Dream Theater - When Dream And Day Unite

Review

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Wenn man sich heute überlegt, dass der 1989 noch ziemlich unbekannte Fünfer DREAM THEATER mit ihrem Debütalbum die naive Hoffnung hatten, erfolgreich und beachtet zu werden, klingt das wie eine merkwürdige Anekdote aus einer anderen Heavy-Metal-Epoche. Aber vielleicht war dieses Wunschdenken auch notwendig gewesen um die Jahre zuvor zu überstehen, als man sowohl den Namen MAJESTY, als auch den ersten Sänger Chris Collins aufgeben musste. Und so kam die Progwelt schließlich in Kontakt mit Charlie Dominici, der zum Zeitpunkt der Verpflichtung mit den vier jungen Instrumentalisten bereits knapp 40 Jahre alt war, und zuvor nur an einigen unbekannten Musikkleinoden beteiligt war. War der große Altersunterschied anfangs als sehr vorteilhaft aufgefasst worden, da man nun von seiner Ruhe und Erfahrung profitieren konnte, sollte er sich nach der Veröffentlichung aber als einer der baldigen Trennungsgründe herausstellen. In jedem Fall darf aber nicht vergessen werden, dass „When Dream And Day Unite“ auch das Album von ihm, und dem damaligen Keyboarder Kevin Moore ist.

Ob die geringfügig andere Besetzung aber der alleinige Grund gewesen sein soll, warum das Debütalbum noch eine deutlich größere Hardrockschlagseite als das später erscheinende „Images And Words“ inne hatte, darf bezweifelt werden. Ich will zwar gar nicht abstreiten, dass „When Dream And Day Unite“ immer noch als reinrassige Progplatte durchgeht, aber so rockig treibende und stapfende Riffs wie in „Afterlife“ oder „A Fortune In Lies“, bzw. so schwülstige Keyboards wie in „Status Seeker“ suchte man später vergeblich. Dafür gibt es aber auch jede Menge Parallelen: John Petrucci hatte auch damals schon einige irre Soli drauf, das Songwriting war immer schon episch verschachtelt gewesen (siehe „The Killing Hand“!) und so ein starkes Instrumental, wie der legendäre „Ytse Jam“ ist auch erstmal eine Hausnummer für sich.

Will man die Platte dennoch ehrlich in die Gesamtdiskographie der Band einfügen, muss man auch als Fan zugeben, dass die großen Songwritingqualitäten ab der 94er „Awake“ längst noch nicht erreicht waren. Das Album fühlt sich wie ein großartig zu hörendes Progalbum voller Ideen und starken Hooks an, ohne jedoch schon die später regelmäßig demonstrierte Qualität erahnen zu lassen, mehrere musikalische Themen innerhalb zehnminütiger Songs mächtig zu verquirlen und dabei emotionale Achterbahnfahrten zu vollziehen. Stattdessen herrscht eine eher Stream-Of-Consciousness-artige Kompositionsweise vor, indem Themen in einem sinnvollen Spannungsbogen aneinander gereiht werden, ohne dass man sie jedoch (wie im tatsächlichen Song „Stream Of Consciousness“ 15 Jahre später) bis in den letzten Winkel erforscht und ausreizt. Wer jedoch die heutigen Platten für seelenloses Rumgefrickel hält und mit den sonstigen Alben bis „Falling Into Infinity“ mehr anfangen konnte, könnte gerade das als die große Stärke des Banddebüts sehen, welche im kommenden „Images And Words“ zwar weiter ausgebaut, allerdings auch mit vielen experimentiven Elementen verwässert wurde.

Denn schlechter als überdurchschnittlich ist keines der acht enthaltenden Lieder! Umso größer muss der Schock gewesen sein, als der erhoffte Einschlag beim Release 1989 komplett ausgeblieben ist und das damalige Label „Mechanic Records“ die geplante USA-Tour auf fünf Konzerte im Raum New York eingestampft hat, bevor es der Band selbst die Dienste kündigte. Und so wäre sowohl „When Dream And Day Unite“, als auch der Name Charlie Dominicis sicherlich wieder in der Versenkung verschwunden, hätte die Band nicht drei Jahre später mit „Pull Me Under“ ihr persönliches „Smells Like Teen Spirit“ feiern und neue Werbung für ihren Backkatalog machen können. Wirklich geholfen hat aber auch das nichts: Wäre „When Dream And Day Unite“ nicht das Debütalbum der heute legendären DREAM THEATER gewesen, hätte sich kein Musikredakteur 20 Jahre später die Mühe gemacht, eine Rezension zu schreiben. Etwas Unrecht tut man der an sich tollen Platten aber dennoch damit.

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12.01.2011

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2 Kommentare zu Dream Theater - When Dream And Day Unite

  1. Maria Kurz sagt:

    Neben Images, Awake, A Dramatik turn of Events sicher ein großes Album mit damals sicher experimentellen Elementen. Experimentive Elemente habe ich darauf aber nicht gefunden…?

    9/10
    1. Maria Kurz sagt:

      Dramatic events natürlich!