Powerwolf
Interview mit Matthew Greywolf zu "Preachers Of The Night"

Interview

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Mit „Preachers Of The Night“ hauen POWERWOLF ihr inzwischen fünftes Album auf den Markt, und auch mit diesem hervorragendem neuen Werk dürfte das Rudel weiter kräftig an Bekanntheit und Gefolgschaft zulegen. Verdientermaßen möchte ich meinen, denn neben den stets starken Live-Shows, dem konsequent durchdachten und durchgezogenem Konzept bis ins Detail sind es nicht zuletzt die wirklich starken, eigenständigen Alben, welche POWERWOLF aus dem Meer von Mitbewerbern so hervorheben. Das Wolfsrudel mit seiner eigenen, unverkennbaren Duftmarke bleibt stilistisch und thematisch in seinem ureigenen Revier beheimatet. „Preachers Of The Night“ ist Heavy Metal, musikalisch, lyrisch, Image, Klischee, durch und durch. POWERWOLF gehen wieder einmal verdammt detailverliebt zu Werke, das neue Album strotzt vor majestätischer Opulenz und Pomp, epischer Erhabenheit, Mitsing-Refrains und einer gesunden Portion Selbstironie. Was dahintersteckt, besprachen wir mit Matthew Greywolf.

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Wie sind die bisherigen Reaktionen auf euer neues Album „Preachers Of The Night“?

Sie könnten nicht besser sein. Nicht nur, dass wir in Magazinen wie dem Metal Hammer oder dem Rock it Album des Monats geworden sind, auch die ersten Reaktionen unserer Fans, die jetzt, ein paar Tage nach Release eintreffen, sind überwältigend, und das ist uns das Wichtigste überhaupt.

Mit „Preachers Of The Night“ habt ihr deutlich an Tempo zugelegt. Wie kommt’s?

Geplant war das nicht, da ist wohl der Wolf mit uns durchgegangen, haha… Ich denke das kommt daher, dass uns Live die schnelleren Songs einfach am meisten Spaß machen, und wir beim Songwriting auch immer die Live-Situation instinktiv im Hinterkopf haben. Eine der ehrlichen Fragen, die man sich als Band beim Schreiben neuer Songs ja stellen muss, ist: Würden wir diesen Song Live spielen? Wenn wir diese Frage mit Ja beantworten können, dann kommt der Song in die Auswahl fürs Album. Und dieses Mal hatten wir wohl Bock auf schnelle Songs.

Eine weitere Neuerung ist das Stück „Kreuzfeuer“, welches den ersten deutschsprachigen POWERWOLF-Song darstellt. Wie kam es zu dieser Idee und dem Text?

Ich hatte eines Tages die Idee zum Refrain des Songs, und hatte gleichzeitig diesen Text im Kopf. Ich hab das dann erst Mal verdrängt, denn um ehrlich zu sein, mag ich deutsche Texte nicht allzu sehr. Trotzdem hat mich die Idee nicht mehr losgelassen, so dass ich mich nach Wochen dazu entschied, den restlichen Wölfen die Idee vorzustellen, und alle waren begeistert. In solchen Momenten haben uns eine unkomplizierte „na und“ Einstellung bewahrt: Wir überlegen nicht groß, wie das ankommen könnte oder auch nicht, sondern machen einfach das, wonach uns ist, und in diesem Fall entstand so der erste deutschsprachige POWERWOLF-Song. Wir haben das in diesem Fall getan, weil die Musik und die Stimmung des Songs einfach nach der deutschen Sprache verlangt hatten. Um die Frage gleich vorweg zu nehmen: Nein, das heißt nicht, dass wir das in Zukunft zwangsläufig öfter machen werden.

Ansonsten seid ihr eurem Stil treu geblieben, oder siehst du selbst irgendwelche größeren Unterschiede im Vergleich zu bspw. „Blood Of The Saints“? Ist es für euch eher schwierig, immer noch neue Ansätze zu finden?

Nein, das ist es nicht, denn wir lieben das, was wir da tun, und um ehrlich zu sein, ist es auch nicht der Ansatz beim Songwriting, zu überlegen, was man anders machen könnte, sondern der Ansatz ist, weiterhin starke Songs zu schreiben. Wir haben auf „Preachers Of The Night“ bei einigen Songs, etwas „Kreuzfeuer“ oder „Secrets Of The Sacristy“ neues Terrain betreten, und bei Songs wie „In The Name Of God“ erst Mal mit sehr tief gestimmten Gitarren gearbeitet. All das sind Details, die es für uns immer wieder spannend machen, an neuen Songs zu arbeiten. Wir haben uns mit unserem Sound eine Spielwiese geschaffen, innerhalb der wir uns sehr wohl fühlen, und auf der es immer wieder neue Details zu entdecken gibt.

Es gibt Meinungen, die euch vorwerfen, mit „Preachers Of The Night“ einen peinlichen und billigen Abklatsch von „Blood Of The Saints“ rausgebracht zu haben. Wie geht ihr mit solcher Kritik um?

Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, und man muss jedem seine Meinung lassen. Allerdings ist mir bisher noch keine solche Meinung zu Ohren gekommen und ich finde sie auch sehr oberflächlich. Ich denke – und das zeigt auch der Großteil der Reaktionen von Presse und Fans – dass wir mit „Preachers Of The Night“ ein verdammt starkes Album geschaffen haben, das alle POWERWOLF-Trademarks auf den Punkt bringt, und sehr viele starke Songs enthält. An der Stelle muss man auch mal selbstbewusst sagen, dass wir über die Jahre einen ureigenen Sound geschaffen haben, ich kenne keine Band, die ansatzweise klingt wie wir. Und ich sehe nichts Verwerfliches dabei, wenn wir diesen Stil weiter verfeinern und zelebrieren, denn genau diesen Sound lieben wir und unsere Fans. Wir arbeiten nicht mit Kalkül, sondern schreiben die Musik, die wir lieben. Wie künstlerisch verlogen wäre es denn, wenn wir krampfhaft versuchen würden, uns zu verbiegen oder etwas anders zu machen, nur damit vereinzelte Schreiberlinge dann in die Hände klatschen?

Wie schreibt ihr neue Songs eigentlich? Wer ist daran beteiligt, und was muss ein Stück für euch haben, damit es auf ein Album kommt?

Ein Song muss eine Starke Hookline haben, und eine Atmosphäre. Er muss fließen und dich mitreißen. Planen kann man das nicht, es passiert. Es kommt durchaus mal vor, dass man Songs schreibt, die zwar eine starke Hookline haben, aber aus irgendeinem Grund nicht auf den Punkt kommen, rhythmisch nicht mitreißen oder ähnliches – und die wandern dann in den Papierkorb. Wir gehen da sehr hart mit uns ins Gericht, und nur wenn wir wirklich alle begeistert und überzeugt sind, hat ein Song die Chance auf das Album zu kommen.

Woher nehmt ihr die Sicherheit in Sachen Melodie und purer Eingängigkeit, um solche Ohrwürmer zu erschaffen? Geht euch das wirklich so einfach von der Hand?

Es liegt uns wohl sprichwörtlich im Blut, haha. Wir können nicht anders. Es wäre für uns wahrscheinlich viel schwieriger, einen Song mit einem nicht-eingängigen Refrain zu schreiben, weil es einfach nicht in unserer Natur liegt.

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Eines eurer Trademarks ist eure beißende Ironie. In diesem Zusammenhang findet man auf „Preachers Of The Night“ das Stück „Coleus Sanctus“. Was hat es denn damit auf sich?

Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie „Heiliger Hodensack“, und ist eine ironische Hommage an das Heiligtum eines jeden Mannes. Solche augenzwinkernden Songs sind uns hier und da wichtig, denn zum einen muss man, wenn man mit so vielen Klischees spielt, wie wir, einfach auch mal einen Gesunden Funken Humor aufbringen, und zum anderen zeigt es wirklich auch dem letzten Zweifler, dass wir – unserem Image zu Trotz – keine religiösen Fanatiker oder Prediger sind, denn dann würden wir wohl kaum solche Texte schreiben.

Ihr habt euch ein Image aufgebaut, am Anfang waren das Werwölfe und Vampire, davon hattet ihr euch gelöst und nehmt nun über die Jahre hinweg immer wieder Bezug auf religiöse Ereignisse. Wie kam es dazu? Was verbindet ihr selbst als Band aber auch als Individuen mit Religion?

Unsere individuellen religiösen Ansichten sind im Kontext von POWERWOLF nicht von Bedeutung und bleiben privat. Nur so viel: Wir alle beschäftigen uns intensiv mit religiöser Geschichte und Philosophie, auch weit über den Rahmen hinaus, den wir bei POWERWOLF thematisieren – und so ist es einfach ein natürlicher Prozess, dass wir uns auch textlich mit entsprechenden Themen befassen, zumal eine Thematik wie die Kreuzzüge, um die es auf „Preachers Of The Night“ immer wieder geht – perfekt zu unserer Musik passen.

Habt ihr manchmal das Gefühl, dass ihr auf diese Thematiken zu sehr eingeschränkt seid, um irgendwelche Erwartungshaltungen seitens der Fans zu erfüllen?

Wir kümmern uns nicht um Erwartungshaltungen, das haben wir noch nie getan und werden es nie tun. Natürlich sind wir durch unser Image ein wenig festgelegt, es würde wohl kaum passen, wenn wir jetzt einen Song über das Waldsterben schreiben würden, aber das stört uns nicht. Wie schon erwähnt, die Thematik resultiert aus unseren privaten Interessen und ist nicht aufgesetzt. Und glaube mir: Die Bibel, und speziell das alte Testament, liefern Stoff in Hülle und Fülle.

Welche Themen stehen denn bei „Preachers Of The Night“ im Fokus?

Ein Teil der Songs, wie „Amen & Attack“, „Kreuzfeuer“ oder „In The Name Of God“, haben textlichen Bezug zu den frühen Kreuzzügen. „In The Name Of God“ z. B. befasst sich mit der Synode von Clermont, eine geschichtsträchtige Messe, bei der damals Papst Urban die Kreuzritter auf die bevorstehenden Kreuzzüge eingeschworen hatte mit den Worten „Deus lo vult“, was so viel heißt wie „Gott will es“. Eines der frühen Beispiele, wie Religion und Glauben dazu zweckentfremdet wurden, um Menschen zu instrumentalisieren. Wichtig ist hierbei, dass wir aus der betrachtenden Perspektive schreiben, wir verherrlichen keine Kriege, und solche waren die Kreuzzüge ja letztlich.

Woher bezieht ihr die Inspiration für eure Texte?

Aus der Bibel und dem Leben.

In welchem Zusammenhang steht das Cover zu den Inhalten von „Preachers Of The Night“?

Wenn ich an einem Album arbeite sehe ich bildhafte Szenen vor mir, die mit der Musik zu tun haben. In diesem Fall war es der Song „Amen & Attack“, bei dem ich diese Szene mit dem wetternden Wolfsprediger mit brennendem Kreuz vor mir sah, und diese Szene verband ich mit dem Song. Als ich mich an die Arbeit zum Artwork machte, brauchte ich nicht lange zu suchen, sondern fing an, eben jene Szene zu illustrieren. Für mich steht diese Szene stellvertretend für die Musik auf „Preachers Of The Night“: Sakral, erhaben, aber eben auch härter und aggressiver als je zuvor.

Erneut habt ihr im Studio Fredman aufgenommen. Was ist das Besondere an der Arbeit mit Frederik? Wie verlief der Aufnahmeprozess, und habt ihr etwas anders gemacht als sonst?

Fredrik ist ein ähnlich verrückter Hund bzw. Wolf wie wir, haha… deshalb versehen wir uns so gut. Im Ernst: Frederik kennt uns mittlerweile sehr gut, und weiß genau, auf was es bei einem POWERWOLF Song ankommt, er ist ja schon fast sowas wie der 6. Wolf im Rudel. Technisch ist er für mich einer der besten Metal Produzenten weltweit, und musikalisch liegen wir absolut auf einer Linie. Da wir auch über einen sehr ähnlichen Humor verfügen, ist es jedes Mal wieder ein Fest, mit Mr. Nordström zu arbeiten.

Die Orgel nehmt ihr immer in der Eglise St. Barbe in Thionville in Frankreich auf. Was ist das Besondere an diesem Ort? Wie viel Aufwand steckt dahinter, dort aufzunehmen?

Nun, zum Einen ist ganz banal die Besonderheit, dass wir dort aufnehmen dürfen. Ist ja nicht das leichteste, als Metalband an einem solchen Ort geduldet zu sein. Zum Anderen verfügt die Orgel dort über einen hervorragenden Klang, deshalb zieht es uns immer wieder dorthin.

Stell dir vor, alles wäre möglich – wie würde das absolut perfekte POWERWOLF-Konzert aussehen?

Wir würden auf dem Petersplatz in Rom die Apokalypse auf der Bühne inszenieren und nach der Zugabe in den Himmel auffahren.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Pilgert alle zu den Wolfsnächten im Herbst. Deus lo vult!!!!

Galerie mit 23 Bildern: Powerwolf - Wacken Open Air 2019
25.07.2013

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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