Dream Theater
"Die richtige Art, unser Album zu hören, wäre also, sich eine Tüte Popcorn zu schnappen, sich hinzusetzen und aufmerksam zuzuhören" - Interview mit Jordan Rudess zum kommenden Album "The Astonishing"

Interview

Dream Theater

Mit „The Astonishing“ werden DREAM THEATER am 29. Januar ein höchst ambitioniertes und aufwendiges Doppelalbum veröffentlichen, auf dessen Release die New Yorker bereits seit Ende Oktober letzten Jahres hinarbeiten, indem sie stückweise Informationen zum Setting und zur Geschichte veröffentlichen. Überdies konnte man via Email-Subscription eine Art Newsletter abonnieren, in dem die Motivationen der Charaktere dargestellt werden. Passend zur theatralischen Story macht es das Quintett um John Petrucci also extrem spannend. Wir haben uns nun Tastenhexer Jordan Rudess geschnappt und ihn zum kommenden Album befragt.

Hallo Jordan, wie geht es Dir?

Jordan: Danke sehr gut.

Wie seid Ihr mit Euren Aufnahmen vorangekommen?

J: Der Prozess der Aufnahmen selbst war sehr lang. Wir waren seit einem Jahr mit dem Komponieren des Materials beschäftigt. Es handelt sich um ein Doppelalbum, das über zwei Stunden dauern wird. Insgesamt ist „The Astonishing“ unser bislang längstes Album.

Wie kam es denn überhaupt zur Idee, ein solches Konzeptalbum zu schreiben?

J: Während der Promotionstour zum letzten Album hatte John Petrucci bereits die Idee zur Geschichte gehabt und hat diese geschrieben, ohne dies jedoch groß zu erwähnen. Als unsere letzte Welttournee dann schließlich abgeschlossen war, begannen Petrucci und ich mit den Arbeiten an der Musik.

Wie würdest Du das Album beschreiben?

J: „The Astonishing“ ist sehr theatralisch ausgefallen, ähnlich wie eine Rockoper oder ein Musical. Wir wollten etwas kreieren, das man als eine Erfahrung, ein Abenteuer betrachten kann. Musikalisch gesehen haben wir uns dabei an Alben wie „The Wall“, „Tommy“ oder Musicals wie „Jesus Christ Superstar“ orientiert. Auch wollten wir so viele organische Instrumente verwenden wie nur möglich. So habe ich beispielsweise auf einer Hammond-Orgel oder einem Steinway Grand Piano gespielt. Aus diesem Grunde haben wir auch statt der üblichen Synthesizer-Arrangements mit dem Prager Philharmonikern ein echtes Orchester gehabt, das von David Campbell geleitet wurde. Er hatte die Parts für das Orchester ausgearbeitet und arrangiert.

Wie wird sich das Album denn anhören?

J: Natürlich wird auch das neue Album unverkennbar wie DREAM THEATER klingen, aber wir haben unseren Stil dem Konzept angepasst, sodass er passend zur Story dynamisch und unberechenbar ist. Die Musik ist – wie bereits gesagt – sehr theatralisch ausgefallen, eben wie ein Musical. Dazu gibt es sehr viele progressive, melodische und heftige Passagen. Wir haben überdies zahlreiche Elemente aus Filmscores integriert. Wir wollten auch eine Art Kontrast zwischen organischen und elektronischen Instrumenten schaffen, wobei die elektronischen Sounds für die sogenannten NOMACS stehen, einer Art maschinellen Wächter, die in der Geschichte und im Setting eine zentrale Rolle spielen. Wir haben dabei mit Geo Shred gearbeitet, einem Programm, mit dem man Gitarren sequencerartig simulieren kann.

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Kannst Du denn schon etwas über die Story sagen?

J: Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel spoilern, aber so viel kann ich verraten: Die Geschichte wird in einer Art retro-futuristischen Setting stattfinden, als Konsequenz des gesellschaftlichen Zusammenbruchs. Die soziale Struktur erinnert dabei stark an den mittelalterlichen Feudalismus. Maschinen sind außer Kontrolle geraten, es hat sich wieder eine Monarchie gebildet und Musik wurde aus dieser Welt verbannt. Alles, was von der Musik geblieben ist, sind kakofone Sequenzen, die von den NOMACS ausgestrahlt werden. Der Held der Geschichte ist ein junger Mann aus einem Ort namens Ravenskill, der den Menschen durch Musik wieder Hoffnung gibt. Es gibt Liebe, Verrat, Gewalt, insgesamt handelt es sich also um eine sehr klassische Geschichte.

Ist der Titel des Albums also direkt mit der Geschichte verbunden?

J: Ja, ist er. „The Astonishing“ steht für den Schock, das Erstaunen, das der Herrscher dieser Welt und seine Lords empfinden, als sich die Rebellion gegen sie erhebt. Der Herrscher fühlt sich durch die Musik bedroht, die der Hauptcharakter nutzt, um die Menschen zu retten.

Werdet Ihr Eure Geschichte verfilmen oder anderweitig adaptieren?

J: Zunächst wollen wir uns erst einmal auf die musikalische Darbietung konzentrieren. Aber wir haben schon Pläne für Bücher, Theaterstücke und eventuell sogar auch einen Film. Lasst Euch einfach mal überraschen.

Wie wird denn die dazugehörige Tour ausfallen?

J: Da es sich um ein Konzeptalbum handelt, möchten wir das Album in seiner Gänze live spielen. Das haben wir zuletzt bei „Scenes From A Memory“ getan. Das bedeutet einerseits, dass wir bei den Konzerten nicht dazu kommen werden, etwas anderes zu spielen, da das Album selbst mit über zwei Stunden Laufzeit lang genug sein und den Abend ausreichend füllen wird. Andererseits ist eine aufwendige Bühnenshow in Arbeit. Wir haben einige Spezialisten engagiert, die mithilfe von Projection Mapping eine visuell eindrucksvolle Show inszenieren werden. Insgesamt wollen wir so viel wie möglich touren.

Wie würdest Du denn empfehlen, an das Album heranzugehen?

J: Einerseits wollten wir die Stücke für sich selbst stehen lassen. In der heutigen Gesellschaft, in der die Menschen die Möglichkeit haben, Alben in Bruchstücken herunterzuladen, war das quasi unumgänglich. Allerdings werden alle Songs natürlich ineinander greifen. Die richtige Art, unser Album zu hören, wäre also, sich eine Tüte Popcorn zu schnappen, sich hinzusetzen und aufmerksam zuzuhören. (lacht) Die Texte sind sehr klar und verständlich ausgefallen, was eine Art Markenzeichen von Petrucci ist, der die Lyrics geschrieben hat. Dennoch wird die Geschichte sehr komplex sein und über ausreichend Tiefe verfügen, sodass man sich wirklich Zeit nehmen kann und sollte, um sich das alles zu erschließen. Bei unseren Fans sind ja bereits Diskussionen entflammt darüber, wie sich „The Astonishing“ denn nun konkret äußern wird.

Dann bedanke ich mich für das Interview, die letzten Worte gehören Dir.

J: Ich bedanke mich ebenfalls recht herzlich und hoffe, dass Ihr Euch die Shows in Deutschland nicht entgehen lassen werdet.

Galerie mit 11 Bildern: Dream Theater - Rockharz Open Air 2015
15.01.2016

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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