wäre ja noch „Black Dwarf“, zu dem es ja sowieso ein Video gibt, als Single auszukoppeln und der dann die DVD beizulegen.

Leif: Hmm, ich muss sehr sorgfältig darüber nachdenken, weil ich keinen Rip-off betreiben und die Fans nicht verarschen will.

Hattet Ihr eigentlich Befürchtungen, dass eine CANDLEMASS Reunion bei den Fans nicht gut ankommen würde und Ihr damit auf Reserviertheit stoßen könntet?

Leif: Durchaus. Wie ich schon sagte, die alten traditionalistischen Hardliner würden sagen, sie sind nicht interessiert, weil es nicht mehr „Epicus…“ ist. „Epicus…“ war auf eine Art so dermaßen Underground, und dieses Album ist einfach nicht „Epicus…“, obwohl man Elemente davon heraushört. „Epicus…“ kam vor beinahe 20 Jahren heraus und wenn die Leute offen bleiben, sich die Kritiken zum neuen Album durchlesen und mitkriegen, dass es wirklich gut ist, werden sie es vielleicht anchecken und es sich anhören. Sie werden dann vielleicht sagen ‚oh, „Black Dwarf“ ist etwas zu uptempo für mich‘, aber wenn ihnen „Epicus…“ gefällt, werden sie ihre Meinung bei „Seven Silver Keys“ ändern! Das hat wirklich ein schweres Riff und einen echt guten Chorus. Es ist ein Doomhit, hahaha!

Haha, genau! „Seven Silver Keys“ ist auch mein persönlicher Favorit auf dem Album.

Leif: Ja, das ist auch einer meiner Lieblingssongs, wie auch „Assassin Of The Light“.

Stimmt, ein äußerst gelungener Doppelpack!

Leif: Genau! Es ist wichtig, wie Du als Hörer in die Platte einsteigst. Hier hast Du zuerst den Uptempo-Rocker, den wirklich jeder mögen kann. Danach kommt „Seven Silver Keys“ mit seinem heavy Riff und dem starken Chorus und dann kommt das bösere „Assassin Of The Light“, schwer und experimentell. „Witches“ habe ich jetzt schon so oft gehört, es ist einfach „Witches“, haha! Ich spiele den Song gerne live. Ich denke, wir haben einen Flow im Album, das ja mit „Spellbreaker“ und „The Day And The Night“ auf eine sehr heavy Art endet. Das zeigt den Leuten, dass wir noch immer eine sehr heavy Band sind. Es war auch sehr wichtig, diesen Eindruck nicht durch zu viele Midtempo- oder noch schnellere Songs zu verderben.

Außerdem zeigt Ihr dadurch, dass Doom nicht immer lavaartig schwer sein muss.

Leif: Nein, muss es nicht! Wir sind Doom Metal, wir machen epischen Doom Metal. „Epicus Doomicus Metallicus“. Viele Leute sagen immer ‚Ihr seid Doom, Ihr seid Doom‘, das stimmt aber nicht. Wir sind Doom METAL! Da ist ein großer Unterschied. Ich mag Doom sehr, aber es langweilt mich nach drei oder vier Songs. Wenn Du Dir ein Album anhörst, das die ganze Zeit nur ultra, ultra langsam ist, dann langweilst Du Dich einfach schnell. Wenn Du Dir beispielsweise SUNN O))) live anschaust, brauchst Du vielleicht Deine drei, vier Bier, damit es Dir wirklich gefällt. Ich könnte mir zum Beispiel nie vorstellen, mir SUNN O))) direkt nach der Arbeit und völlig nüchtern anzuschauen. Du musst in der Stimmung dafür sein. Ich kann es mir eine Weile anhören, aber dann will ich jedes mal schreien ‚ändert den Akkord! Ein anderes Riff, biiiitte! Eine Bridge oder was auch immer…‘ Trotzdem ist es irgendwo cool. Ich liebe ELECTRIC WIZARD und hatte das große Glück, sie letztes Jahr in Stockholm zu sehen. Sie sind auch so verdammt heavy, trotzdem haben sie gute Songs! Es freut mich auch, dass SOLITUDE AETERNUS zurück sind. Ich mag sie wirklich sehr. Die Doom Szene ist am Leben! Vor allem extremer Doom, Sludge, usw. scheint ein Revival zu haben. Klassischer Doom weniger, wie es scheint, eher extremeres Zeug. Ich liebe alte PENTAGRAM, SOLITUDE AETERNUS, CATHEDRAL und eben die klassische Seite. Ich spiele in einer Band, die wirklich heavy ist und großartige Songs mit Harmonien hat.

Doom scheint wirklich einen neuen Frühling zu erleben. Denkst Du, Ihr werdet mit dem Video zu „Black Dwarf“ Airplay bekommen?

Leif: Hoffentlich, ja! Ich denke, es ist ziemlich clever gemacht und sieht echt gut aus. Wir haben einen riesiges Spotlight, das uns von hinten anstrahlt. Im Video scheinen wir zu strahlen. Im Song verbrennen wir einen Haufen Headlines, die um uns herum sind. Im Lied geht es ja um die ganzen Boulevardzeitungen und den Mülljournalismus, den es heutzutage gibt. Ich finde, es sieht wirklich gut aus, vor allem auch das Verbrennen der Headlines. Feuer sieht immer gut aus, oder? Es ist immer gut, wenn Du etwas verbrennst. Wenn es gut rauskommt, bin ich sicher, dass wir auch Airplay kriegen werden. Es ist ein guter Opener für ein Album und mit Sicherheit auch eine gute Wahl für ein Video. Das nächste Video wird es Ende des Sommers zu „Seven Silver Keys“ geben und das wird ein true Doom Video werden, hahaha!

Dann lass uns doch einmal über das vergangene Jahr plaudern. Nicht gerade wenige Leute dürften ziemlich verwirrt davon sein, dass Ihr Euch aufgelöst und nur sechs Monate später wieder zusammengefunden habt. Wie kam es denn dazu?

Leif: Ich denke, wir hätten uns einfach ein halbes Jahr Pause gönnen sollen, anstatt es einen Split zu nennen. Wir konnten uns nicht einigen, wie wir das Album angehen sollten. Wir hatten fünf verschiedene Meinungen darüber, wo, wann und wie wir es aufnehmen sollten. Wenn Du darüber nicht einig bist, solltest Du auch kein Album aufnehmen. Ich wollte es sowieso nicht machen. Meine Meinung war, wir sollten nur rausgehen und einmal für die Fans touren, wenn die Re-Masters rauskommen. Das haben wir dann gemacht für zwei Jahre und für meine Begriffe war das genug. Irgendwann haben wir aber wieder davon gesprochen, ich habe ein paar Songs geschrieben, Demos gemacht und die Jungs haben sie sich angehört. Und weil sie mochten, was sie hörten, haben wir uns wieder darangemacht. Als wir an diesem Punkt waren, war es eigentlich Mappe Björkman, der mich und die anderen dazu überredet hat. Wir haben uns Mitte August bei seiner Hochzeit getroffen, wo wir einige Songs gespielt haben. Und von da an ging es eigentlich los. Wir haben darüber gesprochen, haben uns getroffen, ich habe ein paar Demos gemacht und wir mochten es. Wir dachten, dass das etwas werden kann.

Das Line-Up vor dem Split war jedoch ein anderes als bei der Reunion.

Leif: Letztes Jahr haben wir während des Sommers Tapes an verschiedene Sänger verschickt. Das Ding war ja, dass das dazwischen passiert ist. Es gab ja kein CANDLEMASS. Mappe und ich saßen zusammen und überlegten, was wir tun sollten. Sollten wir eine Band formieren und wie sollte sie sein? Wir waren uns nicht sicher, dass es CANDLEMASS sein würde. Wir befanden uns in der Schwebe und wussten nicht, was wir tun sollten. Es hätte alles sein können. Wir haben also ein paar Demos verschickt und uns mit anderen Leuten unterhalten. Ich habe dann aber ein paar Songs aufgenommen, bei denen ich dachte, wenn es wirklich CANDLEMASS werden soll, muss es Messiah sein. Wir hatten niemals ein Line-Up ohne Messiah. Es ist sogar sehr falsch, das zu denken.

Was ist dann mit den Alben nach 1993?

Leif: Ach so, die! Die sind tatsächlich ohne Messiah entstanden, die stammen aber auch nur von mir. Du hast recht!

Für das neue Album hast Du aber alle Mitglieder des klassischen Line-Ups wieder zusammengetrommelt.

Leif: Richtig, das war aber schon zu Zeiten der Re-Masters, als wir sagten wir spielen einen Gig beim Sweden Rock Festival. Das haben wir dann getan und danach stand das Telefon nicht mehr still. Wir hatten Gigs und Gigs und Gigs und Gigs. Das war verdammt beeindruckend! Wir wollten einen Sommer lang rausgehen und für die alten Fans spielen. Daraus wurden dann zwei Jahre. Es hat allen total Spaß gemacht, da zu spielen. Nicht nur den CANDLEMASS Fans, sondern auch den neuen Fans, die die Band noch nicht kannten.

Gab es denn für das neue Album eine andere Herangehensweise als zuvor, als Du quasi Hauptsongwriter warst?

Leif: Nein, ich habe es wieder allein gemacht. Nachdem wir die Band aufgelöst hatten und ich im Sommer die Demos aufgenommen habe, hab ich einfach die ganze Zeit geschrieben. Unterbewusst habe ich einen Haufen Songs geschrieben, die einfach nach CANDLEMASS klingen. Was dabei herauskam, waren Metal- und CANDLEMASS Riffs. Als Mappe die Songs gehört hat, meinte er nur, das muss CANDLEMASS sein, das kann nur CANDLEMASS sein und wir müssen es mit Messiah machen. Ich habe zwar die Songs geschrieben, wenn die Band sie allerdings im Proberaum spielt, werden daraus erst CANDLEMASS Songs. Sie klangen einfach fantastisch. Wir haben diese bestimmte Chemie zwischen uns. Beim ersten Mal war es vielleicht noch nicht ganz so, aber beim zweiten Mal hat es direkt „ding“ gemacht und das Feeling war da. Es fühlt sich einfach großartig an, neue Songs zu proben. Wir hatten soviel Spaß dabei und haben wirklich viel geprobt während des Herbsts.

Welchen Stellenwert hat das neue Album verglichen mit den alten? Wo würdest es in der CANDLEMASS Historie einordnen?

Leif: Als das, das nach „Tales Of Creation“ kommt, hahaha! Im Prinzip kann man das so stehen lassen. Es gibt viele Leute, die sagen, dass diese Scheibe nach „Tales Of Creation“ hätte kommen können. OK, es kam ja auch nach „Tales Of Creation“, aber eben 16 Jahre später, hahaha! Wie ich schon sagte, ich denke, dass die Essenz von CANDLEMASS auf dem Album zu finden ist. Und wenn Du auf das alte Zeug stehst, wirst Du nicht enttäuscht werden. Ich glaube, dass die meisten Metalfans etwas mit dieser Scheibe anfangen können. Egal ob Du auf Power Metal, Progressive, Romantic oder amerikanischen Muscle Metal stehst. Heutzutage werden ja kaum noch klassische Metalalben veröffentlicht. Für diese Art Musik besteht ein Vakuum. Vielleicht mögen die Leute das neue Album, weil die Musik so stark zu den Achtzigern zurückkehrt, als es noch so viele brillante Metalalben gab. KING DIAMOND hat seine Alben mit MERCYFUL FATE veröffentlicht, SLAYER kamen mit ein paar großartigen Scheiben heraus, METALLICA nicht zu vergessen… ich vergleiche uns nicht mit denen, aber der Vibe ist ein ähnlicher.

Steckt eine besondere Absicht dahinter, dass das Album selbstbetitelt ist?

Leif: Auf jeden Fall! Wir wollten auch kein Gemälde auf dem Cover haben. Das wäre zu sehr nach den Achtzigern geschielt gewesen. Für unser Comeback Album mussten wir nach vorne schauen und es simpel und modern halten, gleichzeitig den Leuten aber nicht zu viel zumuten. Ich finde es interessant, es in schwarz und weiß zu haben, weil im Metal sonst einfach alles nur schwarz ist. Es wird auffallen und die Leute werden es beachten. Außerdem kannst Du weiße T-Shirts mit schwarzen Schädeln machen, was besonders im Sommer gut ist, weil es nicht so warm wird. Ich kann mich an kein weißes Metal T-Shirt erinnern und ich denke, das würde wirklich sehr gut aussehen.

Durch die schlichte Covergestaltung mit dem Kreuz und dem schwarzen Rand wirkt es wie eine Todesanzeige…

Leif: Genau das war auch ein Gedanke dahinter. Die Erstauflage kommt ja als fetter Digipack mit Prägedruck, sodass du den Schriftzug und das kleine Kreuz fühlen kannst, wenn du mit dem Finger darüber fährst. Es wird sehr künstlerisch und minimalistisch sein. Natürlich werden einige Leute sagen ‚oh fuck, das ist zu weiß für mich‘, ‚die Farbe der Unschuld‘ und ‚weiß ist kein Metal‘, blablabla. Du musst Dir viele Gedanken machen, wie Deine Scheibe aussehen soll. Du kannst nicht alles auf ein Cover machen. Ich weiß nicht, ob wir den richtigen Schritt machen mit diesem Cover, aber zumindest haben wir eine Vision. Ich bin ziemlich überzeugt, dass ich damit recht habe. Du solltest nur Deinem Herzen folgen. Wenn Du Deinem Herzen folgst, kannst Du sagen, Du hast Dein Bestes gegeben. Und wenn Dich die Leute dafür anpissen, kannst Du sagen ‚ich habe mein Bestes gegeben, ich bin meinem Herzen gefolgt‘. Wenn Du das befolgst, wirst Du Dich nie vor jemanden rechtfertigen müssen.

Würdest Du sagen, dass eine Reunion nur eine Reunion ist, wenn die Originalmitglieder von der Partie sind?

Leif: Ich weiß, was Du meinst. Die Leute wollen Messiah Marcolin sehen. Wir können keine Reunion mit Thomas Vikström von „Chapter VI“ machen. Das geht einfach nicht. Sie wollen Messiah sehen und sie wollen die Klassiker hören. Sie wollen „At The Gallow’s End“ und „Well Of Souls“ hören. Die Magie, die das Bang Your Head ergriffen hat, als wir dort vor zwei Jahren „Solitude“ gespielt haben, war fantastisch! Du konntest wirklich sehen, dass Elektrizität in der Luft lag und es die Leute wirklich hören wollten. Genauso, wie die Leute „Final Countdown“ von EUROPE hören wollen, hahaha!

Du kannst die beiden Songs aber tatsächlich vergleichen, denn „Solitude“ ist…

Leif: … unser „Final Countdown“, hahaha! Irgendwie schon, ich weiß was Du meinst. Es war cool, EUROPE auf ihrer Reuniontour zu sehen. Sie klangen wirklich gut! Ich bin aus Västby und kenne sie und die alten Shows, die sie gespielt haben. Es war wie eine Zeitreise.

Gibt es auch aktuelle Bands, die Du wirklich magst?

Leif: Hmm… wenige. Ich kaufe nicht mehr so viele Platten. Ich habe nicht das nötige Geld dafür und will auch gar nicht so viele Scheiben kaufen. Aber ich denke, dass PORCUPINE TREE eine wirklich sehr, sehr gute Band sind. Ansonsten habe ich mir die neue PRIMORDIAL gekauft, wobei die ja auch nicht mehr so neu sind. Das ist eine wirklich schwere Frage, denn normalerweise kaufe ich nur Wiederveröffentlichungen. Alte Mountain Records oder Roxy Music Alben, usw.

Was sind dann Deine Alltime Faves?

Leif: Das sind nur BLACK SABBATH. Sie sind meine Band, da kann ich nichts anderes sagen. Ich bin ein großer SABBATH Fan, das sind für mich die Siebziger.

Hast Du denn ein Ticket für eine Show?

Leif: Ja, für Stockholm, am 3. Juli. Das Konzert war innerhalb von 45 Minuten ausverkauft. Ich musste mir mein Ticket irgendwo im Internet besorgen, aber das ist OK. Ich freue mich schon darauf. Es wird das dritte oder vierte Mal sein, dass ich sie sehe. Ich bin mir sicher, sie werden wieder ein oder zwei Überraschungen einbauen. Letztes Mal haben sie genau die Songs gespielt, die meine Freunde und ich hören wollten. In der U-Bahn auf dem Weg zum Gig dachte ich ‚hoffentlich spielen sie „Tomorrow’s Dream“ und „After Forever“‚ und sie haben sie tatsächlich gespielt. Und Tony Iommi hat gejammt! Meine Freunde meinten noch, sie wollten „Symptom Of The Universe“ hören, obwohl wir wussten, dass sie es sicher nicht spielen würden. Tony Iommi hat es dann angespielt und Ozzy damit total überrascht! Das war cool, haha! Aber es ist mittlerweile einfach zu hoch für Ozzy. Selbst früher war es schwer für ihn, es live umzusetzen. Und heutzutage ist seine Stimme ja sowieso noch etwas tiefer. Ich glaube, den Song werde ich nie von SABBATH hören.

Dafür werden wir noch Einiges von CANDLEMASS hören. Das Album mit dem schlichten Titel „Candlemass“ erscheint am 2. Mai und dürfte wirklich keinen Fan enttäuschen.

Galerie mit 16 Bildern: Candlemass - "A Pale Tour Named Death 2019" in Hamburg
05.04.2005

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