Candlemass
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Interview

Seit ihrer Reunion veröffentlichen die schwedischen Doom-Metal-Urgesteine CANDLEMASS in schöner Regelmäßigkeit ein Hammeralbum nach dem anderen. Dieser Tage erscheint nun das überragend gute "Death Magic Doom", welches wieder einmal sämtliche Trademarks und Stärken der Legende bündelt und sich nahtlos in die lange Riege der Klassiker einreiht. Wir sprachen mit Bandleader Leif Edling.

CandlemassUrsprünglich war ja geplant, euer neues Album nicht „Death Magic Doom“, sondern nach einem der coolen neuen Songs, „Hammer Of Doom“, zu benennen. Das scheiterte jedoch daran, dass sich inzwischen ein kleines Festival in Würzburg die Namensrechte hierfür vorher gesichert hatte. Wie habt ihr davon erfahren?

Ich glaube, ich habe von jemandem eine Email bekommen, dass es da ein brandneues Festival mit diesem Namen gibt. Aber um ehrlich zu sein hatten wir vor „Hammer Of Doom“ noch weitere fünf bis sieben mögliche Albentitel zur Auswahl. Es war also nicht so schlimm, wir konnten einen anderen wählen, und ich denke, „Death Magic Doom“ ist ein klasse Name, meiner Meinung sogar der Beste!

Ja klar, der Titel ist natürlich auch klasse! „Death Magic Doom“ – als ich diesen Namen das erste Mal las musste ich gleich an die schwedische Doom-Metal-Band RUNEMAGICK denken. Kennst du sie? Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Ja, ich kenne sie, aber ich wusste nicht, dass sie auch ein Album des gleichen Namens haben!

Nein, den exakten Titel haben sie nicht, aber ein Album namens „Darkness Death Doom“ sowie die EP „Doomed By Death“, und die Magie steckt im Bandnamen.

Ich verstehe. Wir wollten mit dem Titel zeitlich ein wenig zurückgehen, hin zu unserem Debütalbum „Epicus Doomicus Metallicus“. Das war einer der Gründe für diesen Namen, eine Brücke zu unserer eigenen Vergangenheit zu schlagen. Gleichzeitig wollten wir einen Titel, mit welchem gleich klar wird, worum es bei uns geht. Wer CANDLEMASS sind.

Es passiert natürlich, dass sich Namen ähneln oder gleich sind, es gibt einfach so viele Bands, neue Festivals entstehen.

Ich halte eure Wahl aber für sehr gut, „Death Magic Doom“ passt wirklich hervorragend zur Musik des neuen Albums!

Ja, das sehe ich genauso. Ich habe mir einfach ein paar Gedanken bezüglich des Titels gemacht, und ich wollte, dass „Death“ darin vorkommt, und ebenfalls „Doom“, nach einer Weile wurde dann daraus „Death Magic Doom“.

Das Coverartwork passt dazu wie die Faust aufs Auge. Es erinnert mich vom Stil ziemlich an das Cover von eurer letzten EP „Lucifer Rising“!

Das liegt daran, dass beide Cover vom gleichen Typ gemacht wurden. Sie sehen nicht gleich aus, aber aus stilistischer Sicht kann man sicherlich erkennen, dass der gleiche Künstler involviert war. Er ist ein guter Freund von mir, er machte wie gesagt die Arbeit für „Lucifer Rising“, was mir sehr gut gefiel. Jetzt kam er hiermit an, und ich mag das auch sehr. Ich bin sehr glücklich mit dem Zusammenspiel aus Titel und dem Engel auf dem Cover.

Worum dreht es sich denn inhaltlich? Liegt dem Album ein Konzept zugrunde?

Nein, kein Konzept. Wir hatten eines auf dem Vorgänger „King Of The Grey Islands“, dieses Mal wollten wir nicht wieder ein Konzept haben. Das neue Album hat acht wirklich gute Songs, und jeder hat seine eigene Identität.

Während ich mir „Death Magic Doom“ angehört habe, musste ich immer wieder feststellen, wie verdammt gut mal wieder die Gitarrenarbeit ist, was sich vor allem immer wieder an den Soli zeigt. Probt ihr eigentlich viel zusammen, wie bereitet ihr euch für neue Aufnahmen vor?

Ich sandte im Mai 2008 meine Demos mit den neuen Stücken an die anderen. Die anderen haben die Songs dann im Mai, Juni und Juli angehört, wir haben dann den gesamten August zusammen geprobt. Wenn wir gemeinsam proben, ist das immer sehr intensiv. Am 30. August gingen wir dann für die Aufnahmen ins Studio. Wir waren ziemlich gut vorbereitet, das sind wir eigentlich immer. Wären wir das nicht, würde das nur einen Haufen Geld verschlingen, und das können wir uns nicht leisten. Wir haben dann wieder wie auch davor schon 10 Tage mit den Aufnahmen im Studio verbracht.

Während unseres letzten Gesprächs zu „King Of The Grey Islands“ erzähltest du mir, dass die Demoaufnahmen zusammen mit deinem Freund Mats Levén (u. a. KRUX, Ex-THERION) entstanden sind. Wie hast du dieses Mal gearbeitet?

Genauso. Wir trafen uns in seinem Haus und haben zusammen an den Rohfassungen der acht Songs gearbeitet. Er lebt nahe von meinem zuhause, es ist für mich sehr einfach, zu ihm zu gehen und mit ihm Demoaufnahmen zu machen, er kann das auch besser als ich. Die Zusammenarbeit zwischen uns läuft wirklich sehr gut.

Entstanden die Gesangsaufnahmen mit Robert wieder in Dallas und wurden diese dann wieder an euch nach Schweden geschickt, oder war er dieses Mal auch in den Polar Studios mit dabei?

Er war mit uns zusammen im Studio hier in Stockholm. Er war die ganzen 10 Tage anwesend. Wir konnten dadurch natürlich viel besser zusammenarbeiten. Auf Änderungen konnte gleich eingegangen werden. Ich denke, man kann das auch ganz gut hören, dass er dieses Mal mehr in die Produktion des Albums involviert war, dass er sich stärker als integres Mitglied der Band fühlt. Er hat einen wundervollen Job auf dem Album hingelegt.

Leider habe ich euch noch nicht mit Robert Live gesehen. Worin liegen bei einem Auftritt von CANDLEMASS die Unterschiede zwischen Robert und Messiah?

Man kann den Unterschied vergleichen mit Ozzy Osbourne und Ronnie James Dio. Es ist exakt genauso. Du wirst verrückt wegen dem Clown in der Band, und dann bringst du jemanden rein, der extrem gut darin ist, was er tut. Die Stimme ist das Hauptinstrument von Robert. Er verschafft uns mehr Raum auf der Bühne, um uns frei zu bewegen. Es funktioniert mit ihm wirklich gut. Als er neu in der Band war, absolvierten wir einige erste Shows, um warm zu werden. Diese ersten Auftritte waren vielleicht nicht super perfekt, aber trotzdem in Ordnung. Und nun nach einer Tour durch Europa als auch durch Amerika klappt alles bestens, er ist wirklich sehr gut auf der Bühne, und wir sind nun wieder eine starke Einheit.

Hat sich durch den Einstieg von Robert die Atmosphäre innerhalb der Band verändert?

Oh, Robert ist ein wirklich großartiger Typ, er ist sehr cool, ziemlich relaxt und gemütlich. Er ist auch eine sehr intelligente Person, man kann gut mit ihm diskutieren und zusammenarbeiten. Er passt wirklich sehr gut zu CANDLEMASS. Die Atmosphäre innerhalb der Band ist nun also sehr gut, besser als zuvor, man kann gut arbeiten.

Welches ist deiner Meinung nach das am meisten unterbewertete CANDLEMASS-Album?

Oh je, das ist eine schwierige Frage. Die Leute schätzen die Alben eigentlich sehr, auch bei den Kritikern haben wir immer hohe Bewertungen bekommen. Ich weiß nicht, vielleicht einige der Alben, welche ich in den Neunzigern machte, da diese sehr maßvoll waren und sich auch ansonsten etwas von unseren Anfängen unterschieden. Vielleicht „From The 13th Sun“, es ist eigentlich ein großartiges Album, aber ich würde es nicht zu den klassischen CANDLEMASS-Alben zählen, da niemand von der ursprünglichen Mannschaft mit dabei war. Mit den alten, klassischen Alben erhielten wir immer gute bis sehr gute Kritiken, unterbewertet war hiervon keines.

Letztes Jahr habt ihr die „Lucifer Rising“ EP veröffentlicht, auf welcher sich die neuen Songs „Lucifer Rising“ und „White God“ befinden. Waren diese Stücke komplett neu oder handelte es sich hierbei um Songs, welche noch von „King Of The Grey Islands“ übrig waren?

Nein, weshalb sollten wir Überbleibsel verwenden, das wäre dumm! Natürlich waren die Stücke komplett neu. „Lucifer Rising“ war der erste neue Song, welchen ich schrieb. Man muss die EP ansehen wie es damals in den Achtzigern war, als man eine EP als Appetizer für ein neues Album veröffentlichte. Genauso war es hier gedacht. Im Endeffekt bekommt man einen neuen Song, den Rest könnte man negativ gesehen als Füllmaterial bezeichnen. Man hatte den wichtigen Song auf der A-Seite, auf der B-Seite gab es dann einen oder zwei Live-Tracks. „White God“ war ein neues Stück, das allerdings nicht auf „Death Magic Doom“ kommen sollte. Und rein aus Spaß haben wir noch eine Neuaufnahme von „Demons Gate“ eingespielt. Das ist natürlich nicht so wichtig, letztendlich ging es um „Lucifer Rising“, als Appetithappen für das neue Album.

Ich weiß, dass du ein großer Fan von BLACK SABBATH bist. Hattest du eigentlich jemals die Chance, Tony Iommi persönlich zu treffen

Ja, ich habe ihn sogar schon einige Male getroffen. Er ist sehr freundlich. Dasselbe gilt für Geezer Butler genauso wie Bill Ward. Auch Ozzy war nett zu mir. Dio habe ich auch einige Male getroffen, er ist auch wirklich nett. Yeah, ich kann absolut nichts Schlechtes über meine Helden sagen. Sie scheinen wirklich alle verdammt coole Personen zu sein!

Hast du denn schon HEAVEN AND HELL Live gesehen?

Nein, leider nicht! Ich wollte sie mir letztes Jahr anschauen, aber es kam nicht dazu. Ich möchte sie dieses Jahr gerne sehen, aber so wie es derzeit aussieht, spielen sie genau immer dann, wenn auch wir unterwegs sind. Das ist ok für mich, ich bin erwachsen, ich werde mir einfach später eine DVD von ihnen kaufen. Aber natürlich wäre es cooler, wenn ich sie mir irgendwo ansehen könnte.

Letztes Jahr habt ihr eine Tour durch die USA absolviert, zum ersten Mal wieder seit 17 Jahren! Wie lief es denn?

Es war fantastisch! Eine gute Erfahrung, wir haben viele Fans getroffen und kennen gelernt, wir konnten einige Alben verkaufen und hatten eine gute Zeit. Der Dollarkurs war sehr niedrig, daher konnten wir uns viele Sachen kaufen. Wir konnten es uns daher auch leisten, so oft wie wir wollten auswärts Essen zu gehen. Es war cool. Bei einigen Konzerten hatten wir jetzt nicht so viele Besucher, aber die meisten Auftritte waren sehr cool. Es war eine gute Tour.

Gibt es schon Pläne für eine Tour durch Europa dieses Jahr? Und welche Festivals habt ihr eingeplant?

Oh, das ist eine schwierige Frage, da wir sie im Moment gerade buchen, und wir sind sehr spät dran. Unser Manager arbeitet daran gerade, bisher bestätigt sind das Bloodstock Open Air in England, vielleicht spielen wir auch auf dem Dynamo Festival in Holland, dann ist da noch ein polnisches und ein griechisches Festival. Aber wie gesagt, wir sind sehr spät dran, und wahrscheinlich werden wir daher auf kein deutsches Festival können. Es sieht sehr schlecht aus. Das kotzt mich natürlich etwas an, da unser neues Album in der Presse sehr gut ankommt. Aber vielleicht sagt ja eine andere Band irgendwo ab, so dass wir dann dafür einspringen können? Lasst uns darauf hoffen, wir arbeiten jedenfalls an einer Lösung.

Und eine Tour ist Herbst geplant. Es wird eine große Tour, wir werden versuchen, so gut wie überall zu spielen.

Na das ist doch schon mal was! Vielen Dank für das Interview!

Ich danke dir!

Galerie mit 16 Bildern: Candlemass - "A Pale Tour Named Death 2019" in Hamburg
28.03.2009

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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